Bereits zum neunten Mal packten die Klientinnen und Klienten der Förderwerkstätte „Rettet das Kind“ in Oberpullendorf kräftig an, um 2.000 Wanderpakete für den großen Waldquelle Familienwandertag vorzubereiten.
Auch ohne Schilddrüse ist ein gutes Leben möglich
Klinik Oberpullendorf
An der Klinik Oberpullendorf werden durchschnittlich 10 bis 12 Schilddrüsenoperationen pro Woche durchgeführt. Primaria Evelyne Bareck erklärt, worauf man heutzutage in der Schilddrüsen-Behandlung setzt.
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Unscheinbar, klein, aber oho: Die Schilddrüse steuert in unserem Körper zahlreiche wichtige Funktionen, die von Stoffwechsel und Energiehaushalt bis hin zu Wachstum und Organfunktionen reichen. Die Zahl der Erkrankungen am Organ nimmt stetig zu. „Autoimmunerkrankungen steigen kontinuierlich an – mitbedingt durch Stress, Umweltbelastungen und genetische Veranlagung“, erklärt Primaria Evelyne Bareck, Leiterin der Chirurgie und ärztliche Direktorin der Klinik Oberpullendorf.
Besonders häufig treten Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow auf, die zu Unter- beziehungsweise Überfunktionen der Schilddrüse führen können. Typische Beschwerden reichen von Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Haarausfall bis hin zu Herzrasen, Schlafstörungen oder innerer Unruhe. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Da die Symptome oft unspezifisch sind, werden Schilddrüsenerkrankungen häufig spät erkannt. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und Bluttests schaffen jedoch frühzeitig Klarheit. Denn: unbehandelte Funktionsstörungen können ernsthafte Folgen haben und etwa das Herz-Kreislauf-System stark belasten.
Seit der Jahrtausendwende hat sich die Schilddrüsenchirurgie deutlich verändert. „Wir haben uns von funktionserhaltenden Eingriffen zunehmend hin zu radikaleren Operationen mit vollständiger Entfernung der Schilddrüse entwickelt“, erklärt die Expertin für endokrine Chirurgie. Gleichzeitig hätten sich die pathologischen Diagnosemöglichkeiten enorm verbessert. Dadurch würden heute viele Karzinome früh erkannt, bei denen bereits eine Operation heilend wirken könne.
An der Klinik Oberpullendorf werden durchschnittlich 10 bis 12 Schilddrüsenoperationen pro Woche durchgeführt, darunter etwa zwei Eingriffe aufgrund bösartiger Veränderungen. Ob nach der Operation weitere Therapien notwendig sind, hängt wesentlich vom pathologischen Befund ab.
Eine klassische Chemotherapie sei bei Schilddrüsenkarzinomen glücklicherweise nur selten erforderlich. Häufig komme stattdessen die Radiojodtherapie zum Einsatz, so die Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Dabei wird radioaktiv markiertes Jod verabreicht, das gezielt von verbliebenen Schilddrüsenzellen aufgenommen wird. Auf diese Weise können verstreute Tumorzellen schonend zerstört werden.
Die Prognosen sind insgesamt sehr gut – insbesondere bei frühzeitiger Diagnose. Fernmetastasen in Leber, Lunge oder Knochen seien selten. Häufiger würden Metastasen im Halsbereich auftreten, die chirurgisch behandelt werden können.
Moderne technische Hilfsmittel machen Schilddrüsenoperationen heute deutlich sicherer. Seit rund 20 Jahren gehört das sogenannte Neuromonitoring zum Standard. Dabei wird der Stimmbandnerv, der direkt hinter der Schilddrüse verläuft, während der Operation elektrisch überwacht. Ein weiteres innovatives Verfahren ist das sogenannte Fluobeam-System. Durch die Fluoreszenzmessung kann überprüft werden, ob die Nebenschilddrüsen ausreichend durchblutet sind. So lassen sich Durchblutungsstörungen frühzeitig erkennen und Komplikationen vermeiden.
Je nach Eingriff dauert eine Schilddrüsenoperation zwischen 60 und 90 Minuten, größere Tumoroperationen können auch drei bis vier Stunden beanspruchen. In der Regel können Patientinnen und Patienten die Klinik bereits am zweiten Tag nach dem Eingriff wieder verlassen.
Nach einer vollständigen Entfernung der Schilddrüse müssen die fehlenden Hormone ersetzt werden. Die Dosierung wird individuell an das Körpergewicht angepasst. Für den Organismus bedeutet dies zunächst eine Umstellung, da der Körper lernen muss, das zugeführte Hormon optimal zu verwerten. „Nach etwa drei bis vier Monaten führen wir die erste Laborkontrolle durch. Bei über 90 Prozent der Patientinnen und Patienten ist die Einstellung dann bereits stabil“, berichtet die Primaria. Wichtig ist die richtige Einnahme: Schilddrüsenhormone müssen morgens nüchtern und ohne Milchprodukte eingenommen werden. Bereits 15 bis 20 Minuten Abstand zum Frühstück oder Kaffee reichen meist aus.
Bei stabiler Einstellung genügen Kontrollen der Schilddrüsenwerte meist alle ein bis zwei Jahre. Die Ersatztherapie gilt heute als unkompliziert und sehr gut verträglich. Schilddrüsenhormone können mittlerweile nahezu eins zu eins ersetzt werden – eine Möglichkeit, die bereits seit mehr als 100 Jahren besteht.