Schon in einem früheren BVZ-Interview hat Landeshauptmann Doskozil mit einer Annäherung an die Wiener SPÖ und Bürgermeister Ludwig aufhorchen lassen. Im zähen Wechsel an der Parteispitze dürfte nun Tauwetter in der seit Jahren abgekühlten Beziehung einsetzen.
Haider-Wallner nach geschmacklosem Spruch: „Kein Kavaliersdelikt“
Musiker entschuldigt sich
Auf der Bühne wurde beim Konzert der „Triffnix Horns“ anzüglich über Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner „gescherzt“. Die Entschuldigung nahm sie an und sah von einer Klage ab, sie sagt aber klar: „Man darf sich dagegen wehren!“
„Das Problem ist nicht fehlende Humorlosigkeit, sondern fehlender Respekt.“ Michaela Fassl von der Frauenberatung und Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner (v.l.) weisen auf den ernsten Hintergrund geschmackloser Wortmeldungen hin.
© Fotos: Jennifer Vass, Grüne Burgenland / Collage: BVZ
Der schlechte Scherz, der beinahe zum rechtlichen Nachspiel geführt hätte, wurde wiederholt live gebracht. Ausgerechnet die Weihnachtskonzerte der „Triffnix Horns“ im Kulturzentrum Oberschützen waren die Bühne für den Witz, den sich der Musiker und Moderator im Nachhinein wohl lieber zweimal überlegt hätte.
Die geschmacklose Anspielung auf die Landeshauptmann-Stellvertreterin und ihre Zuständigkeit als Tierschutzbeauftragte fiel auch im Publikum auf. Zunächst wollte Anja Haider-Wallner eine Anzeige einbringen, nach der Entschuldigung sieht sie davon ab.
„Mir ist aber wichtig, dass es dabei nicht um persönliche Befindlichkeiten geht, sondern um eine grundsätzliche Haltung. Anzügliche oder doppeldeutige Witze auf Kosten von Frauen sind kein Kavaliersdelikt, sie tragen dazu bei, dass Respektlosigkeit normalisiert wird“, sagt Haider-Wallner.
Der künstlerische Leiter und Moderator Volker Weyse stellt aus seiner Sicht klar, dass es sich um keine beabsichtigte oder inhaltlich gemeinte Aussage gehandelt habe: „Die Wortmeldung war unglücklich formuliert. Es lag mir fern, die Landeshauptmann-Stellvertreterin in irgendeiner Form zu beleidigen oder zu kompromittieren“, so Weyse. „Ich entschuldige mich ausdrücklich für die Situation, die so nicht mehr vorkommen wird“. Auch aus dem Umfeld der „Triffnix Horns“ heißt es, man bedauere den Vorfall.
Anja Haider-Wallner akzeptierte die Entschuldigung, sie greift die Entgleisung auch frauenpolitisch auf: „Viele erleben solche Situationen tagtäglich – im Beruf, im öffentlichen Raum oder im privaten Umfeld – und schweigen, weil sie nicht anecken und kein ,Verstehst leicht keinen Spaß?' ernten wollen. Ich möchte allen Betroffenen Mut machen: Man darf sich wehren und klar sagen, dass eine Grenze überschritten wurde!“
Und, betont Haider-Wallner: „Man darf sich Unterstützung holen. Beratungsstellen leisten hier wertvolle Arbeit und stehen Frauen zur Seite. Ein wertschätzender Umgang miteinander sollte selbstverständlich sein – auf der Bühne genauso wie im Alltag.”
Den Vorfall kennt auch Michaela Fassl, die für die fachliche Leitung der Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen in Oberwart, Güssing und Jennersdorf verantwortlich zeichnet. Im Gespräch mit der BVZ erklärt sie: „Solche ‚Witze‘ sind kein harmloser Humor, sondern Ausdruck eines Denkmusters, welches Frauen auf ihren Körper reduziert und ihre Kompetenz entwertet.“
„Wenn öffentliche Personen so sprechen, reproduzieren sie genau jene Misogynie, die Frauen aus politischen und gesellschaftlichen Räumen drängt. Das Problem ist nicht fehlende Humorlosigkeit, sondern fehlender Respekt“, so Fassl. Humor ende dort, wo er Machtverhältnisse zementiert, sagt die Psychotherapeutin: „Sexistische Witze sind kein Fauxpas, sondern Teil eines Problems, das Frauen tagtäglich ausschließt und abwertet.“
Der Verein „Frauen für Frauen Burgenland“ unterstützt in Ausnahmesituationen und auch, wenn es Rat im Alltag braucht, online auf frauenberatung-burgenland.at