Frühe Weinlese startet mit kleinen Trauben

Landwirtschaft

Die Weinlese 2026 hat im Bezirk Neusiedl am See begonnen. Nach einer langen Hitze- und Trockenheitsperiode rechnen die Winzerinnen und Winzer mit geringeren Erträgen, zugleich zeigt sich das Traubenmaterial bisher vielerorts in guter Qualität. Während im Seewinkel bereits die ersten Trauben gelesen werden, bereiten sich die Winzerinnen und Winzer am Nord- und Westufer des Neusiedler Sees auf die weitere Ernte vor.

Von Von Birgit Böhm-Ritter und Klaus Zwinger

In einigen Ortschaften ist die Weinlese bereits angelaufen.

In einigen Ortschaften ist die Weinlese bereits angelaufen.

© Neusiedlersee DAC, WeissWeissOG

Früh am Morgen, wenn die Temperaturen noch niedriger sind, beginnt in manchen Weingärten bereits die Ernte. Schon Mitte der vergangenen Woche wurden etwa in Apetlon und Pamhagen die ersten Trauben der weißen Rebsorte Bouvier gelesen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Zeitrahmen durch das heiße Jahr mit wenig Niederschlag um zwei bis drei Wochen nach vorne verschoben.

Auch bei den Erträgen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Der Grundtenor bei den Winzern liegt bei 20 bis 30 Prozent weniger als im Vorjahr, die Qualität sei „den Umständen entsprechend sogar überraschend gut“. Franz Zehentner, Inhaber der Burgenland Kellerei, berichtet, dass rund eine Woche nach Lesestart bereits verschiedene Weißweinsorten im Bezirk gelesen werden. Dazu zählen unter anderem Bouvier, Grüner Veltliner, Weißburgunder, Chardonnay, Müller-Thurgau und sogar schon Welschriesling.

Bei geringem Niederschlag und großer Hitze bleiben die Trauben kleiner, was den niedrigeren Ertrag erklärt. Hitzebeständigere Sorten sind dabei im Vorteil. Zehentner sagt dazu: „natürlich steckt eine südländische Sorte wie der Chardonnay so etwas eher weg als der Grüne Veltliner.“ Er schätzt, dass die Lese wohl in drei Wochen größtenteils abgeschlossen sein wird, auch um die Weinstöcke zu entlasten.

Während die ersten Trauben im Seewinkel bereits im Keller ankommen, entscheidet sich in anderen Teilen des Bezirks erst in den kommenden Tagen, wann die Lesemaschinen und Erntehelferinnen und Erntehelfer tatsächlich ausrücken. Am Nord- und Westufer des Neusiedler Sees dürfen die Trauben noch etwas weiterreifen. Die Böden können dort Wasser besser speichern und kommen damit etwas besser durch die lange Hitzeperiode. Rund 40 Hitzetage haben die Reben dennoch gefordert.

Der Wetterumschwung seit dem 17. August brachte kühlere Temperaturen und örtlich Niederschlag. Für die Weinbaubetriebe kommt die Abkühlung zu einem Zeitpunkt, an dem die Folgen der vergangenen Wochen bereits sichtbar sind. Der Österreichische Weinbauverband erwartet eine deutlich kleinere Ernte als im guten Erntejahr 2025. Eine konkrete Prognose sei noch nicht möglich, weil weiterer Regen die Entwicklung beeinflussen könne. Winzer rechnen teilweise mit bis zu einem Drittel weniger Ertrag. Die Trauben haben weniger Gewicht und enthalten weniger Saft.

Der Vegetationsfortschritt liegt weiterhin rund zwölf Tage über dem langjährigen Durchschnitt. Entsprechend beginnt die Lese heuer deutlich früher als üblich. Für Topqualitäten und Riedenweine wird sie voraussichtlich nicht vor Mitte bis Ende September starten.

Wie sich die Situation in den nächsten Tagen entwickelt, beobachtet auch Markus Königshofer, Obmann des Neusiedler Weinbauvereines. In seinem Weingut soll die Lese in wenigen Tagen beginnen. Noch fehlt den Beeren Gewicht. „Die sind jetzt noch klein“, sagt Königshofer. Ein wenig Regen könnte daran etwas ändern: „Dann würden die Beeren noch Wasser aufnehmen“.

Trotz der schwierigen Bedingungen erwartet Königshofer eine gute Qualität, allerdings bei deutlich weniger Menge. „Wir werden im Vergleich zum Vorjahr wohl 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag haben.“ Dass die Verluste nicht noch größer ausfallen, führt er unter anderem auf den nebeligen Winter und das kühlere Frühjahr zurück. Dadurch habe die Verdunstung später eingesetzt. Auch die Arbeit im Weingarten habe ihren Anteil. Die Begrünung zwischen den Reihen könne Wasser speichern und den Boden beschatten.

Die Kombination aus Wassermangel und hohen Temperaturen gilt für die Reben als besondere Belastung. Trockenheit allein können die Pflanzen durch ihre tiefen Wurzeln teilweise ausgleichen. Problematisch wird die Situation, wenn gleichzeitig über längere Zeit hohe Temperaturen herrschen. Dann steigt der Wasserbedarf, während die Pflanzen weniger Reserven zur Verfügung haben. Auch Sonnenbrand an den Beeren kann zum Thema werden.

