7 Fragen, 7 Antworten: Ewald Tatar hat als Veranstalter noch lange nicht genug. Als DJ geht er jetzt wieder auf Zeitreise - und mit uns schaut er in den Rückspiegel.
Headbangen mit der „Böhmischen“, rocken mit Metalcore
Nova Rock pur!
Das Frühschoppen wurde am Nova Rock schon heute gefeiert, feuchtfröhlich und von einem Regenguss unterbrochen. Die Nickelsdorfer Böhmische spielte groß auf, die Fans waren dabei. Das Kontrastprogramm gab's gestern unter anderem mit Ice Nine Kills, A Perfect Circle und The Cure. So breit ist man eben aufgestellt in Nickelsdorf ...
© Klaus Zwinger
Traditionen soll man pflegen, auch am Nova Rock! 15 Jahre lang hat Wendi's Böhmische Blasmusik die Festivalgemeinde zum Schunkeln und Headbangen gebracht - und die Nickelsdorfer Böhmische hat es heute Mittag auf den Pannonia Fields nachgemacht! Als Werner „Wendi“ Wendelin vor einigen Monaten offiziell in die Musik-Pension ging, formierte sich die neue „Böhmische“ um Obmann Peter Zindl.
Und so wurde in gewohnter Manier auf der Red Stage mit Blasmusik gerockt. Ein Regenguss sorgte zwar für einen vorzeitigen Abbruch, gefeiert wurde und wird trotzdem. Jetzt reagieren auf den Nickelsdorfer Feldern wieder die härteren Töne. Und was man an so einem Festivaltag alles ins Programm bringt, das zeigte auch der gestrige Abend.
Ice Nine Kills etwa verbanden als Headliner auf der Red Stage ihren publikumstauglichen Metalcore mit Horror-Elementen und viel Show, zwischen Feuer-Fontänen und funkensprühender Kettensäge. Subtiler, aber effektiv gingen A Perfect Circle zur Sache: Die Band rund um Tool-Stimme Maynard James Keenan gilt auch musikalisch als komplex, beim Nickelsdorfer Publikum kam die Botschaft an.
The Cure haben den zweiten Nova-Rock-Tag mit einem starken Auftritt veredelt. Robert Smith zeigte sich auf der Blue Stage wie schon bei seinem letzten Gastspiel auf den Pannonia Fields in bester Laune und präsentierte ein melancholisch-stimmungsvolles Set. Black Label Society auf der Red Stage hatten Powerplay zu bieten. Mit The Pretty Wild, The Pretty Reckless und Pure Chlorine gab es spannende weibliche Stimmen zu hören. Abräumer waren The Offspring.
Zakk Wylde, langjähriger Gitarrist von Ozzy Osbourne, kam mit seiner Band Black Label Society ins Burgenland und brannte ein Gitarrenfeuer nach dem anderen ab. Der 59-Jährige unterstrich seinen Ruf als Ausnahmekönner an dem Instrument. Dem verstorbenen „Prince of Darkness“ widmete Wylde, der sich auch gut am Mikro macht, mit „Ozzy's Song“ ein Tribut.
In die 1990er- und frühen 2000er-Jahre führten The Offspring zurück. Die US-Punkband punktete vor allem mit ihren älteren Gassenhauern. Songs wie „Pretty Fly (for a White Guy)“ und „Self Esteem“ funktionieren immer. Damit zogen sie die vielleicht größte Menge des Tages vor die Blue Stage. Auch sie gedachten Osbourne und brachten sein „Crazy Train“, davor noch „Paranoid“ - mehr Stimmung geht nicht.
Vor Black Label Society machten The Pretty Reckless Lust auf das demnächst erscheinende Album „Dear God“. Sängerin und Bandleaderin Taylor Momsen war bei der Anreise von der nordburgenländischen Landschaft und vom Festivalgelände angetan. „Die Fahrt hierher war sehr schön. Die vielen Windräder!“
Für tanzbare Rhythmen sorgten am Nachmittag die schwedischen Rocker von Royal Republic. Da hieß es „Rata-Tata“, und die Nova-Fans folgten der Ansage aufs Wort. In relativ starkem Kontrast zu der eher nahbaren Performance ging die britische Band President zu Werke: Hier dominierten nüchterne Ästhetik und der möglichst große theatralische Ausdruck. Mit der zeitgeistigen Formel aus poppigem Beginn und anschließendem Ausbruch in Richtung Härtebad wusste man aufzufallen.
Die New Yorker Hardcore-Band Quicksand absolvierte vor dem Nova Rock auf einem tschechischen Festival ihren Europa-Tourstart im Vorfeld des Releases ihres neuen Albums „Bring On The Psychics“. Einen wirklich wilden Ritt offerierte die walisische Reggae-Hip-Hop-Metal-Crossover-Partie Skindred. Mit massivem Outfit, Ragga, starker Stimme und viel Interaktion mit dem Publikum gab Sänger Benji Webbe den starken Entertainer und Animateur.
Am frühen Nachmittag hatten die Schwestern Jules und Jyl Wylde, nicht verwandt mit Zakk Wylde, für viel Stimmung vor der Red Bull Stage gesorgt. Dort präsentierte sich auch die heimische Newcomerin Pure Chlorine.