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30 Jahre nach der Bombe von Oberwart
Roma-Attentat
Es war die Nacht vom 4. auf den 5. Feber 1995, als vier Mitglieder der Volksgruppe der Roma durch eine Rohrbombe getötet wurden. Die Tat erschütterte nicht nur die lokale Community, sondern ganz Österreich. Im 30. Gedenkjahr sind eine Reihe von Veranstaltungen geplant.
Im Offenen Haus Oberwart sind zahlreiche Veranstaltungen geplant.
© VHS Roma
„Roma zurück nach Indien“ stand auf einer Tafel nahe der Roma-Siedlung am Ortsrand von Oberwart. Vier Männer hatten schon ein paar Nächte zuvor verdächtige Geräusche bemerkt und versuchten, das Schild zu entfernen, als der Sprengsatz detonierte. Erwin und Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon waren auf der Stelle tot. Und das Roma-Attentat von Oberwart gilt bis zum heutigen Tag als das schwerwiegendste rassistisch motivierte Attentat in der Geschichte der Zweiten Republik.
Ermittlungen liefen in völlig falsche Richtung
„In der Roma-Siedlung herrschte hellste Aufregung“, sagt Susanne Horvath, die damals in der Siedlung lebte. „Vor allem, als es zuerst hieß, dass sich die vier Burschen selbst in die Luft gesprengt haben. Da gab es die wüstesten Geschichten, die aber in keiner Weise der Realität entsprachen“, erinnert sich Horvath. „Die Siedlung war voll, jeder wollte wissen, was da passierte und plötzlich standen wir als Volksgruppe im Mittelpunkt. Plötzlich waren alle Medien da, Fernsehen, Radio, Zeitungen, und wir wussten gar nicht, wie wir damit umgehen sollten. Es war schrecklich, als unsere Wohnungen durchsucht wurden. Wir wurden behandelt wie Schwerverbrecher und hatten da natürlich auch keine psychologische Unterstützung“, erzählt Susanne Horvath. „Es war einfach nur schrecklich, bis dann irgendwann heraus kam, dass dieser Franz Fuchs für das Attentat verantwortlich war. Und da war die Angst dann noch größer und noch präsenter.“
Denn dieser 5. Februar 1995 markiert einen tiefen Einschnitt: Zum ersten Mal in der Zweiten Republik wurden Menschen allein aufgrund ihrer Herkunft und Zugehörigkeit ermordet. Die Opfer stehen für eine Volksgruppe, die plötzlich ins Zentrum des öffentlichen Interesses geriet. Trauer und Schock bestimmten die Zeit danach, doch die Tat führte auch zu einer breiten Solidaritätswelle in der Bevölkerung. Viele Menschen engagierten sich von nun an verstärkt für die Rechte der Roma und setzten sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung ein. Und die Aufarbeitung des Anschlags und seiner Hintergründe war, ist und bleibt eine wichtige Aufgabe für die Gesellschaft.
Das Leben in der Roma-Siedlung heute
Das Leben in der Romasiedlung in Oberwart hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Viele sind gestorben, viele sind weg gezogen. 1995 lebten noch rund 160 Personen in der Siedlung, heute sind es vielleicht ein Drittel. Viele, insbesondere jüngere Roma, haben die Siedlung verlassen, um anderswo neue Lebenswege zu beschreiten.
„Die Angst war ständig da. Kann da wieder etwas passieren, was, wenn wieder etwas passiert“, erinnert sich Susanne Horvath. „Ich kann jetzt nur für meine Familie sprechen, unsere Kinder waren zu diesem Zeitpunkt fünf und zehn Jahre alt, mein Mann hat in Wien gearbeitet und ich war die ganz Woche über allein. Die Angst war auch nach Jahren immer im Hinterkopf“, sagt Horvath, die die Siedlung mit ihrer Familie dann ebenfalls verließ. Dieses „Hoffentlich passiert nichts“, das war einfach zu stark.
Jahrzehnte nach dem Attentat ist die Erinnerung daran lebendig. Regelmäßige Gedenkfeiern und Berichterstattungen halten das Bewusstsein für die Ereignisse wach und mahnen zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Stadt Oberwart und ihre Bewohner haben seit dem Anschlag einen langen Weg der Verarbeitung und des Gedenkens zurückgelegt und die jährlichen Gedenkveranstaltungen sind ein wichtiger Bestandteil, um die Erinnerung an die Opfer lebendig zu halten und ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen.
Offenes Haus Oberwart als zentrale Anlaufstelle
Das Offene Haus Oberwart spielte in den Tagen rund um den 5. Feber 1995 eine zentrale Rolle. Über 100 Journalisten berichteten nach ganz Europa. Hier wurden die ersten Fäden zu Aufklärung und Aufarbeitung gezogen.
„Das OHO steht im Februar und März 2025 ganz im Zeichen dieses prägenden Ereignisses“, sagt Horst Horvath, Geschäftsführer der Volkshochschule der Roma. „Wir setzen uns mit diesem dunklen Kapitel mit einem vielschichtigen Programm auseinander und werfen zugleich einen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie Rechtsextremismus und den Umgang der Mehrheitsgesellschaft mit Minderheiten“, sagt Horvath. „Mit diesem Programmschwerpunkt möchten wir nicht nur gedenken, sondern auch den Dialog über Verantwortung, Zusammenhalt und gesellschaftliches Bewusstsein anregen. Wir laden ein, Teil dieser Auseinandersetzung zu sein – in Erinnerung an die Vergangenheit und mit Blick auf eine gemeinsame Zukunft“, so Horvath.
Folgende Veranstaltungen sind geplant
Freitag, 7. Feber – 19 Uhr: „Man will uns ans Leben“ – Bomben gegen Minderheiten 1993–1996. Ausstellungseröffnung und gleichzeitig wird die Ausstellung „Letters of Fear“ und der Zyklus „Oberwart im Feber 1995“ von Wolfgang Horwath präsentiert. Die Ausstellungen sind vom 11. Feber bis 23. März 2025 zu besichtigen.
Donnerstag, 13. Feber - 19 Uhr: „Filmabend „Amen sam so amen sam“ – von Hans Panner. Stefan Horvath – „Zigeuner aus Oberwart“ – eine Filmische Hommage von Peter Wagner
Donnerstag, 20. Feber – 13 bis 16 Uhr: Workshop „Rechtsextremismus“
Donnerstag, 27. Feber – 19 Uhr: Katzenstreu – Stefan Horvath“. Hörspiel-Dokumentation zum gleichnamigen Buch von Stefan Horvath und Willi Spuller.
Donnerstag, 6. März – 19 Uhr: „Das Roma-Attentat von Oberwart“: Lesung aus dem Buch und Gesprächsrunde mit Klaus Gartner, Emmerich Gärtner-Horvath, Horst Horvath, Annemarie Klinger, Terezija Stoisits, Peter Wagner.
Donnerstag, 13. März – 19:30 Uhr: Premiere „Die Retter“. Rohonczy, Kautz, Niczky – drei Menschen aus dem Mittelburgenland / Uraufführung Stück: Katharina Tiwald und Peter Wagner. Weitere Infos: www.thib.at
Donnerstag, 20. März - 19 Uhr: 30 Jahre Attentat von Oberwart/Felsöör/Stinatz/Stinjaki – Podiumsdiskussion.