Ein Garagenbrand hat am Sonntagabend die Einsatzkräfte der Feuerwehr Mattersburg auf den Plan gerufen. Gegen Abend wurde die Feuerwehr zu dem Brand im Stadtgebiet alarmiert. Bereits beim Eintreffen der ersten Kräfte war eine starke Rauchentwicklung sichtbar.
Antauer Künstler startet Schul‑Offensive gegen Online‑Hetze
Kunst & Bewusstsein
Mit seinem neuen Werk „Leo 2.0“ bringt der Antauer Künstler Thomas Sailer ein eindrucksvolles Mahnmal gegen Vorverurteilung und digitale Hetzjagden an burgenländische Schulen. Die Schultour startete im Gymnasium Wolfgarten in Eisenstadt und soll in den kommenden Monaten zahlreiche weitere Bildungseinrichtungen erreichen.
Thomas Sailer vor seinem Kunstwerk.
© zVg
Der Antauer Künstler und Autor Thomas Sailer hat sich in den vergangenen Jahren mit provokanten, gesellschaftskritischen Arbeiten einen Namen gemacht. Mit seinem neuen Werk „Leo 2.0“ setzt er nun auf Bewusstseinsbildung in einem Bereich, der besonders junge Menschen betrifft: der oft gnadenlosen Dynamik sozialer Netzwerke. Der Auftakt seiner Schultour fand vor wenigen Tagen im Gymnasium der Diözese Eisenstadt – Wolfgarten statt, wo das Werk nun mehrere Wochen lang zu sehen ist und in Projekten thematisch vertieft wird.
Die Idee hinter „Leo 2.0“ basiert auf dem historischen Asylring am Adlertor des Wiener Stephansdoms. Dieser sogenannte „Leo“ bot im Mittelalter Schutz für Menschen, die zu Unrecht verfolgt oder vorschnell beschuldigt wurden. Wer den Ring erreichte, stand unter kirchlichem Asyl – ein Ort, an dem schnelle Urteile und Selbstjustiz keine Macht hatten.
Dieses Symbol transformiert Sailer in die Gegenwart: Er überträgt das Motiv des Schutzes auf die digitale Welt, in der Beschuldigungen, Bloßstellungen und Hetzkampagnen oft binnen Minuten entstehen und enorme Schäden anrichten können. Mit „Leo 2.0“ will Sailer jene Dynamiken sichtbar machen, die tagtäglich in Kommentarspalten, Chats und sozialen Netzwerken stattfinden – häufig ungefiltert, anonym und ohne Rücksicht auf die Betroffenen.
Die Ausstellung am Wolfgarten‑Gymnasium dient Sailer nicht nur als Präsentationsraum, sondern auch als Ort der aktiven Auseinandersetzung. Schülerinnen und Schüler sollen sich im Rahmen mehrerer Unterrichtsprojekte mit dem Werk und seinen Hintergründen beschäftigen. Ziel ist es, kritisches Denken zu fördern und jungen Menschen Werkzeuge in die Hand zu geben, um Hetze im digitalen Raum besser zu erkennen – und sich ihr bewusst entgegenzustellen.
Darüber hinaus ermutigt Sailer die Jugendlichen, das Werk selbst digital weiterzutragen. Sie können Fotos, Texte oder Videos zum Kunstprojekt erstellen und in sozialen Netzwerken teilen. Auf diese Weise soll „Leo 2.0“ selbst zu einem virtuellen Schutzsymbol werden – sichtbar genau an jenen Orten, an denen unreflektierte Kommentare oder digitale Übergriffe entstehen.
Obwohl die Botschaft von „Leo 2.0“ eindeutig gesellschaftskritisch ist, betont Sailer, dass es ihm nicht darum geht, moralisch zu belehren. Vielmehr versteht er seine Kunst als Einladung zur Reflexion. Die Grundidee seiner Arbeit lehnt sich auch an die biblischen Worte aus dem Johannesevangelium an: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Ein Satz, der – unabhängig von religiösen Überzeugungen – eine zeitlose Relevanz besitzt.
„Jeder macht Fehler“, sagt Sailer. „Aber nicht jeder Fehltritt rechtfertigt eine öffentliche Hetzjagd.“ Sein Werk ruft dazu auf, innezuhalten, bevor man online urteilt oder sich einem Shitstorm anschließt – denn im digitalen Raum fehlt oft das Korrektiv, das im echten Leben selbstverständlich ist: das persönliche Gegenüber.
Sailer ist kein Unbekannter, wenn es um kritische Kunst geht. 2024 machte er mit seinem Werk „Dreckschwein“ Schlagzeilen – einer Skulptur aus achtlos weggeworfenem Müll aus dem Eisenstädter Schlosspark. Für diese Arbeit wurde er 2025 mit dem „Goldenen Mistkäfer“ des Burgenländischen Müllverbands ausgezeichnet. Schon damals zeigte sich sein Interesse daran, gesellschaftliche Missstände nicht nur darzustellen, sondern deutlich anzusprechen.
Mit „Leo 2.0“ setzt der Antauer Künstler diese Linie fort. Das neue Werk ist zugleich Mahnung, Diskursanstoß und ein Appell zu mehr Menschlichkeit in einer Zeit, in der digitale Kommunikation immer schneller, härter und unmittelbarer wird.
Nach dem Start in Eisenstadt soll die Wanderausstellung an weiteren Schulen im Land Halt machen. Damit möchte Sailer möglichst viele junge Menschen erreichen – nicht mit einem drohenden Zeigefinger, sondern mit einem künstlerischen Impuls, der zum Nachdenken und Diskutieren einlädt.
„Ich möchte nicht belehren“, beschreibt er sein Anliegen. „Ich möchte zum Denken anregen. Und das gelingt oft dann am besten, wenn man Kunst nicht nur betrachtet, sondern aktiv mit ihr in Kontakt tritt.“ Genau das soll „Leo 2.0“ an den Schulen ermöglichen.
Name: Thomas Sailer, B.A.
Geburtsjahr: 1987
Wohnort: Antau, Nordburgenland
Beruf: Schriftsteller, Künstler, Freizeitpionier
Schwerpunkte:
- Kunst aus Altwaren und Fundmaterialien
- Gesellschaftskritische Installationen
- Förderung von Diskurs und Bewusstseinsbildung
Bekannte Werke:
- Der Freizeitpionier (Roman)
- Die Wüstenpflanze
- Die Aktivistin
- Die Gefängnisinsel (inkl. Kurzfilm 2020)
- Dreckschwein (2024)
Auszeichnungen:
- „Goldener Mistkäfer“ 2025
- Zahlreiche Projekte im Kunstverein „ART HOUSE PROJECT“ und bei der Kunstmesse „TRANSFORM-ARTE“
Website:
www.thomassailer.com