Das „Wohnzimmer“ in Oberwart kämpft ums Überleben

Pannonische Tafel

Das „Wohnzimmer“ in Oberwart ist für viele Menschen mehr als ein Treffpunkt. Es ist Wärmestube, Anlaufstelle, Schutzraum und soziales Netz. Doch nach dem Wegfall öffentlicher Unterstützung steht das Projekt der Pannonischen Tafel finanziell massiv unter Druck.

Von Bertie Unger

Das „Wohnzimmer“ in Oberwart ist kein Luxusprojekt. Es ist Grundversorgung.

Das „Wohnzimmer“ in Oberwart ist kein Luxusprojekt. Es ist Grundversorgung.

© Bertie Unger

Was als niederschwelliges Angebot begann, ist für viele Menschen in Oberwart längst überlebenswichtig geworden. Das „Wohnzimmer“ der Pannonischen Tafel ist ein Ort, an dem Wohnungslosigkeit nicht ignoriert wird, Armut nicht versteckt werden muss und Hilfe ohne Voraussetzungen angeboten wird. Doch genau dieses Angebot steht aktuell auf sehr wackeligen Beinen.

„Das Land hat uns die Unterstützung gänzlich gestrichen. Auch von städtischer Seite ist keine Hilfe mehr möglich gewesen“, sagt Andrea Roschek, Geschäftsführerin der Pannonischen Tafel. „Die Stadt Oberwart ist selbst von den Einsparungen des Landes betroffen, wie mir ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung erklärte, als ich um Unterstützung gebeten habe“, sagt Roschek.

Gerade in Oberwart ist das besonders hart. „Oberwart ist ein sozialer Brennpunkt“, betont Roschek. Zwischen 40 und 60 Menschen besuchen das Wohnzimmer während der wenigen Öffnungsstunden. Wohnungslosigkeit, prekäre Lebensverhältnisse und soziale Isolation sind Alltag. Das Wohnzimmer bietet genau dort Halt, wo andere Systeme nicht mehr greifen.

Ein zentraler Punkt ist die formale Unterstützung. „Die Wohnungslosigkeit ist hoch und wir bieten vielen Menschen, die unter sehr prekären Umständen leben müssen eine niederschwellge Anlaufstelle an“, erklärt Andrea Roschek. „Wohnungslosen und obdachlosen Menschen geben wir eine Kontaktadresse, um weiterhin eine Pension oder Sozialhilfe in Anspruch nehmen zu können, um nicht noch weiter in der Armutsspirale abzurutschen. Unseres Wissens nach sind wir im Burgenland die einzigen, die dies tun“, sagt Roschek.

Dazu kommt die tägliche Versorgung. Aus geretteten Lebensmitteln werden einfache, warme Mahlzeiten gekocht – kostenlos. Gemeinschaft entsteht beim Essen, beim Spielen, beim Musizieren. „Wichtig ist auch die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und Gemeinschaft zu erleben“, so Roschek. In Kooperation mit dem Verein „Frauen für Frauen“ wird das Wohnzimmer außerhalb der Öffnungszeiten zudem als geschützter Raum für gewaltpräventive Angebote genutzt.

Im Winter dient das Wohnzimmer als Wärmestube, im Sommer als kühler Rückzugsort. Besonders sichtbar wird soziale Ungleichheit bei Kindern. „In den Ferien kommen Kinder zu uns, um etwas zu essen oder zu trinken. Der Getränkeautomat am Spielplatz gegenüber ist nicht für alle Einkommensschichten zugänglich – das zeigt Ungleichheit sehr direkt“, sagt Roschek.

Dass das Wohnzimmer auch die Stadt entlastet, ist unbestritten. Dennoch fehlen aktuell monatlich 2.500 Euro zur Deckung der Kosten. Doch da gibt es auch einen Hoffnungsschimmer: Eine Pensionistin übernimmt nun monatlich 500 Euro. „Die erste Anweisung ist bereits eingetroffen. Wir danken der Dame an dieser Stelle sehr herzlich für dieses unglaublich wertvolle Zeichen der Solidarität und für die Wertschätzung“, sagt Roschek. Doch es bleiben 1.000 Euro im Monat offen, um kostendeckend arbeiten zu können.

„Jede Spende zählt, jede helfende Hand hilft, unser Wohnzimmer zu erhalten“, appelliert Andrea Roschek an die Stadt, an Unternehmen und an die Bevölkerung: Gesucht werden auch ehrenamtliche Unterstützer:innen, vor allem rüstige Pensionist:innen, um die Öffnungszeiten auszuweiten – idealerweise auch auf Wochenenden.