Der Herr über den „Wahnsinn“

Schloss-Spiele

Claus Tröger inszeniert heuer das Stück „Der nackte Wahnsinn“ in Kobersdorf. Es ist seine 195. Regiearbeit, die zweite bei den Schloss-Spielen.

Von Elisabeth Tritremme

Intendant Kammerschauspieler Wolfgang Böck holte Claus Tröger zum ersten Mal für den „Bockerer“ nach Kobersdorf. Heuer wird „Der nackte Wahnsinn“ zu sehen sein.

Intendant Kammerschauspieler Wolfgang Böck holte Claus Tröger zum ersten Mal für den „Bockerer“ nach Kobersdorf. Heuer wird „Der nackte Wahnsinn“ zu sehen sein.

© Elisabeth Tritremmel

„Es war sehr erfüllend, ich würde den Weg nochmal gehen“, blickt Claus Tröger auf sein Wirken als Regisseur zurück. Dabei kam sein erstes offizielles Stück gar nicht zustande. „Das wäre meine Diplomarbeit gewesen, und ich habe einen Text ausgesucht, der der Direktion damals zu politisch war“, erinnert er sich.

Claus Tröger war schon in seiner Jugend begeistert vom Theater. „Ich hatte die Frechheit zu behaupten, dass das, was ich da gesehen habe, langweilig war. Daher habe ich es mit einer Gruppe Gleichgesinnter selbst probiert“, erzählt er. Danach besuchte er das Mozarteum, um das „Handwerk zu lernen“.

Über die Jahre hat er viele Theater kennengelernt – professionelle und nicht-professionelle. Das war ihm auch ganz wichtig. „Der professionelle Betrieb unterscheidet sich sehr stark vom nicht-professionellen Betrieb. Die Motivation der Spieler, die zweimal im Jahr etwas machen, ist eine andere als bei Schauspielern, die irgendwo in einem Abo ihren Beruf erfüllen.“

Für ihn ist die Neugierde und das Entdecken neuer Dinge essenziell – auch wenn das bedeutet, dass etwa die Liste mit den Texten, die er auf die Bühne bringen möchte, dadurch länger wird. Anfang Oktober wird er „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith auf die Bühne des Wald4ter Hoftheaters bringen, im November die Uraufführung eines biografischen Stücks über Stefan Zweig.

Vor drei Jahren inszenierte Claus Tröger zum ersten Mal ein Stück in Kobersdorf – den „Bockerer“. „Wolfgang Böck hat mich eingeladen, ich habe auch schon viel mit Erich Uiberlacker gearbeitet, daher gab es Verbindungen, und dann durfte ich den ,Bockerer’ machen – das war ein Text, der auf meiner großen Wunschliste gestanden ist. Jetzt hat mich Wolfgang Böck kontaktiert und ins Schwarze getroffen, denn ich wollte dieses Stück inszenieren“, erzählt Tröger. Es sei ein Klassiker, einer der Komödien-Texte, die weltweit überall gespielt wurden. „Ich bin mit dem, was ich bisher gemacht habe, nicht unbedingt der Komödien-Regisseur, das ist nicht unbedingt mein Interesse. Mein Interesse waren aber immer englische Autoren, und ich glaube schon, dass sich die englische Komödie sehr wohl von der deutschen oder französischen Komödie unterscheidet. Monty Python ist etwa eine große Vorgabe, die man sowieso nicht erreicht.“ Er habe „Der nackte Wahnsinn“ zweimal gesehen. „Das Stück selbst hat mir gefallen, aber die Umsetzung nicht, weil ich glaube, dass wir im deutschsprachigen Raum auch viel zu kompliziert denken. Das ist gefährlich für dieses Stück, das habe ich selber erst bemerkt. Das Stück ist überhaupt nicht einfach und die Auseinandersetzung damit eine riesengroße Herausforderung. Ich muss auch eingestehen, dass ich damit am Anfang Probleme hatte – aber jetzt mit diesem wunderbaren Ensemble hat sich eine Gemeinsamkeit entwickelt, die einen spannenden und hoffentlich auch englischen Blick auf das Stück freigibt.“

Kreativität sei für das Fach des Regisseurs wichtig – nur dass das bei diesem Stück nicht funktioniert. „Der Autor hat gnadenlos etwas vorgegeben, was man einhalten muss. Hut ab vor diesem Autor. Es ist mir auch im Laufe der Probenzeit klar geworden, wie grandios dieser Autor das auch geschrieben hat – und trotzdem nicht oberflächlich ist wie bei vielen Komödien. Die Figuren haben Tiefe und diese kann man benutzen“, so Tröger.

Die Proben für „Der nackte Wahnsinn“ laufen gut – wobei man heuer bereits in Wien mit dem Bühnenbild geprobt hat. „Wir haben von Anfang an gesagt, ohne das Bühnenbild mit diesen vielen Türen können wir das Stück einfach nicht proben. In einer Probendeko funktioniert das einfach nicht. Es war also die Herausforderung, dass das Bühnenbild schon in Wien aufgebaut wurde, das hat uns schon geholfen.“

Kobersdorf, das macht für ihn den Raum und die Atmosphäre als Spielstätte ganz besonders – und der Zusammenhalt im Team. „Es macht in Kobersdorf einfach Spaß.“

Wenn am 30. Juni ab 20.30 Uhr die Premiere beginnt, sitzt Claus Tröger im Publikum – und zwar ganz entspannt. „Ich kenne zwei Kollegen, die sich prinzipiell während der Premiere betrinken, ich kenne Kollegen, die zu wandern anfangen. Ich muss gestehen, ich habe mir jede meiner Premieren angeschaut. Für mich ist mit der Generalprobe das Stück an das Ensemble abgegeben. Ich sitze dann eigentlich als Zuschauer drin – und das kann ich dann auch genießen. Nicht weil ich mich davon verabschiede, sondern weil ich den Genuss habe, dass ich sagen kann: Ich versuche, es zum ersten Mal zu sehen. Da kann ich dann auch wieder drüber lachen. Und das ist ein schöner Moment.“