Der Bezirk Neusiedl am See bietet in den kommenden Tagen ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm. Von Konzerten, Wandertagen über Ausstellungen bis hin zu Halloween-Events ist für jeden etwas dabei.
Neusiedl: Gregor Gysi geht im Weinwerk dem Sinn der Kirche nach
Ökumenischer Themenabend
Der langjährige deutsche Bundestagsabgeordnete Gregor Gysi besuchte Anfang der Woche das Weinwerk in Neusiedl. In einem Vortrag sprach er über seine Kindheit und Jugendzeit in der DDR, die Bedeutung der Kirche und was das teuerste Kleidungsstück war, das er je gekauft hat.
Philipp Jurenich, Gregor Gysi und Werner Hermeling
© Klaus Zwinger
Gregor Gysi besuchte am vergangenen Montag auf Einladung des Forums Katholischer Erwachsenenbildung das Weinwerk Neusiedl am See. Der langjährige deutsche Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke referierte zum Thema „Eine Gesellschaft ohne Kirche möchte ich mir nicht vorstellen.“ Gut über 100 Personen füllten den Saal bis auf den letzten Platz, um den Ausführungen des bekennenden Atheisten zu lauschen.
Von der Kindheit bis ins Heute
Werner Hermeling moderierte den Abend, der den Bogen von Gysis Kindheit in der DDR bis hin zum aktuellen Weltgeschehen spannte. Zentral stand dabei die im Titel des Vortrags aufgeworfene Idee einer Gesellschaft ohne Kirche.
Zunächst aber zeichnete er seinen Weg als relativ privilegiertes Kind eines Diplomaten in der DDR nach und beschrieb dabei auch seinen mitunter kurvigen Berufsweg (mit dem Abitur erwarb er den Abschluss als Facharbeiter für Rinderzucht), ehe er als Rechtsanwalt und Politiker schließlich seine Berufung fand. Warum aber ist nun ein Atheist der Meinung, dass sie Kirche eine sinnvolle Institution sei?
„Wenn wir die Kirche nicht hätten, hätten wir überhaupt keine allgemeinverbindliche Moral – das müssen auch Atheisten begreifen“, so Gysi. Er sei sich schon bewusst, dass sich deshalb bestimmt nicht jeder daran hält, dennoch gibt es mit den zehn Geboten und der Bergpredigt aber einen Maßstab, an dem man über sich und seine Taten reflektieren kann. Zwar sparte er nicht mit Kritik an der Kirche, gleichzeitig aber äußerte er auch Verständnis für gewisse Positionen, die nicht von heute auf morgen zu ändern sind.
Extensive Fragerunde im Anschluss
Im Anschluss an den Vortrag folgte eine Fragerunde, die für sich genommen länger dauerte als der Vortrag selbst. Dabei wurde nach Details zu Zeiten der Wende, aktuellem Weltgeschehen mit besonderem Augenmerk auf den Iran, Israel und Amerika, aber auch nach wesentlich banaleren Dingen gefragt. Moderator Werner Hermeling zitierte etwa aus dem ZEIT Magazin, dass das teuerste Kleidungsstück, das Gysi je gekauft habe, ein in der BRD produzierter Smoking war, den er damals noch in der DDR gekauft habe.
„Den Smoking von damals habe ich immer noch. Heute hat er aber nur noch eine einzige Funktion: festzustellen, ob ich zu- oder abgenommen habe.“