Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
Goldener Apfel für Albert Leeb aus St. Andrä
Prämierung
Was als Nebenbetrieb begann, wurde nach einem einschneidenden Erlebnis zur Lebensentscheidung: Albert Leeb tauschte Dienstplan gegen Obstgarten und schuf in St. Andrä am Zicksee mit „Alles Apfel“ einen Betrieb, der für Qualität und Leidenschaft steht. Mit seinem naturtrüben Apfelsaft „Pinova“ holte er nun Gold bei der Landesprämierung – ein weiterer Höhepunkt einer Geschichte, die zeigt, wie aus einem Wendepunkt etwas Beständiges wachsen kann.
Albert Leeb mit seiner Lebensgefährtin Anita Fankhauser: In ihrem Betrieb „Alles Apfel“ in St. Andrä verkaufen sie neben Frischobst auch Säfte, Schnäpse, Marmeladen und andere Köstlichkeiten.
© Nina Mayer
Wenn man von Frauenkirchen kommend in St. Andrä am Zicksee einfährt, fällt der Blick fast automatisch nach links. Dort steht ein Gebäude, das mehr ist als nur ein Geschäft. Es ist Ausdruck einer Lebensentscheidung, eines mutigen Schritts und eines Lebens, das sich neu ausgerichtet hat. „Alles Apfel“ steht über der Tür, und dahinter steht Albert Leeb, ein Mann, der gelernt hat, auf Warnsignale zu hören und daraus etwas Eigenes zu schaffen.
Aufgewachsen im nahegelegenen Tadten, wurde ihm die Arbeit mit der Natur früh vertraut. Seine Eltern führten einen landwirtschaftlichen Betrieb, zunächst mit Gemüsebau. Mit den Jahren zeigte sich, dass diese Form der Bewirtschaftung körperlich fordernd ist, die gebückte Haltung, das ständige Arbeiten am Boden. Also stellte man aus pragmatischen Gründen auf Obstbau um. Eine Entscheidung, die damals vor allem der Entlastung diente, im Rückblick aber den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte legte.
© Nina Mayer
Ein Warnschuss als Impuls
2001 übernahm Albert Leeb den elterlichen Betrieb, vorerst nebenberuflich. Hauptberuflich stand er im Dienst der Allgemeinheit als Exekutivbeamter: Ein Job, der Disziplin verlangte und wenig Raum für Erholung ließ. Wochenenddienste, Nachtschichten und lange Autofahrten bestimmten seinen Alltag.
Bis zu jenem Moment, der alles veränderte. Ein Schreckmoment bei der Heimfahrt vom Dienst wurde für ihn zum Wendepunkt.
Noch am selben Tag traf er eine Entscheidung. Der Obstbau nebenbei, der fordernde Hauptberuf – beides zusammen war auf Dauer nicht machbar. Zu Hause sprach er offen aus, was längst in ihm gereift war. Die Folge: der Schritt in die Selbstständigkeit.

© Nina Mayer
Das Apfelhaus von „Alles Apfel“
In St. Andrä entstand „Alles Apfel“. Mit viel Eigenleistung und klarer Vision wurde das „Apfelhaus“ errichtet – ein nachhaltiges Passivhaus mit einer so dichten Gebäudehülle, dass es ohne klassische Heizung auskommt. Auf rund 100 Quadratmetern entfaltet sich ein Raum, der eher an einen lichtdurchfluteten Wintergarten erinnert als an ein Geschäft. Helle Flächen, warme Materialien und liebevoll präsentierte Produkte schaffen eine Atmosphäre, die einlädt, stehen zu bleiben.
Im Mittelpunkt des Betriebs steht der Apfel in all seiner Vielfalt. Schon ab Juli reifen die ersten Früchte der Sorte Piros, gefolgt von Early Gold, Gala, Pinova, Golden Delicious, Baya Marisa, Granny Smith und Mariella. Der Fokus liegt bewusst auf modernen Sorten, denn der Konsument von heute schätzt knackige, saftige Äpfel mit einem ausgewogenen Zucker-Säure-Spiel.
Der Glanz von Gold
Besonders stolz ist Albert Leeb auf seinen naturtrüben Apfelsaft der Sorte Pinova. Bei der diesjährigen Landesprämierung wurde er damit zum Landessieger in der Kategorie Saft gekürt. Insgesamt fünf Produkte wurden eingereicht, vier davon ausgezeichnet, eines mit Gold, drei mit Silber. Diese Erfolge sind kein Zufall, sondern das Ergebnis von Erfahrung, Sorgfalt und einem feinen Gespür für Qualität.
Doch der Apfel ist nicht nur geschmacklich vielseitig, sondern auch gesundheitlich ein echtes Kraftpaket. Reich an Vitaminen wie Vitamin C, enthält er zudem wertvolle Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders hervorzuheben sind die Polyphenole, die antioxidativ wirken und den Körper vor schädlichen Einflüssen schützen können.
Auch das enthaltene Pektin, ein Ballaststoff, unterstützt die Verdauung und wirkt sich positiv auf den Cholesterinspiegel aus. Der Apfel ist damit nicht nur ein Snack, sondern ein Beitrag zu einer bewussten Ernährung – regional, frisch und naturbelassen.

