17. Oktober
Neusiedls Finanzen: Minus bleibt, Schulden steigen
Rechnungsabschluss 2025
Trotz hoher Investitionen und konsequenter Sparmaßnahmen schließt die Stadtgemeinde Neusiedl am See das Finanzjahr 2025 mit einem Minus von rund 400.000 Euro ab. Der Gemeinderat beschloss den Rechnungsabschluss Montagabend einstimmig. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung bei den Schulden seit 2023 wieder nach oben.
Gemeinderat Patrick Oberroither (fraktionslos), Gemeinderat Rainer Fussenegger (Grüne), Vizebürgermeisterin Sabine Nyikos (ÖVP), Bürgermeisterin LAbg. Elisabeth Böhm (SPÖ), 2. Vizebürgermeister Stefan Wögerer (SPÖ) und Gemeinderat Josef Brandlhofer (FPÖ).
© Stadtgemeinde Neusiedl am See
Auf den ersten Blick wirkt das Neusiedler Finanzergebnis für 2025 stabiler als erwartet. Tatsächlich fiel das Minus geringer aus als im Voranschlag prognostiziert. Doch hinter dieser Entwicklung stehen strukturelle Herausforderungen, die sich weiter zuspitzen.
Das Jahr 2025 stellte die Gemeinden in Österreich vor große finanzielle Belastungen. Auch in Neusiedl am See steigen die Fixkosten, während die Einnahmen stagnieren. Vor diesem Hintergrund setzte die Stadt dennoch zentrale Projekte um.
Insgesamt investierte die Gemeinde rund 5,9 Millionen Euro, um etwa 1,13 Millionen Euro weniger als ursprünglich budgetiert. Den größten Anteil nahm der Um- und Zubau des Feuerwehrhauses mit rund 3,5 Millionen Euro ein. Für die Volksschule am Tabor wurden Container um etwa eine Million Euro angeschafft. Zudem kaufte die Gemeinde für den Bauhof einen LKW um knapp 500.000 Euro. Weitere Mittel flossen in den Kanal- und Straßenbau sowie in Klimaschutzmaßnahmen.
Dass das Minus mit rund 400.000 Euro vergleichsweise moderat ausfiel, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Maßnahmen. Einsparungen, eine konsequente Budgetüberwachung sowie die Verschiebung geplanter Projekte entlasteten das Budget. Auch der Verkauf des „Öden Hauses“ und Förderungen von Land und Bund wirkten stabilisierend.
Diese Entlastung hat jedoch ihren Preis. Um das Budget zu stabilisieren, griff die Gemeinde spürbar in die Projektplanung ein. Kassaleiter Alfred Ewerth machte die Grenzen dieser Strategie deutlich: „Trotz großer Anstrengungen, wie das Verschieben von Investitionen, und dem Spargedanken in Verwaltung und Politik gehen sich ausgeglichene Gemeindefinanzen nicht aus“.
Mehrere Vorhaben wurden verschoben oder gestrichen. So wird die Erweiterung des Radweges bei der Handelsakademie erst 2026 umgesetzt. Die geplante Photovoltaikanlage auf dem Bauhofdach wurde vorerst nicht weiterverfolgt. Auch der Zu- und Umbau des Rathauses wird aus Kostengründen nicht realisiert.
In die Hand spielten der Gemeinde neue Berechnung für den bereits budgetierter Ausbau eines Rückhaltebeckens: „Es gab neue Simulationen der Regenereignisse, die zeigen, dass wir keinen Ausbau brauchen“, erklärte Ewerth.
Damit zeigt sich ein Muster: Die Gemeinde sichert kurzfristig ihre finanzielle Stabilität, verschiebt dafür aber Projekte in die Zukunft. Gleichzeitig verschlechtert sich die Ausgangslage für kommende Jahre. Die sogenannte freie Finanzspitze – sie beschreibt den finanziellen Spielraum für Investitionen nach Abzug laufender Verpflichtungen – ist mittlerweile negativ. Eigene Mittel für neue Vorhaben fehlen damit weitgehend.
Parallel dazu gerät eine Entwicklung ins Wanken, die lange als Erfolg galt. Seit 2015 verfolgte die Stadtgemeinde einen konsequenten Konsolidierungskurs. Ausgehend von einem Schuldenstand von rund 42,7 Millionen Euro gelang es, die Verbindlichkeiten über Jahre hinweg deutlich zu reduzieren. Jährlich baute die Gemeinde zwischen drei und vier Millionen Euro ab. Diese Entwicklung endete 2023.
Seither kehrt sich der Trend um: In den Jahren 2023, 2024 und 2025 stieg der Schuldenstand jeweils wieder an. Auch der aktuelle Rechnungsabschluss bestätigt diese Entwicklung. Obwohl im Vorjahr rund 3,5 Millionen Euro zurückgezahlt wurden, erhöhte sich der Gesamtschuldenstand durch neue Darlehen um etwa 1,3 Millionen Euro auf rund 23,3 Millionen Euro.
Noch verfügt die Stadt über finanzielle Reserven. Die Liquidität blieb erhalten, ein Kassenkredit war nicht notwendig. Doch der Ausblick bleibt angespannt: Für das laufende Jahr ist bereits ein Minus von rund zwei Millionen Euro budgetiert.
Bürgermeisterin Elisabeth Böhm ordnet die Situation im größeren Zusammenhang ein: „Der Rechnungsabschluss 2025 zeigt, dass das Minus trotz wirtschaftlich angespannter Rahmenbedingungen und laufender Investitionen mit 400.000 Euro vergleichsweise geringgehalten werden konnte. Möglich war das vor allem durch konsequente Einsparungen und eine vorausschauende Budgetpolitik. Gleichzeitig verdeutlicht das Ergebnis aber auch die angespannte finanzielle Lage vieler Gemeinden in ganz Österreich und die großen Herausforderungen, vor denen sie stehen. Es braucht daher dringend langfristige Reformen, um die Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge nachhaltig abzusichern.“
Damit steht die Stadtgemeinde vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss weiter investieren, um ihre Infrastruktur zu sichern – und gleichzeitig Wege finden, die finanzielle Balance langfristig zu halten.