Am Sonntag, 18. Oktober 2026, fand in Sieggraben ein spannender Infonachmittag für Kinder und Jugendliche statt.
„Unser Gschäft“: Ein Projekt, das das Dorf zusammenhält
Sozialer Treffpunkt
Der Verein „Unser Gschäft“ sichert in Hirm im ehemaligen Gasthaus Wiesinger nicht nur die Nahversorgung, sondern schafft auch einen wichtigen Treffpunkt für die Bevölkerung – getragen von Engagement, Freiwilligenarbeit und viel Herzblut.
Bei der Eröffnung im vergangenen Jahr konnten Vereinsobfrau Uschi Wallner (M.) und Bürgermeister Christian Wöhl (r.) neben vielen Hirmern auch SPÖ-Klubobmann Roland Fürst, Landesrätin Astrid Eisenkopf und LandtagsabgeordnetenThomas Hoffmann begrüßen.
© Richard Vogler
Was tun, wenn der Nahversorger im Ort fehlt und sich kein Pächter findet? In Hirm hat man darauf eine ebenso pragmatische wie nicht alltägliche Antwort gefunden: Man gründete kurzerhand einen Verein. Heute ist „Unser Gschäft“ weit mehr als ein Lebensmittelgeschäft – es ist ein sozialer Treffpunkt und ein Stück gelebte Dorfgemeinschaft.
Die Geschichte des heutigen Dorfzentrums reicht mehr als zehn Jahre zurück: Die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft erwarb das ehemalige Gasthaus Wiesinger und baute es zu einem zentralen Treffpunkt um. Die Gemeinde kaufte von der OSG den Dorfsaal und den Dorfladen – also quasi das Erdgeschoß mit der sich dahinter befindlichen Arztordination von der OSG zurück.
2014 öffnete dort die erste Greißlerei, später folgte 2018 „Mary“s Dorfladen“, wobei sich die Pächterin 2023 in den Ruhestand verabschiedete. Trotz intensiver Bemühungen der Gemeinde blieben Pächtersuche und Nachfolge zunächst erfolglos.
Die Idee für „Unser Gschäft“ entstand somit eigentlich aus der Not heraus, wie Obfrau Uschi Wallner erzählt. „Dann sind wir zusammengesessen und haben verschiedene Ideen gesponnen“, erinnert sich Wallner. Der Vereinsgedanke setzte sich schließlich durch – auch wenn die Umsetzung alles andere als einfach war. Denn obwohl es sich formal um einen Verein handelt, wird er wie ein gewerblicher Betrieb geführt, inklusive Gastronomie und Lebensmittelhandel.
Das Gebäude beherbergt heute einen multifunktionalen Treffpunkt: Nahversorger, Café, Poststelle sowie Lotto- und Toto-Annahmestelle unter einem Dach. Für Bürgermeister Christian Wöhl ist das ein entscheidender Gewinn für die Gemeinde: „Wir haben mit diesem Verein eine Struktur geschaffen, die funktioniert.“
© Richard Vogler
Aus der Taufe gehoben wurde „Mein Gschäft“ im Februar vergangenen Jahres. Der Start des Projektes gestaltete sich in finanzieller Hinsicht nicht gerade einfach, erhoffte Förderungen wurden nicht gewährt. „Für die Wirtschaftsagentur Burgenland waren wir zu ,gemeindenah' und für das EU-Projekt ,ELGA' waren wir dann wiederum zu ,gemeindefern'. Mit diesen Geldern hatten wir ursprünglich gerechnet“, so Wallner.
Rund 200 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile – bei etwa 1.100 Einwohnern in Hirm eine beachtliche Quote. Finanziert wird der Betrieb über Einnahmen und Mitgliedsbeiträge. Die Gemeinde hat zudem die Startfinanzierung übernommen und rund 35.000 Euro in das Projekt investiert. Eine Miete an die Gemeinde muss der Verein nicht bezahlen.
Das Herzstück des Erfolgs sind jedoch die Menschen dahinter. Neben zwei angestellten Mitarbeiterinnen sorgen zahlreiche Freiwillige dafür, dass der Betrieb läuft. „Es ist jeden Tag jemand freiwillig im Dienst, sonst würden wir das alles nicht schaffen“, betont Wallner. „Als Obfrau-Stellvertreterin fungiert Melita Kremsner, weites ist im Verein dabei ist Barbara Brandner-Wöhl und Sandra Puntigam. Unser ,Finanzmanager' ist David Moser. Da haben wir Glück, dass er dabei ist. David ist Controller“, führt Wallner weiter aus.
Während die Gastronomie gut läuft, bleibt der Lebensmittelhandel wirtschaftlich eine Herausforderung – doch der Mehrwert für die Bevölkerung steht im Vordergrund.
Eine treibende Kraft hinter dem Projekt ist Wallner selbst – und das passt zu ihrem Wesen. Die Schuldirektorin bezeichnet sich mit einem Augenzwinkern als „klassischen Vereinsmeier“. Neben ihrer Funktion als Obfrau von „Unser Gschäft“ ist sie unter anderem Gemeindevorständin, SPÖ-Frauenvorsitzende, Obfrau der Kinderfreunde-Ortsgruppe und im Vorstand des ASKÖ Hirm aktiv. „Fad wird“s mir nicht“, sagt sie – im Gegenteil: Ihr Engagement entspringt der Überzeugung, dass Gemeinschaft gepflegt werden muss.
Gerade dieser soziale Aspekt war für Wallner auch entscheidend, die Verantwortung im Verein zu übernehmen. Aufgewachsen in einer Gastronomiefamilie – ihr Vater war Geschäftsführer des Seerestaurants in Neufeld – bringt sie nicht nur Organisationstalent, sondern auch Erfahrung mit. „Mir ist das soziale Miteinander in Hirm ganz wichtig“, betont sie. Der Dorfcharakter solle erhalten bleiben – ein Ort, an dem man sich kennt, sich austauscht und gegenseitig unterstützt.
Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt sich im Alltag. Im Café haben sich längst Stammrunden etabliert, regelmäßig kommen auch Gäste von außerhalb. „Es ist gemütlich, und man trifft immer jemanden zum Reden“, bestätigt Bürgermeister Wöhl. Nebenbei wurden auch drei Arbeitsplätze geschaffen.
Bei den Produkten setzt „Unser Gschäft“ möglichst auf Regionalität: Fleisch aus Zemendorf, Obst und Gemüse aus Sigleß, Gebäck aus Eisenstadt. Diese bewusste Auswahl unterstreicht den lokalen Charakter des Projekts.
„Unser Gschäft“ ist damit nicht nur ein Versorger, sondern ein Symbol für Zusammenhalt und Eigeninitiative im ländlichen Raum. Ein Modell, das zeigt: Wenn klassische Lösungen nicht greifen, können neue Wege entstehen – getragen von einer Gemeinschaft, die zusammenhält.
Montag bis Freitag 5.30 bis 11 Uhr
Mittwoch und Freitag 16 bis 19 Uhr Samstag 6.30 bis 10.30 Uhr
Montag bis Freitag 5.30 bis 11 Uhr
Mittwoch und Freitag 16 bis 19 Uhr
Samstag 6.30 bis 10.30 Uhr