Organspenden kann Leben retten: Nur 2 bis 6 pro Jahr im Burgenland
Krankenhaus Eisenstadt
In Österreich ist die Zahl der Organspenden stark rückläufig - immer häufiger widersprechen Angehörige einer oft lebensrettenden Organentnahme. Diese Entwicklung wird auch im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt beobachtet. Primar Andreas Liedler, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin, spricht Klartext.
Primar Andreas Liedler, Vorstand der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin am Krankenhaus Eisenstadt, spricht Ängste und Sorgen rund ums Thema Organspende offen an.
© Stefan Mang
Wovor sich Menschen bei einer Organspende am meisten fürchten? Das weiß Primar Dr. Andreas Liedler aus dem Berufsalltag ganz genau: „Am größten ist die Angst, dass im Spital die Geräte zur Lebenserhaltung zu früh abgeschaltet werden. Seien Sie versichert, es wird alles getan, um das Leben der erkrankten Person zu retten. Die Frage nach einer Organspende kommt erst dann auf, wenn der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen - der sogenannte Hirntod - eingetreten ist oder wahrscheinlich bevorsteht.“ Der tatsächliche Hirntod muss von zwei unabhängigen und dafür qualifizierten Fachärztinnen oder -ärzten klar festgestellt werden.
Widerspruchslösung in Österreich
Dass in Österreich Menschenleben durch Organspenden gerettet werden können, ist immer weniger selbstverständlich. Grundsätzlich ist jeder Organspender bzw. Organspenderin. Es gilt die sogenannte Widerspruchslösung: Wurde zu Lebzeiten nicht widersprochen, dürfen Organe nach dem Tod entnommen werden. Wenngleich keine gesetzliche Regelung eindeutig ist, wird mit Angehörigen einer hirntoten Person in Hinblick auf die Organentnahme Einvernehmen hergestellt. Deren Ängste werden sehr ernst genommen.
Primar Liedler weiß, dass religiöse Gründe sehr häufig von besorgten Angehörigen vorgeschoben werden. In Österreich stehen aber alle Religionsgemeinschaften unterstützend hinter der Organspende als lebensrettender Maßnahme. Auch der körperliche Zustand nach einer Organentnahme bereitet Sorge, doch auch nach einer Organentnahme können die Angehörigen von der verstorbenen Person Abschied nehmen. Der Körper der verstorbenen Person wird in einem würdigen Zustand zur Bestattung übergeben.
„Auseinandersetzung mit Thema ist belastend“
Wer tatsächlich keine Organspende möchte, kann das im Österreichischen Transplantationsregister eintragen lassen. Wer sich dagegen ausspricht, darf aber weiterhin auf der Empfängerliste bleiben. Eine Gewissensfrage also, die sich manche zu Lebzeiten stellen sollten.
„Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist unangenehm und belastend. Sprechen Sie mit Familie und Freunden über Ihre Entscheidung,“ setzt sich Primar Dr. Liedler für mehr Bewusstsein ein.
Mehr als 800 Menschen jährlich warten auf geeignetes Organ
Allen potenziellen Organspenderinnen und Organspendern stehen jährlich mehr als 800 Menschen gegenüber, die auf ein geeignetes Organ warten. Rund 50 Menschen pro Jahr erleben diese lebensrettende Maßnahme aber nicht mehr.
Organspenden verbessern die Lebensqualität vieler Menschen mit Organversagen. Neben lebenswichtigen Organen wie Herz, Leber, Nieren und Lunge können auch Gewebe, wie Hornhaut, Knochen und Haut gespendet werden. Im Burgenland sind jährlich zwei bis sechs Menschen Organspender. In Frage käme aber schätzungsweise ein Vielfaches an Personen, würden Angehörige nicht widersprechen.
„Lassen Sie sich nicht von Angst leiten, sondern Solidarität entscheiden“
„Wir sind heute mit unglaublichen medizinischen und technischen Möglichkeiten gesegnet, durch die wir Menschen ein zweites Leben schenken können. Bitte lassen Sie sich beim Thema Organspende - auch als Angehörige oder Angehöriger - nicht von Angst leiten, sondern die Solidarität entscheiden“, wünscht sich Primar Liedler.
- Ein Herz muss innerhalb weniger Stunden transplantiert werden.
- Das Zeitfenster bei einer Lunge oder bei einer Leber ist mit bis zu 16 Stunden etwas größer.
- Nieren können sogar 36 Stunden „auf Eis“ liegen. Nieren werden in Österreich am häufigsten transplantiert.
- Die Wartezeiten variieren je nach Organ. Beim Beispiel Niere dauert es im Schnitt dreieinhalb Jahre, bis eine Spenderniere Realität wird. Bei anderen Organen ist die Dauer auf der Warteliste deutlich kürzer. Für Betroffene eine quälend lange Zeit, die manche eben nicht überleben.