Toller Erfolg für das Burgenland: Beim Bundeslehrlingswettbewerb der Metalltechniker in Bregenz sicherte sich Alexander Giefing vom Lehrbetrieb Förderanlagen-Schlosserei Werfring GmbH in Marz den hervorragenden dritten Platz in der Berufsgruppe Metallbau- und Blechtechnik. Auch die weiteren beiden burgenländischen Teilnehmer überzeugten mit starken Leistungen.
Theater als ein starkes kulturelles Bekenntnis
Reformierte Jugend
Mit „Pletykafészek“ bringt der Leseverein der Reformierten Jugend Oberwart auch heuer wieder ungarischsprachiges Theater auf die Bühne. Hinter dem Projekt steht aber nicht nur eine Theater-Aufführung, sondern eine Gemeinde, die seit Jahrhunderten Glauben, Sprache und Kultur aufrecht hält und weiterträgt.
Der Leseverein ist Teil der Reformierten Pfarrgemeinde Oberwart.
© Lexi, Jens Krauss
Wenn im Reformierten Gemeindesaal der Vorhang aufgeht, ist das mehr als ein Theaterabend. Mit „Pletykafészek“ („Gerüchte“) von Neil Simon bringt der Leseverein der Reformierten Jugend Oberwart heuer eine rasante Komödie auf die Bühne – gespielt in ungarischer Sprache. Die Proben laufen bereits auf Hochtouren. Premiere ist am Samstag, 14. März, um 19 Uhr. Weitere Vorstellungen folgen am 15., 20. und 21. März.
Ein US-amerikanischer Dramatiker, ein ungarischer Text und eine reformierte Gemeinde im Südburgenland – was anderswo als Widerspruch gelten würde, ist in Oberwart gelebter Alltag. Hier ist Mehrsprachigkeit keine Debatte, sondern Tradition. Und genau daraus bezieht der Verein Kraft. Sprache ist hier kein politisches Thema, sondern gelebte Selbstverständlichkeit.
Der Leseverein ist Teil der Reformierten Pfarrgemeinde Oberwart, einer Gemeinde mit ganz besonderer Geschichte. Sie gilt als die älteste protestantische Gemeinde Österreichs, die ohne Unterbrechung bis heute besteht. Bereits um 1580 wandte sich die Mehrheit der Oberwarter Bevölkerung dem reformierten Glauben zu. Auch in Zeiten der Gegenreformation blieb die Gemeinde bestehen. Das war keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck von Beharrlichkeit und innerer Standfestigkeit.
Ein sichtbares Zeichen dieser Kontinuität ist die Reformierte Pfarrkirche, eingeweiht am 10. Jänner 1773. Sie wird seither durchgehend genutzt. Gottesdienste finden bis heute in deutscher und ungarischer Sprache statt – lange bevor Mehrsprachigkeit politisch diskutiert wurde, war sie hier Realität. Diese Zweisprachigkeit ist kein Zusatz, sondern Teil der Identität der Gemeinde.
Aus diesem historischen Fundament entwickelte sich auch ein eigenständiges kulturelles Leben. Der Leseverein, eine Tanzgruppe und ein Chor prägen das Gemeindeleben bis heute. Kultur ist hier kein Beiwerk, sondern Ausdruck des Selbstverständnisses. Kultur verbindet Generationen und hält Tradition lebendig, ohne sie museal zu machen.
Im Leseverein stehen Menschen auf der Bühne, die aus unterschiedlichen Generationen und Lebenswelten kommen. Manche sprechen Deutsch, manche Ungarisch, viele beides. Genau diese Selbstverständlichkeit prägt die Arbeit des Vereins. Was hier entsteht, ist kein künstlich konstruiertes Miteinander, sondern gewachsene Realität – so wie sie die Region seit jeher ausmacht. Sprache ist hier kein Etikett, sondern Alltag. Und das Theater wird zum Ort, an dem sich diese Vielfalt sichtbar zeigt, ohne groß erklärt werden zu müssen.
Und die ungarischsprachigen Aufführungen haben sich längst als Fixpunkte im regionalen Kulturkalender etabliert. Sie ziehen Publikum über die Gemeindegrenzen hinaus an. Auszeichnungen wie der „Magyar Örökség Díj“ oder das burgenländische „Rot-Goldene Brettl“ dokumentieren die Qualität. Entscheidend ist aber etwas anderes: Hier wird Sprache nicht konserviert, sondern aktiv gelebt. Theater wird zum Ort der Begegnung und nicht zu einer Form „Ungarischer Folklore“.
„Pletykafészek“ entwickelt sein Tempo aus Situationen, die jeder kennt. Ein Abend, der harmlos beginnt, kippt langsam. Ein Nebensatz bleibt hängen, ein Detail bekommt plötzlich Gewicht, aus einer Vermutung wird etwas, das niemand mehr hinterfragt. Es wird viel gelacht, weil die Dialoge pointiert sind und das Timing stimmt. Aber das Lachen hat Substanz. Denn zwischen den komischen Momenten schwingt immer auch mit, wie fragil Vertrauen sein kann und wie schnell sich Stimmungen drehen.
Das Stück selbst wirkt dadurch erstaunlich nah am Alltag. Nicht, weil es große Botschaften verkündet, sondern weil es Mechanismen zeigt, die man wiedererkennt. Wie schnell sich etwas verselbstständigt. Wie rasch aus Unsicherheit Gewissheit wird. Genau darin liegt seine Aktualität.
Gespielt wird im Reformierten Gemeindesaal, an einem Ort, an dem sich das Gemeindeleben bündelt. Hier wird diskutiert, hier wird organisiert, hier wird gefeiert. Und hier wird Theater gemacht. Man spielt nicht vor einem zufälligen Publikum und das macht den feinen Unterschied. Viele im Saal kennen einander. Manche sind seit Jahrzehnten dabei, andere kommen neu dazu. Einige haben früher selbst gespielt, andere helfen hinter der Bühne. Diese Nähe schafft eine andere Dynamik. Die Reaktionen sind direkter, das Mitgehen ist spürbar, die Sprache verbindet.
Die ungarischen Pointen funktionieren, weil sie verstanden werden – nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell. Dialekt, Redewendung, Tempo – das alles hat hier Boden. Und genau deshalb wirkt das Stück nicht wie eine Übersetzung, sondern wie ein Teil der eigenen Lebensrealität.
All das passiert ehrenamtlich. Jahr für Jahr und mit Verlässlichkeit. Theater entsteht hier nicht als einmalige Aktion, sondern als kontinuierliche Arbeit. Jede Produktion steht in einer Linie mit der vorherigen. Man weiß, worauf man aufbaut. Man kennt die Abläufe. Man weiß auch, was das Publikum erwartet und was es nicht braucht.
Aufführungen im Reformierten Gemeindesaal sind Teil des Gemeindelebens. Sprache wird hier nicht präsentiert, sondern selbstverständlich gesprochen. Identität zeigt sich im Miteinander der Beteiligten. Theater entsteht damit nicht als einmaliges Ereignis, sondern aus einer kontinuierlichen Praxis innerhalb der Gemeinde. Und darin liegt ihre besondere Kraft.