© Nina Mayer
Aromavielfalt für den Gaumen
Bei „Alles Apfel“ wird dieser Gedanke konsequent weitergeführt. Die Säfte sind großteils sortenrein, um den Charakter jeder Apfelsorte voll zur Geltung zu bringen. Daneben gibt es aber auch kreative Kompositionen: Apfel-Quitte, Apfel-Karotte oder der Apfel-Zimt-Saft, der in der kalten Jahreszeit heiß getrunken für wohlige Wärme sorgt. Wer genau schmeckt, entdeckt feine Nuancen: Ananas-, Birnen-, Bananen-, Honig-Aromen, die überraschen und zeigen, wie vielschichtig ein Apfel sein kann.
Die Produktpalette ist breit gefächert. Neben Säften finden sich Essige, Marmeladen, Chutneys und Schnäpse im Sortiment. Ein besonderes Highlight sind die Apfelchips, die wegen der starken Nachfrage täglich frisch produziert werden. Ob pur oder mit Schokolade überzogen, sie haben längst ihre eigene Fangemeinde.
Die zahlreichen Auszeichnungen, die der Betrieb im Laufe der Jahre gesammelt hat, werden dabei nicht protzig präsentiert. Stattdessen funkeln sie aus einem großen Gurkenglas. Ein Detail, das Bodenständigkeit und Selbstbewusstsein zugleich ausstrahlt.

© Nina Mayer
Zuzug vom Westen
Seit zwei Jahren bringt Anita Fankhauser frischen Wind in den Betrieb und in das Privatleben von Albert Leeb. Die gebürtige Tirolerin sorgt nicht nur für neue Impulse, sondern bringt auch viel unternehmerische Erfahrung mit. In Kufstein führte sie ein eigenes Geschäft und weiß dadurch, wie man wirtschaftlich denkt, ohne die Qualität aus den Augen zu verlieren.
Heute ist sie fixer Bestandteil des Unternehmens. Mit viel Gespür sorgt sie für die ansprechende Präsentation der Produkte und bringt Struktur in viele Abläufe. Gleichzeitig wurde auch der Absatz erweitert. Neben Direktvermarktung und regionalen Partnern werden inzwischen auch Betriebe in Tirol beliefert. Einmal im Monat geht es mit voll beladenem Auto in den Alpenraum. Eine Verbindung von Arbeit und Familie, denn in Tirol leben ihre Tochter und ihr kleiner Enkelsohn.
Für Anita Fankhauser ist klar: Sie hat sich zwei der schönsten Lebensmittelpunkte ausgesucht: den Seewinkel für den Sommer, Tirol für den Winter.
Mit der Natur
Ein weiterer Meilenstein steht bevor. Ab der Ernte 2026 darf sich „Alles Apfel“ offiziell Bio-Betrieb nennen. Ein Schritt, auf den Albert Leeb besonders stolz ist. Statt chemischer Pflanzenschutzmittel setzt man vermehrt auf natürliche Alternativen wie Molke. Vorbeugend, nachhaltig, im Einklang mit der Natur. Für ihn steht fest: Nirgendwo sind Lebensmittel so sicher wie in Österreich.
Dennoch bleibt der Obstbau eine Herausforderung. Die zunehmende Trockenheit macht gerade vor dieser Region nicht halt. Bewässerung ist längst unerlässlich geworden. Umso wichtiger ist es, verantwortungsvoll mit Ressourcen umzugehen und langfristig zu denken.
„Alles Apfel“ ist heute weit mehr als ein Geschäft. Es ist das Ergebnis einer Entscheidung, die Mut verlangt hat. Und es ist der Beweis, dass aus einem Moment des Innehaltens etwas entstehen kann, das Bestand hat – bodenständig, ehrlich und voller Geschmack.

© Nina Mayer