Klaus Novak: Schulentwicklung im Aufwind

Schulentwickler im Talk

Schulentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess, der darauf abzielt, die Qualität von Schule und Unterricht zu steigern und langfristig abzusichern. Das Thema ist komplex und hinter der Kernbotschaft findet sich eine Vielfalt an Themenfeldern und Entwicklungsmöglichkeiten, die vor allem eines können muss: Schulentwicklung muss sich daran messen lassen, ob sie Schüler:innen, Pädagog:innen und Schule in ihrer Gesamtheit erreicht. Klaus Novak leitet das Institut für Fortbildung und Beratung an der PPH Burgenland.

Von Bertie Unger

"Es braucht Mut und visionäre Kraft, um die Chancen der Autonomie zu nutzen und nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben", sagt Klaus Novak.

"Es braucht Mut und visionäre Kraft, um die Chancen der Autonomie zu nutzen und nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben", sagt Klaus Novak.

© PPH

Herr Dr. Novak. Schulentwicklung bedeutet eine gezielte Weiterentwicklung von Schulen zur Optimierung der Schulqualität und Unterrichtswirksamkeit. Wie kann man das für einen Laien zusammenfassen?
Klaus Novak: Bei der Betrachtung von Schulentwicklung ist es wichtig, zwei Hauptformen zu unterscheiden, nämlich die zentrale und die standortbezogene Schulentwicklung. Während die zentrale Schulentwicklung auf übergeordneter Ebene durch politische Steuerung und gesetzliche Vorgaben einheitliche Rahmenbedingungen für alle Schulen schafft, ermöglicht die standortbezogene Schulentwicklung eine individuelle und bedarfsgerechte Anpassung an die Gegebenheiten und Herausforderungen vor Ort. Das gemeinsame Ziel beider Formen ist die Verbesserung der Bildungsqualität und die Schaffung eines Umfelds, das das Lernen optimal unterstützt. Der Vorteil einer standortbezogenen Schulentwicklung liegt darin, dass die Einzelschule gezielt auf ihre individuellen Stärken und Schwächen eingehen und schnell und flexibel auf aktuelle Herausforderungen reagieren kann.

Schulentwicklung soll zu einer nachhaltigen Entwicklung in den jeweiligen Schulen führen. Schulentwicklung sieht Schule als lernende Organisation. Wie sehr haben Sie dabei mit verstaubten Strukturen zu kämpfen?Novak: Der Begriff „verstaubte Strukturen“ im Zusammenhang mit Schulentwicklung muss relativiert werden, denn das Autonomiegesetz von 2017 bietet den Schulen einen großen Gestaltungsspielraum. Die eigentliche Herausforderung liegt oft nicht in den strukturellen Rahmenbedingungen, sondern in der Zurückhaltung, die neuen Freiheiten für grundlegende Veränderungen zu nutzen. Es braucht Mut und visionäre Kraft, um die Chancen der Autonomie zu nutzen und nachhaltige Entwicklungen voranzutreiben.

An Schulqualität zu arbeiten bedeutet, Ziele und Maßnahmen zu setzen, damit Lernen und Lehren gut gelingen können. Welche Instrumente werden dabei eingesetzt?
Novak: Innerhalb des Qualitätsmanagementsystems sind spezifische Instrumente wie Entwicklungspläne sowie Ziel- und Bilanzgespräche zwischen Schulleitung und Schulqualitätsmanagement definiert. Diese Instrumente ermöglichen eine strukturierte Planung, Umsetzung und Evaluation von Schulentwicklungsmaßnahmen. Ein weiteres wichtiges Instrument der Schulentwicklung ist der Qualitätsrahmen, der als zentrale Grundlage dient und einheitliche, transparente Kriterien für die Sicherung und Verbesserung der Schulqualität vorgibt.

Wer trägt Verantwortung dafür, dass an der Schule ein Grundverständnis für Qualitätsmanagement besteht?
Novak: Eine systematische Schulentwicklung liegt in der Verantwortung der Schulleitung, setzt aber eine professionelle Zusammenarbeit des Kollegiums voraus. Im Idealfall werden auch die Erziehungsberechtigten und die Schülerinnen und Schüler selbst in die Schulentwicklung einbezogen, wo dies sinnvoll ist.

Zur Unterstützung der standortspezifischen Schulentwicklung wurde die Funktion des Qualitäts-Schulkoordinators eingeführt. Der Qualitäts-Schulkoordinator hat die Aufgabe, die Schulleitung bei der Einführung und Umsetzung von Schulentwicklungsmaßnahmen zu unterstützen. Auf Landesebene wurden für jedes Bundesland zwei Qualitäts-Regionalkoordinatoren installiert. Sie arbeiten landesweit und schulartübergreifend und unterstützen ihrerseits die Qualitäts-Schulkoordinatoren.

