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Gelebte Toleranz und gute Infrastruktur in Oberpullendorf
Serie Puindoaf-Fans
Schriftstellerin Jutta Treiber schätzt an ihrer Heimatstadt vor allem auch die Menschen.
Lieblingsplatz. Jutta Treiber hält sich gerne im Kino auf, das sie seit 1976 mit ihrer Familie betreibt, mittlerweile unter der Führung von Sohn Oliver als Pop Up-Kino und Kulturstätte.
© Michaela Grabner
Jutta Treibers Beziehung zu Oberpullendorf wird wesentlich mitbeeinflußt durch die Begegnungen mit Menschen, die hier leben. „In Oberpullendorf gibt es absolute Freiheit. Es gibt keine sozialen Zwänge wie in einem kleinen Dorf. Man kann tun, und lassen was man will, niemand schaut einen deshab blöd an" attestiert Treiber den Oberpullendorferinnen und Oberpullendorfern ein besonderes Maß an Toleranz, das sie selbst sehr schhätzt.
Außerdem freut sie sich darüber, dass sie für ihre literarische Arbeit immer viel Anerkennung von den Menschen ihrer Heimatstadt bekommen hat und das seit im Jahr 1979 ihr erstes Buch „Ich will eine Geschichte schreiben“ herausgekommen ist. „Ich habe schon um die 300 Lesungen in Oberpullendorf gehalten und es sind immer Leute gekommen, die Oberpullendorferinnen und Oberpullendorfer sind ein treues Publikum“. betont Treiber. Wiewohl sie überhaupt ortet, dass das kulturelle Leben in Oberpullendorf einen besonderen Pulspunkt der Stadt darstellt. „Hier möchte ich das Engagment von Kulturstadträtin Eva Maria Kneisz erwähnen, die sich sehr einsetzt, dass alles klappt und viel Program gemacht wird“, meint Treiber. Positiv aufgefallen ist ihr in letzter Zeit auch die Arbeit des engagierten Bibliotheksteams und des Vereins BLOP!, der viel mache um die Stadt zu beleben.
Diese zeichnet sich aus Treibers Sicht generell durch eine gute Infrastruktur aus. „Man kann Amtswege einfach erledigen, wahrscheinlich sogar leichter als in Wien. Wir haben alles auf kleinstem Raum da. Und wir haben tolle Schulen, eine gute ärztliche Versorgung und das Spital wird auch ausgebaut“, freut sich Treiber, die wie sie sagt im Grunde schon ihr ganzes Leben in Oberpullendorf gelebt hat. Einzige Ausnahme waren die acht Jahre im Internat in der Zeit, als sie das Gymnasium in Eisenstadt besucht hat, sowie die Studienzeit in Wien.
Doch seit 1972, damals begann Treiber ihre Lehrtätigkeit am Gymnasium Oberpullendorf, lebt die Schriftstellerin wieder durchgehend in ihrer Heimatstadt. Hier hat sie mit ihrer Familie auch lange Jahre das Kino betrieben und tut dies in reduzierter Form – ohne regelmäßigen Spielbetrieb – bis heute. „In hochzeiten haben wir rund 2000 Kinovorstellungen pro Jahr gegeben“, erinnert sich Treiber. Zeit, um sich in Vereinen zu engagieren blieb bei sechs Spieltagen im Kino von Dienstag bis Sonntag, der Unterrichtstätigkeit von Montag bis Samstag, der Familie, dem Schreiben und den Volkshochschul-Kursen, die sie in Jazz-Dance gegeben hat, keine mehr.
Was Treiber ein wenig traurig macht, ist, dass man ihrer Meinung nach viele Chancen versäumt hat. „Es wäre toll gewesen, wenn die Gemeinde das Kastell Rohonczy gekauft und etwas daraus gemacht hätte wie ein Kulturzentrum. Jetzt ist es nicht mehr öffentlich zugänglich“, bedauert Treiber. Auch die alte Schmiede in der Augasse, aus der man eine tolle Schauschmiede hätte machen können oder die ehemalige Fabrik aus alten Ziegeln in Mitterpullendorf, wo heute die Rainer-Tankstelle steht, sind mittlerweile Geschichte. „Eigentlich hätte man aus allen diesen Dingen etwas machen können, aber das Thema war immer, dass alles Alte Schandflecken sind, die weggehören. Heute hätte man dort vielleicht Anziehungspunkte“, so Treiber, die es besonders schmerzt, dass auch der Steinbruch-Teich nicht im Besitz der Gemeinde und daher nicht mehr öffentlich zugänglich sind.
Auch die Sünden, die in vielen Städten begangen wurden, nämlich rundherum Einkaufszentren zu bauen, während die Innenstädte veröden, hätten vor Oberpullendorf nicht Halt gemacht. Dass der Bürgermeister und die Gemeinderäte auch keine Mieter herbeizaubern können, ist Treiber bewusst, dennoch wenn sie sich zum Jubiläum etwas wünschen darf, würde sie sich wünschen, dass die Hauptstraße wieder belebt wird, „denn sie ist doch das Aushängeschild der Stadt.“