Vor einem Jahr hat das Land Rechtsanwalt Matthias Burger bei der Wohnbaugesellschaft „Neue Eisenstädter“ eingesetzt, um die Geschäfte zu beaufsichtigen. Auch nach dem U-Ausschuss bleibt er in der Funktion, noch bis zum Oktober 2027.
Kanzler in Eisenstadt: Christian Stocker plauderte mit 150 Gästen
Politik & Privates
Den vorletzten Stopp seiner „Österreich-im-Gespräch“-Tour machte Bundeskanzler Stocker im Eisenstädter Kulturzentrum. Moderatorin Arabella Kiesbauer führte durch zwei Stunden, in denen gescherzt, über Probleme geredet und das brandaktuelle Klimagesetz analysiert wurde. Der Kanzler gab sich entspannt, nahm nochmal zu seinem Kinderbetreuungs-Sager Stellung und verriet: „Seit gestern bin ich Opa!“
© Gregor Hafner, Hafner Gregor
Die Sicherheitsvorkehrungen waren streng im Kulturzentrum Eisenstadt, nach dem Publikumsgespräch zeigte der Bundeskanzler aber keinerlei Berührungsängste: Das Meet & Greet begann direkt auf der Bühne, Fotos und Selfies wünschten sich die Gäste auch von Arabella Kiesbauer, die den Kanzler auf Terminen seiner Sommertour begleitet.
Vor zwei Wochen war es die Veranstaltung in Salzburg, die Schlagzeilen machte, und in Eisenstadt nahm Christian Stocker das Thema selbst in die Hand und erklärte, was hinter seinem Ausspruch - Kinderbetreuung sei keine Arbeit - steckte.
„Glauben Sie mir, ich hab meine Kinder gewickelt, bin mit ihnen zum Arzt gefahren, in die Schule und so weiter, und das alles gemeinsam mit meiner Frau, die noch viel mehr gemacht hat. Ich kenn mich da schon ein bissl aus und ich habe es natürlich anders gemeint: Ich habe Kinderbetreuung nie als eine Art entgeltliche Erwerbsarbeit eingestuft, die Entscheidung hab ich mit meiner Frau getroffen, weil unsere Kinder ein Segen für uns sind.“
Dafür gab's Applaus, und dann noch einmal, als Stocker erzählte, dass er jetzt wieder in der Betreuung einspringen dürfe: „Ich bin gestern Großvater geworden!“ Damit schlug er auch eine Brücke zur Arbeit als Bundeskanzler: Es gehe ihm „um die nächsten Generationen und nicht um die nächsten Wahlen“.
Viele Fragen aus dem Publikum wurden an diesem späten Nachmittag besprochen, der Ton war immer freundlich, es durfte aber kritisch werden. Etwa, als an die Schließung von Männerberatungsstellen in Niederösterreich erinnert wurde (inklusive Lob für das Burgenland mit vier Beratungsstellen), als Landwirtschafts-Vertreter fragten, wie die kleinstrukturierten Betriebe überleben sollen, oder wenn Unternehmerinnen und Unternehmer den Bürokratie- und Förderdschungel bemängelten.
Kanzler Stocker war um Antworten und detaillierte Erklärungen bemüht; die soeben verkündete Koalitions-Einigung auf Klimagesetz und Dürre-Hilfe stand mehrmals im Mittelpunkt. Über die Frage nach dem Gaspreis ging es um Auslandshilfen („Kein verschenktes Geld, es geht auch um unsere Interessen - und um ein Maß an humanitärer Unterstützung“), um Migration („Wer keinen Aufenthaltstitel bekommt, soll das Land verlassen – das ist nicht rechtsextrem, das ist normal“) und um die jüngsten Umfragen, die den Freiheitlichen weitere Zugewinne voraussagen.
Würde der Kanzler in eine Koalition mit der FPÖ gehen, fragte ein Besucher, dem es „vor der nächsten Wahl graut“. Stockers Antwort: „Ich hab mit Herbert Kickl Regierungsverhandlungen geführt und aus gutem Grund keine Regierung gebildet. Und damit ist die Frage für mich schon beantwortet.“
Auf das Thema „Überverwaltung“ (Stocker: „Es heißt, das sei die teuerste Bundesregierung aller Zeiten, das stimmt aber nicht“) folgten Lehre und Ausbildung („Schreiben, Lesen, Rechnen – und ich sag immer, Grüßen wär auch nicht schlecht“) und E-Mobilität versus Verbrenner-Motor („Die Dampfmaschine ist auch nicht verboten worden, sie wurde aber durch etwas Besseres ersetzt“).
Gelacht wurde immer wieder, zum Beispiel als jemand fragte: „Ich bin 45, wann werde ich in Pension gehen?“ - „Auf jeden Fall nach mir“, meinte Stocker, „und nach jetzigem Stand mit 65“, denn Beitragsjahre würden dafür sorgen, „von der Pension gut leben zu können“.
Am Ende fragte Arabella Kisebauer den Kanzler, was er - neben den vielen Themen und Anliegen - vom Nachmittag in Eisenstadt mitnehme: „Heutzutage und in den sozialen Medien gibt es so viel Empörung, und das schafft Wut“, sagte Stocker, „aber ich habe wieder gesehen, dass wir in der realen Welt gottseidank miteinander reden. Das tut gut!“