Gibt es da eine gesetzliche Vorgabe?
Novak: Ja, es gibt eine gesetzliche Vorgabe für das bereits mehrfach erwähnte Qualitätsmanagementsystem, das die Schulentwicklung regelt. Diese wurde durch eine Verordnung des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung festgelegt. Alle weiteren Maßnahmen und Anpassungen sind ebenfalls per Verordnung geregelt und somit verbindlich. So müssen die Schulen ihre Schulentwicklung in einem Schulentwicklungsplan dokumentieren und diesen alle drei Jahre dem schulischen Qualitätsbeauftragten vorlegen und in einem Gespräch darüber berichten.

Wer identifiziert nun die Stärken einer Schule und wo setzt diese Weiterentwicklung an? Haben Schulen eigene Qualitätsmanager?
Novak: Schulentwicklung ist dann besonders effektiv, wenn sie sich auf Daten wie Schülerleistungen stützt. Mit den nationalen Kompetenzmessungen stehen den Lehrkräften standardisierte Instrumente zur Verfügung, um die Stärken und Schwächen der Schüler in der 3. und 4. Schulstufe sowie in der 7. und 8. Schulstufe zu erkennen. Für die weiterführenden Schulen sind darüber hinaus die Ergebnisse der standardisierten Reife- und Diplomprüfungen relevant. Zusätzlich liefern internationale Vergleichsstudien wie PISA und PIRLS wichtige Daten, die vor allem für die zentrale Schulentwicklung von Bedeutung sind. An jeder Schule gibt es den bereits erwähnten Qualitäts-Schulkoordinator, der die Schulleitung bei der standortspezifischen Schulentwicklung unterstützt.

Holen sich Lehrkräfte Feedback von ihren Schülerinnen und Schülern, um den Unterricht besser auf deren Lernvoraussetzungen und Lernbedürfnisse abzustimmen?
Novak: Das Qualitätsmanagement für Schulen sieht vor, dass die Lehrer:innen mindestens einmal pro Schuljahr ein Feedback von den Schülern und/oder Eltern einholen. Zu diesem Zweck wurde eine Plattform eingerichtet, auf der die Lehrkräfte verschiedene Fragebögen für dieses Feedback finden. Sowohl das Feedback der Lehrenden an die Schüler als auch das Feedback der Schüler an die Lehrenden sind wirksame Methoden zur Verbesserung der Unterrichtsqualität.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die neu eingeführte externe Schulevaluation, die einen objektiven Blick auf die Qualität der Schule bzw. des Unterrichts ermöglicht und damit die Schulentwicklung zusätzlich unterstützt.

Sind die SQM s untereinander vernetzt, werden sie von der PPH Burgenland koordiniert?
Novak: Die Schulqualitätsmanager sind intern gut vernetzt und erhalten bei Bedarf Unterstützung durch die Private Pädagogische Hochschule. Dies umfasst sowohl die Moderation ihrer Meetings als auch speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Fortbildungen. Das Qualitätsmanagement sieht auch die Erstellung von Entwicklungsplänen auf Landesebene vor. Für einige Projekte ist eine gemeinsame Erarbeitung zwischen Bildungsdirektion und Pädagogischer Hochschule vorgesehen. Die Zusammenarbeit zwischen der Bildungsdirektion und Pädagogischer Hochschule Burgenland ist im Burgenland sehr eng und wird vom Bildungsministerium immer wieder als vorbildlich hervorgehoben.

Welche Angebote bietet die PPH Burgenland zur Schul-, Unterrichts- und Personalentwicklung an?
Novak: Zentrales Element der Unterstützung sind Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Lehrer:innen können aus einem umfangreichen Angebot gezielt die Fortbildungen auswählen, die für ihre Professionalität und die Entwicklung ihrer Schule am relevantesten sind. Zudem besteht die Möglichkeit, Fortbildungen speziell für die Bedürfnisse einzelner Schulen zu konzipieren und durchzuführen. Darüber hinaus stellen Hochschullehrgänge eine langfristige Investition in die Personalentwicklung dar, die Lehrkräfte in ihrer professionellen Entwicklung fördert und damit die Qualität der Schulentwicklung nachhaltig verbessert. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Schulentwicklungsberatung. Dabei kommen ausgebildete Schulentwicklungsberater in die Schulen und begleiten den Schulentwicklungsprozess. Im Rahmen dieses Beratungsprozesses coachen sie die Schulleitung und/oder eine eigens eingerichtete Steuergruppe, bereiten pädagogische Tage an den Schulen vor und moderieren diese.
Danke für das Gespräch.

Klaus Novak: Schulentwicklung im Aufwind

© PPH, Jens Krauss