Eva-Maria Holzleitner beim BVZ-Besuch: „Feminismus ist kein Kampfwort“

Ministerin im Interview

Im Rahmen ihres Burgenland-Tages war Frauen- und Wissenschafts-Ministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) auch zu Gast in der BVZ-Redaktion in Eisenstadt. Im Interview sprach sie über ihr erstes Jahr in der Bundesregierung, über Forschung im Land und Frauenpolitik in Österreich. Beim Gewaltschutz setzt Holzleitner jetzt auf digitales Tracking.

Von Michaela Grabner

In der Redaktion in Eisenstadt wurde Ministerin Eva-Maria Holzleitner von BVZ-Chefredakteurin Michaela Grabner begrüßt.

In der Redaktion in Eisenstadt wurde Ministerin Eva-Maria Holzleitner von BVZ-Chefredakteurin Michaela Grabner begrüßt.

© Wolfgang Millendorfer

BVZ: Als zuständiges Regierungsmitglied haben Sie die burgenländische Forschungsquote im Blick. Zuletzt lag sie bei knapp 0,8 Prozent, am Anstieg wird gearbeitet. Wie wichtig sind solche Kennzahlen?

Eva-Maria Holzleitner: Es ist absolut sinnvoll, diese Quote als Indikator heranzuziehen, die auch dafür steht, wie viel ein Land in Forschung, in Zukunftstechnologien und in die Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen investiert. Zwar investieren auch forschungsstarke Unternehmen und die Industrie in ihre jeweiligen Bereiche, doch die öffentliche Hand trägt hier große Verantwortung.

Sie werden dem Land politisch nichts ausrichten wollen – aber sollte es noch mehr Mittel für die Forschung geben?

Aus meinem Ressort wird die Grundlagenforschung finanziert, die an Universitäten, Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstituten stattfindet. Ebenso hat die Hochschule Burgenland starkes Interesse daran, ihre Forschung auszubauen und natürlich gefördert zu bekommen. Deshalb halte ich es für wichtig, wenn das Land hier einen klaren Fokus setzt.

Die Hochschulfinanzierung ist eine Querschnittsmaterie und mitunter ein Reizthema. Was können Sie der Hochschule Burgenland aus Ihrem Ressort zusichern?

Die Hochschule Burgenland wird von Bundesseite und meinem Ministerium über die Studienplatzfinanzierung unterstützt. Zusätzlich gibt es ab 2027 für angewandte Wissenschaft an Hochschulen auch Projektförderungen zur internationalen und europäischen Vernetzung. Das passt sehr gut zu Bereichen, in denen die Hochschule Burgenland besondere Schwerpunkte hat, wie etwa im Energiebereich. Ein großer Vorteil des Sektors ist die internationale Vernetzung bei gleichzeitiger regionaler Verankerung.

Welches Szenario zeichnet sich für die Finanzierung der Studienplätze in den kommenden Jahren ab?

Die Budgetverhandlungen für 2027 laufen an, und ich werde mich für die Hochschulen einsetzen. Bei dieser Form der Finanzierung erhalten sie entsprechende Mittel pro Studienplatz. Wenn es eine hohe Dropout- oder Ruhequote gibt, fehlen also Mittel. Deshalb arbeiten wir an neuen Rahmenbedingungen, um den Hochschulen mehr Flexibilität zu geben. Das soll letztlich zu einer finanziellen Entlastung führen.

Das heißt, Flexibilität bringt mehr Eigenverantwortung – und führt weg von der bekannten Diskussion, welche Gelder der Bund pro Studienplatz vergibt?

Die Flexibilität ist ein Schlüssel, die Hochschulen vor Ort spüren ja genau, welche Studiengänge stark nachgefragt sind und wo es weniger Nachfrage gibt. Wenn Kapazitäten vorhanden sind, können Studienplätze aufgestockt werden, und in anderen Bereichen kann man entsprechend reduzieren. Diese Umschichtungen wollen wir erleichtern, um besser auf die tatsächlichen Bedürfnisse reagieren zu können.