Am Dienstag dieser Woche hat Josef Umathum frühmorgens seinen ersten Lesetag begonnen. Er setzt darauf, die Trauben noch bei kühlen Temperaturen händisch zu lesen. Bei hitzebeständigeren Sorten hat er bereits vor mehr als 20 Jahren den „Lindenblättrigen“, eine alte pannonische Sorte, wiederbelebt.

Bei den Fragen nach Qualität und Ertrag stimmt Umathum grundsätzlich in den Tenor der anderen Winzer ein, will sich bei der Lese allerdings etwas mehr Zeit nehmen. Nachdem die Frühsorten und der Zweigelt gelesen sind, plant er eine kurze Pause. Anschließend sollen die Spätsorten wie Blaufränkisch oder Cabernet folgen, die noch etwas Regen vertragen könnten. Auf die Wetterprognose der kommenden Woche blickt Umathum deshalb positiv: „Der Pflanze geht es wie dem Menschen - wenn es abkühlt und regnet, können sie so richtig durchatmen.“

Wenige Kilometer weiter, in Weiden am See, bereitet sich Christian Friedrich auf den Lesestart Anfang September vor. Derzeit überprüft er die notwendigen Geräte. Mit dem Traubenmaterial ist der Winzer momentan zufrieden. „Wir haben rechtzeitig Trauben reduziert, damit die Rebstöcke weniger Stress haben“, erklärt Friedrich.

Gerade in diesem Jahr war auch die Arbeit in der Traubenzone entscheidend. Aufgrund der Hitze galt es, ausreichend Blätter als natürlichen Sonnenschutz stehen zu lassen. Gleichzeitig durfte die Laubwand nicht zu dicht werden. Es galt die richtige Balance zwischen zu wenig und zu vielen Blättern zu finden. „Da hilft die Erfahrung“, sagt Friedrich, der überzeugt ist, dass der Grundstein für eine gute Weinqualität im Weingarten gelegt wird.

Sein Erfolg bei der jüngsten Prämierung bestätigt diese Arbeit: Mit seinem Welschriesling erreichte Friedrich den Landessieg. Absatzprobleme wie manche andere Weingüter hat er derzeit nicht. „Wir sind in einem Top-Segment unterwegs. Wir produzieren Weine mit Charakter, die durch gutes Handwerk im Weingarten entstehen und nicht austauschbar sind. Durch unsere gute Qualität spüren wir keinen Rückgang.“

Doch nicht nur das Wetter verändert die Arbeit der Winzer. Auch die Nachfrage entwickelt sich weiter. Königshofer beobachtet seit rund zehn Jahren einen Trend zu leichteren Weinen. Vor allem Rotwein werde weniger konsumiert. Auch alkoholfreie Alternativen würden häufiger nachgefragt.

Sein Weingut hat sich auf die veränderten Trinkgewohnheiten eingestellt. Auch deshalb wird teilweise früher gelesen, weil sich leichtere Weine mit frischer Säure vinifizieren lassen. Bei entalkoholisierten Weinen bleibt Königshofer allerdings zurückhaltend. Diese würden „natürlich nicht hergestellt werden können, wieder mehr Energie für die Produktion benötigt wird und mit Haltbarkeitsdatum verbunden sind“. Zudem werde ihnen Sacharose beigefügt. „Ein entalkoholisierter Wein hat 25 bis 35 Gramm Restzucker, gesund ist das auch nicht“, merkt er an. Verjus und Traubensaft hat sein Weingut hingegen im Angebot.

Auch Friedrich reagiert auf den Wunsch nach leichteren Weinen. Bei einigen Rot- und Weißweinen setzt er auf geringere Alkoholwerte und wenig Histamin. Gleichzeitig versucht er, jüngere Kundinnen und Kunden mit neuen Formen der Weinvermittlung zu erreichen. Er bietet „unkomplizierte und lässige“ Verkostungen an. Besonders gut kämen vorgefertigte Themenpakete an, die über seinen Online-Shop bezogen werden können.

Für Königshofer stellt sich die Frage nach der Zukunft des Weinbaus jedoch grundsätzlicher. Um den Weinmarkt wieder etwas anzukurbeln, müsse vor allem an der Wertigkeit des Weines gearbeitet werden. Konsumentinnen und Konsumenten suchten zunehmend Gesamterlebnisse. „Die Zeiten sind vorbei, als sich deutsche Touristen den Kofferraum mit burgenländischem Wein vollgepackt haben.“

Auch die Struktur des Weinbaus werde sich verändern, erwartet Königshofer. Er geht davon aus, dass die österreichische Weinfläche in den nächsten zehn Jahren um ein Drittel schrumpfen wird. Als Gründe nennt er eine geringere Nachfrage, fehlenden Winzernachwuchs und Lagen, die sich aufgrund des Klimawandels wirtschaftlich nicht mehr bewirtschaften ließen. „Das ist aber ein internationales und kein österreichisches Phänomen“, betont Königshofer.

Damit treffen im Weinjahr 2026 mehrere Entwicklungen aufeinander. Die lange Hitze- und Trockenheitsperiode beeinflusst Menge, Reife und Arbeit im Weingarten. Gleichzeitig verändern sich die Vorlieben der Konsumentinnen und Konsumenten. Während im Seewinkel bereits gelesen wird, bleibt den Winzerinnen und Winzern am Nord- und Westufer noch etwas Zeit. Wie viel Regen in den kommenden Tagen tatsächlich fällt und wie sich die Trauben dadurch entwickeln, wird auch den weiteren Verlauf der Lese bestimmen.