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MwSt-Befreiung adé: Ist die Photovoltaik-Förderung weiter notwendig?
PRO & KONTRA
Blau-Türkis im Bund will den Geldhahn für private Solarkraftwerke zudrehen: Die Mehrwertsteuer-Befreiung auf Photovoltaik-Komponenten bei Errichtung einer neuen Anlage soll vorzeitig enden. Das soll 175 Millionen in die klamme Staatskasse spülen. Braucht es weiterhin diese PV-Hilfe für Österreichs Energiewende?
Türkis-Grün hat eine Umsatzsteuerbefreiung für Anlagen bis 35 kWp für die Jahre 2024 und 2025 beschlossen. Jetzt soll dieser Nullsteuersatz vorzeitig fallen.
© Günter Fürnkranz
Pro: Herbert Greisberger, Geschäftsführer der Energie- und Umweltagentur des Landes NÖ (eNu) in St. Pölten

© zVg/eNu
„Die Photovoltaik ist die Schlüsseltechnologie für die Energieversorgung der Zukunft. Bereits heute sind allein in Niederösterreich über 125.000 Anlagen in Betrieb, von kleinen Balkonkraftwerken über Dachanlagen bis hin zu Großanlagen auf Gewerbeflächen oder nicht nutzbaren Flächen.
PV-Anlagen sind umweltfreundlich und flexibel einsetzbar, dienen zur Beschattung auf Parkplätzen, zur Gestaltung von Fassaden oder werden kombiniert mit landwirtschaftlicher Produktion sowie Flächen, die zur Förderung der Biodiversität beitragen.
Bereits heute tragen PV-Anlagen zu mehr als 10 Prozent der Energieversorgung in Niederösterreich bei, mit stark steigender Tendenz. Die Gründe dafür sind vielfältig: steigende Energie- und Netzkosten, sinkende Preise für PV-Module und Speicher, höherer privater Bedarf an Strom durch E-Mobilität und Wärmepumpen, der Wunsch nach Energieunabhängigkeit und nicht zuletzt als ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Über Energiegemeinschaften ist Photovoltaik auch für all jene regional zugänglich, die selbst keine Anlage errichten können.
Kombiniert mit elektrischen Speichern, flexiblen Verbrauchern (z.B. E-Auto, Warmwasser) oder Energiegemeinschaften entlasten PV-Anlagen zudem das öffentliche Netz und erhöhen die regionale Wertschöpfung. All dies macht Photovoltaik zur nachhaltigen Energiequelle der Zukunft in Niederösterreich und weltweit.“
Kontra: Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria in Wien

© Weinwurm, Foto Weinwurm GmbH.
„Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine stiegen die Strompreise stark an. Diese Entwicklung führte – neben negativen Konsequenzen für den Standort - zu einem erheblichen Anreiz für den Ausbau erneuerbarer Energien. Im Jahr 2023 wuchs die PV-Leistung nach dem Rekordjahr 2022 um 69 Prozent, und die Batteriespeicherkapazität verdreifachte sich fast. Ab 2024 wurde der PV-Ausbau durch eine Befreiung von der Umsatzsteuer statt klassischer Förderungen unterstützt.
Auffällig ist, dass vor allem die Preissignale für den Ausbau verantwortlich waren, während die Befreiung von der Umsatzsteuer eher mit Mitnahmeeffekten verbunden war. Angesichts des Budgetdefizits müssen staatliche Maßnahmen auf ihre Treffsicherheit geprüft werden. Es spricht daher vieles dafür, die Preissignale zu nutzen und künftig auf weitere Förderinstrumente zu verzichten.“