Bildung in Kittsee: Rund 75 Prozent nichtdeutschsprachige Kinder

Offener Tisch

Im Rahmen eines „Offenen Tischs“ im Gasthaus Leban gaben die drei Leiterinnen von Kindergarten, Volksschule und Neue Mittelschule in Kittsee einen Überblick, wie es derzeit um die Lage der Bildungseinrichtungen in der Grenzgemeinde steht.

Von Klaus Zwinger

Leiterin des Kindergarten Kittsee Karin Galee, Leiterin der Volksschule Kittsee Tanja Buchebner-Böhm und Leiterin der Neuen Mittelschule Kittsee Isabell Lichtenberger.

Leiterin des Kindergarten Kittsee Karin Galee, Leiterin der Volksschule Kittsee Tanja Buchebner-Böhm und Leiterin der Neuen Mittelschule Kittsee Isabell Lichtenberger.

© Klaus Zwinger

Das Interesse war groß, als der Kittseer Kulturverein „KUKUK“ zu einem offenen Tisch mit dem Thema „Kindergarten/Schule im Grenzraum Kittsee“ einlud. Rund 60 Personen fanden sich im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal im Gasthaus Leban ein. Moderator Helmut Wallmann begrüßte Bürgermeister Johannes Hornek und Vizebürgermeister Johann Paradeisz, bevor die Referentinnen vorgestellt wurden.

Darunter waren Karin Galee, die Leiterin des Kindergarten Kittsee, Tanja Buchebner-Böhm, die Leiterin der Volksschule Kittsee sowie Isabell Lichtenberger, die Leiterin der Neuen Mittelschule Kittsee, die jeweils von ihren Erfahrungswerten sowie dem aktuellen Stand der Dinge berichteten.

Da Kittsee als nördlichste Gemeinde des Burgenlandes direkt an die Slowakei angrenzt und Wohnraum in Bratislava auch immer teurer wird, schlägt sich das auch in der Demografie der Grenzgemeinde nieder. So wird berichtet, dass bereits rund die Hälfte der Kittseer Bevölkerung aus slowakischen Mitbürgern besteht. In den Bildungseinrichtungen lässt sich dieser Umstand noch stärker ablesen: hier sind es durch die Bank rund 75 Prozent der Kinder, die Deutsch nicht als Muttersprache haben.

Was sich wie eine verheerende Statistik liest, ist gelebter Alltag in Kittsee. Dabei wird im Kindergarten angesetzt, wo von den Kindern beim Eintritt noch kein Wort Deutsch gesprochen wird und die Kommunikation zunächst „mit Hand und Fuß“ erfolgt, wie Kindergartenleiterin Galee berichtet. Der Kittseer Kindergarten führt derzeit acht Gruppen mit jeweils 20 Kindern sowie eine Krippengruppe mit 15 Kindern, von denen rund die Hälfte Deutsch als Muttersprache spricht.

Zur Sprachförderung gibt es im Kindergarten etwa das von der Pädagogischen Hochschule finanzierte Projekt „Plaudertasche“ sowie einmal in der Woche zusätzlich gezielte Sprachförderung. Wie Kindergartenleiterin Galee betont, ist es wichtig, dass mit den Kindern zu Hause Slowakisch gesprochen wird, denn „die Muttersprache muss gefestigt sein, dann kann man eine weitere Sprache erwerben“.

In der Volksschule Kittsee gibt es derzeit zwölf Klassen. Beim Eintritt in die VS legen die Kinder mit einer anderen Erstsprache als Deutsch einen Migrationstest ab, der in drei Stufen (Muttersprachenniveau / Mangelhaft / Ungenügend) evaluiert, wo das Sprachniveau der Kinder liegt. Anhand dessen orientiert sich in der Folge die weitere Sprachenförderung in der Volksschule. Wie die Leiterin der Kittseer Volksschule, Tanja Buchebner-Böhm, berichtet, ist es meist ab der 3. Volksschulklasse so weit, dass die Kinder ein einheitliches Sprachniveau haben.

Umgekehrt gibt es für deutschsprachige Kinder auch die Möglichkeit, in der Volksschule Slowakisch zu lernen. Wie Buchebner-Böhm betont, ist dies allerdings keine Pflicht, sondern auf freiwilliger Basis. Ihr ist es wichtig, dass diese Sprachenbildung integrativ verläuft, um das Gemeinschaftliche in den Vordergrund zu stellen. Grundsätzlich hält sie fest „unsere gemeinsame Hauptsprache ist Deutsch, während wir das Slowakische wertschätzen“.

Waren es 2003 noch 25 Prozent nicht-deutschsprachiger Kinder in der Neuen Mittelschule Kittsee, so sind es durch den starken Zuzug mittlerweile 78 Prozent. Wie Schulleiterin Isabell Lichtenberger betont, ist die Akzeptanz seither aber immer weiter angestiegen. Wo sich die NMS Kittsee von anderen Schulen unterscheidet, ist, wie an den Lehrstoff herangegangen wird

„Oft kommt man in die Klasse, benützt Begriffe wie 'Ballungszentrum' oder ähnliches und denkt, die Kinder verstehen das eh. Tatsächlich ist es sinnvoll, spezifische Begriffe vor den Lerneinheit abzuklären und mit Bildern zu veranschaulichen, um den Lernerfolg zu garantieren“, so Lichtenberger.

Zum Abschluss fragte Moderator Helmut Wallmann, was die drei Damen sich jeweils wünschen würden, um die Bildungsstandards in der Gemiende weiter zu verbessern, wenn sie denn einen Wunsch frei hätten. Alle drei Damen stimmten überein, dass eine Anerkennung von Slowakisch als Minderheitensprache den Bildungsstandard erheblich erhöhen könnte, da dies die maximale Anzahl von Kindern in den Schulklassen von 25 auf 17 senken würde. Um dies umzusetzen, führte Wallmann aus, wäre allerdings ein Bundesgesetz vonnöten.