Trainings mit „Patientenpuppe“ für optimalen Ablauf im Ernstfall

Klinik Oberpullendorf

Ein neu implementiertes Simulationstraining in der Klinik Oberpullendorf hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auch auf seltene und kompliziertere Szenarien vorbereitet zu sein. Die Teams setzen sich aus Ärztinnen und Ärzten und Pflegepersonal der Abteilungen für Anästhesiologie und Intensivmedizin sowie Innere Medizin zusammen.

Von BVZ Redaktion

Gezieltes Training ist wichtig, dass auch in seltener auftretenden Situationen jeder Handgriff sitzt.

Gezieltes Training ist wichtig, dass auch in seltener auftretenden Situationen jeder Handgriff sitzt.

© Gesundheit Burgenland

Eine Patientin kommt mit Atemnot in die Ambulanz. Doch während der Untersuchung treten weitere Symptome auf, künstliche Beatmung ist erforderlich. Oder: Ein Patient liegt auf der Normalstation, sein Zustand ist gut. Doch plötzlich klagt er über Übelkeit und Schwindel. Jetzt muss jeder Handgriff sitzen und die Kommunikation muss berufsgruppenübergreifend funktionieren. Damit das gewährleistet ist, üben Teams in der Klinik Oberpullendorf unter der Leitung von Prim.a Univ.-Doz.in Dr.in Ulrike Vyskocil-Weber (Anästhesiologie und Intensivmedizin) regelmäßig.

„Unsere burgenländische Gesundheitsoffensive ist breit gedacht: Stetige Verbesserung bedeutet, die Rahmenbedingungen laufend weiterzuentwickeln – von moderner Infrastruktur und High Tech-Ausstattung bis hin zu gezielten Trainings für das Personal. Nur so sind die Teams in den Kliniken für den Ernstfall bestens gerüstet, da muss jeder Handgriff stimmen“, betont Landeshauptmann Hans Peter Doskozil.

Die Fälle, die geübt werden, werden vorab von den Teams selbst erarbeitet und sollen möglichst nah am Klinik-Alltag sein. Dabei muss von den Vitalparametern über mögliche Allergien bis zu den beteiligten Personen alles im Blick behalten werden. „Es wird ein richtiges Drehbuch erstellt. Wir haben auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die emotional aufgewühlte Angehörige spielen oder besorgte Eltern. Auch dieser Umgang muss geübt werden“, so Vyskocil-Weber.

Kolleginnen und Kollegen, die nicht direkt in den Übungsablauf involviert sind, sehen sich das Training, das von Videokameras aufgezeichnet wird, in einem Nebenraum auf einem Bildschirm an. Im Anschluss an die Übung wird das Vorgehen analysiert: Wurde richtig reagiert? Was wurde übersehen? Woran muss noch gefeilt werden?

Um die Trainings optimal abhalten zu können, wurde in der Klinik Oberpullendorf ein eigener Bereich dafür eingerichtet. Hier befindet sich, neben den Kameras und Bildschirmen, viel Equipment: ein Krankenbett, darin eine Simulationspuppe, die sprechen, bluten und erbrechen kann. In einem weiteren Raum liegt ein Intubations-Dummy, der über anatomisch korrekte Atemwege verfügt. Dazu alle Materialien, die man für Venenzugänge, Infusionen oder Beatmung benötigt. „Wenn man die Handgriffe ‚im Trockenen‘ übt, bekommt man nicht nur Routine, sondern auch mehr Selbstvertrauen in der echten Anwendung“, unterstreicht Primara Ulrike Vyskocil-Weber.

Im Sommer 2024 hat das Team mit Schulungen im Simulationszentrum Niederösterreich begonnen, um sich das theoretische und praktische Wissen anzueignen. Nach absolvierter Grundausbildung wurden die ersten Trainings in der Klinik Oberpullendorf angeboten. „Dann haben wir geschaut: Was fehlt uns an Equipment und Technik? Denn wir wollten die Trainings von Anfang an auf dem neuesten Stand abhalten. Im zweiten Jahr geht es nun darum, die Abläufe und Prozesse im Hintergrund zu optimieren“, so die Primaria.

Ab 2027 sollen die Simulationstrainings dann auch an den anderen Kliniken der Gesundheit Burgenland angeboten werden. Positive Auswirkungen im realen Arbeitsalltag habe es bereits gegeben: Neben der oben erwähnten Handlungsroutine habe sich auch die Kommunikation verbessert. Und einige Materialien sind nun an einem anderen Platz untergebracht, damit Handgriffe und Abläufe im Ernstfall schneller möglich sind und die Patientinnen und Patienten noch besser versorgt werden können.