Marina Horvath: Eine Künstlerin zwischen Zufall und Farbe

20 Jahre Atelier

Seit zwei Jahrzehnten arbeitet die Künstlerin Marina Horvath am Friedrichshof in Zurndorf. Im Rahmen der burgenlandweiten Initiative „offen.“ öffnet sie ihr Atelier, gewährt persönliche Einblicke in ihr Schaffen und feiert das Jubiläum. Der Blick fällt dabei nicht nur auf die Kunst, sondern auch auf ihren Weg dorthin.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Marina Horvath feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Atelierjubiläum am Friedrichshof in Zurndorf.

Marina Horvath feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Atelierjubiläum am Friedrichshof in Zurndorf.

© Birgit Böhm-Ritter

Ein weiter Raum, durchflutet von Licht. Große Fenster öffnen den Blick nach draußen, während sich innen ein dichtes Gefüge aus Farben, Materialien und Kunstwerken entfaltet. In keinem Winkel lässt sich verhehlen, dass hier eine Künstlerin arbeitet. In Stellagen lagern Leinwände, an den Wänden lehnen fertige und unfertige Werke. In der Mitte steht ein großer Tisch, überfüllt mit Pinseln, Farbtöpfen und Malgründen – so voll geräumt, dass nur ein kleiner Platz zum Arbeiten bleibt.

Wer Marina Horvath hier besucht, merkt schnell: Dieses Atelier ist kein Schauraum, sondern ein Ort, an dem gearbeitet wird. Seit 20 Jahren ist es ihr künstlerisches Zentrum. Am 26. April öffnet sie es im Rahmen der burgenlandweiten Initiative „offen.“ von 10 bis 18 Uhr – und feiert mit Musik, Wein und einer Tombola.

„Woher kommen deine Ideen eigentlich?“, lautet eine Frage, die sich im Gespräch automatisch stellt. „Der Zufall geht Wege, da kommt die Absicht gar nicht hin“, antwortet Horvath mit ihrem Lebensmotto. Dieser Satz passe für ihr Leben genauso, wie für ihre Arbeit. Nichts ist streng geplant, sondern ein Prozess, wo auch der Zufall mitspielen kann. So entwickelt sich auch ihr künstlerisches Schaffen innerhalb des Arbeitsprozesses: „Es gibt anfangs nie ein fertiges Bild im Kopf“.

Zu einem wichtigen Teil ihres Schaffungsprozesses gehören die Vorbereitungen, noch bevor der Pinsel überhaupt zum Einsatz kommt. Leinwände spannen, Farben mischen, Materialien ordnen. „Und dann schaue ich, was passiert“, sagt sie. Linien oder Farbflächen können den Anfang setzen, Schichten überlagern sich, werden wieder verändert – oft auch durch Übermalen bereits bestehender Arbeiten.

Die Frage, wann ein Bild schließlich fertig ist, beantwortet sich nicht so einfach. „Das ist eine intuitive Entscheidung.“ Intuition spielt in Horvaths Malerei generell eine große Rolle. Zudem seien Offenheit und Neugier entscheidend. Eindrücke aus Begegnungen und Erlebnissen fließen „aus dem Unterbewusstsein“ ein.

Horvaths Arbeiten bleiben bewusst ohne Namen. „Ich möchte die Fantasie des Betrachters nicht mit einem Bildtitel einschränken.“ Jede Betrachterin und jeder Betrachter bringe eigene Erfahrungen mit – und lese die Bilder entsprechend unterschiedlich. Manchmal auch mit überraschenden Assoziationen.

„Jemand hat mir einmal erklärt, er sehe eine Ente in meinem Bild. Ich war total irritiert, weil ich die in meinem Bild eigentlich überhaupt nicht sitzen haben wollte.“ Die Episode zeigt, wie sehr Wahrnehmung von persönlichen Erfahrungen geprägt ist. „Jeder sieht eben Dinge, die mit einem selbst - mit seiner Erfahrungswelt - zusammenhängen.“

Der Weg zur Kunst war nicht vorgezeichnet. Horvath wuchs in Deutsch Jahrndorf in einfachen Verhältnissen einer kleinen Landwirtschaft auf. „In meinem Elternhaus war für Kunst überhaupt kein Raum.“

Ein Aufenthalt als Au-pair in der Nähe von Paris nach ihrer Schulzeit wurde zum Wendepunkt. Museumsbesuche und die Begegnung mit den Impressionisten weckten ihr Interesse an Kunst. Mit dem eigenen künstlerischen Arbeiten begann Horvath erst in ihren Vierzigern. Workshops in Druckgrafik, Radierung, Lithografie und Keramik legten die technischen Grundlagen. „Aber bis sich ein eigener Stil entwickelt, das dauert seine Zeit.“ Kontinuität sei entscheidend. „Man muss dranbleiben und sich ständig ausprobieren.“

Ihre Arbeiten haben sich im Laufe der Zeit vor allem in den Farben verändert. „Sie sind reduzierter geworden“, beschreibt Horvath. Die Farbpalette sei erdiger, die Farben abgetönt und oft selbst gemischt. Zuletzt kamen wieder leuchtende Farbakzente hinzu. Häufig trägt sie die Farben lasierend auf, also in verdünnten Schichten, die mehrere Ebenen sichtbar machen.

Neben klassischen Leinwänden verwendet Marina Horvath unterschiedliche Malgründe: Papier, Karton, Wellpappe oder Baumwollstoffe, gelegentlich auch Zeitungspapier. Bestehende Arbeiten bleiben dabei nicht unangetastet – sie werden übermalt und weiterentwickelt. Kontraste spielen eine zentrale Rolle. Weiß und Schwarz sind fast immer präsent.

Ihre Arbeiten enstehen „aus einem schnellen Fluss heraus.“ Mehr aus dem Bauch als aus dem Kopf. Letzteren müssen man „überrumpelt“. Im besten Fall entstehe ein Zustand, in dem alles andere in den Hintergrund tritt. „Dann vergisst man Raum und Zeit. Das ist eigentlich das Schönste, was einem passieren kann.“

Ob sie sich noch an ihre erste Ausstellung erinnere? „Das dürfte im ORF-Landesstudio in Eisenstadt gewesen sein“, blickt die Künstlerin zurück und erzählt über eine frühe Bestätigung. „Ich hab gleich ein Bild verkauft.“ Ein Moment, der Mut machte und Bestätigung brachte. Mittlerweile hat sich Marina Horvath in der Region einen Namen gemacht. Wer sich ein Bild von ihrer Arbeit machen möchte, sollte sich den Tag der offenen Ateliertür am 26. April nicht entgehen lassen.

Das Atelier am Friedrichshof bietet einen offener Raum – für Gespräche, für unterschiedliche Blickwinkel und für eine Kunst, die sich bewusst nicht festlegen lässt. Seit nunmehr 20 Jahren.