2025 wurden Sie kurz vor dem Internationalen Frauentag im März angelobt und haben gesagt, es brauche „eine Frauenpolitik, die wirkt“. Was werden Sie diesen März – ein Jahr danach – sagen?

Trotz budgetärer Herausforderungen war klar, dass beim Frauenbudget nicht gespart werden darf. Die Arbeit von Beratungsstellen ist essenziell, ebenso die Brustkrebs-Vorsorge, und es wurde rasch mit der Arbeit am Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt begonnen – unter Einbindung aller Ressorts, sowie Expertinnen und Experten. Das Burgenland hat bereits seit Jahren eine eigene Gewaltschutzstrategie, das halte ich für einen sehr sinnvollen, strukturierten Zugang.

Im ersten Halbjahr liegt der Fokus jetzt auf ökonomischer Unabhängigkeit als Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Und die Lohngleichheit und Umsetzung der Lohntransparenzrichtlinie bis Sommer 2026 sind ebenso zentrale Ziele.

Welche gesellschaftlichen Entwicklungen beobachten Sie als Frauenpolitikerin mit Sorge?

Durch Social Media kommen neue Herausforderungen dazu, mit Trends wie sogenannten „Tradwives“. Sie zeichnen ein verzerrtes Bild eines vermeintlich glücklichen Lebens ohne Selbstbestimmung. Dem müssen wir Fakten entgegensetzen: mit ökonomischer Eigenständigkeit und Absicherung im Pensionssystem.

Auch Körperbilder sind ein großes Thema, wenn durch Filter und KI-Darstellungen Bilder entstehen, die mit der Realität nichts zu tun haben. In diesem Zusammenhang wird es für „Deepfakes“ klare rechtliche Konsequenzen geben.

Ein Blick in Ihr eigenes Instagram-Profil zeigt das Wort „Feministin“ noch vor der Bezeichnung „Bundesministerin“. Ein Statement?

Für mich ist das selbstverständlich. Frei nach Johanna Dohnal bedeutet Feminismus für mich eine menschliche Zukunft, Chancengleichheit und Perspektiven für alle. Unabhängig von meinem Amt ist das ein persönlicher Leitfaden. Feministisch zu handeln, heißt, sich gegenseitig zu unterstützen und gleiche Chancen zu schaffen. Das ist kein Kampfbegriff, sondern gesunder Menschenverstand.

Beim Thema Schutz vor Gewalt haben die vergangenen Wochen wieder erschreckende Fälle gezeigt. Wie kann man gesellschaftlich mit diesen schockierenden Verbrechen umgehen?

Es war uns wichtig, dass der Nationale Aktionsplan von der gesamten Regierung getragen wird. Die Verantwortung liegt bei allen Ressorts. Und sie liegt auch bei Männern, die klar Stellung beziehen müssen. Denn Gewalt an Frauen ist ein Männerproblem. Darüber hinaus geht es um gewaltsensible Berichterstattung, und wenn es – wiederum auf Social Media – zu einer Täter-Opfer-Umkehr kommt, muss klar gesagt werden: Ein Mord ist ein Mord, da gibt es nichts ist zu relativieren!

Die „digitale Fußfessel“ von Gefährdern ist für Sie ein zentraler Teil der Lösung?

Andere Länder machen es vor, daraus sollten wir lernen. Mit Justizministerin Sporrer arbeitet mein Ressort eng an diesem Thema. Bei der elektronischen Überwachung von Betretungs- und Annäherungsverboten zeigt beispielsweise Deutschland bereits ein Modell vor, das für Österreich sehr interessant ist. Ob es mit einer Fußfessel oder einem Armband mit digitalem Tracking umgesetzt wird, ist dabei nur eine Detailfrage.