Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
Agri-PV-Kraftwerk in Parndorf nutzt Sonne, Wind und Landwirtschaft
Spatenstich
In Parndorf entsteht eine Photovoltaikanlage, die gleichzeitig landwirtschaftlich genutzt wird und an einen bestehenden Windpark angebunden ist: ein sogenanntes Agri-PV-Hybridkraftwerk. Das Gemeinschaftsprojekt von oekostrom AG, Green Planet Energy eG und den Stadtwerken Hartberg soll ab Jänner 2026 rund 6.320 Haushalte mit regional erzeugtem Strom versorgen. Ein Batteriespeicher wird die Anlage ergänzen, um Energie auch bei schwankender Erzeugung bereitzustellen.
Am Donnerstag wurde mit einem Spatenstich der Baustart für ein innovatives Energieprojekt gefeiert.
© Birgit Böhm-Ritter
Sonne und Wind als Standortvorteil
Am Tag des Spatenstichs zeigte sich Parndorf von seiner energiepolitischen Schokoladenseite: Der Wind wehte kräftig, die Sonne schien ungehindert. „Die idealen Wetterbedingungen sind auch einer der Gründe, warum wir zu den ersten Gemeinden gehörten, in denen große Windparks entstanden sind“, sagte Bürgermeister Wolfgang Kovacs. Wie viele Windräder mittlerweile auf dem Gemeindegebiet stehen, könne er nicht mehr genau sagen – „es sind jedenfalls sehr viele“, fügte er schmunzelnd hinzu. In den vergangenen Jahren seien zunehmend Photovoltaikanlagen errichtet worden, oft in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Windkraftanlagen.

© Birgit Böhm-Ritter
Das neue Agri-Photovoltaik-Projekt folgt diesem Muster: Die PV-Module werden auf Flächen installiert, die weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden können. Zwischen den Modulen übernehmen Schafe künftig die Pflege der Grünflächen – ein Ansatz, der die Biodiversität fördert.
Hybridkraftwerk mit Speicher
Die Anlage in Parndorf wird über eine Leistung von 17 Megawattpeak (MWp) verfügen und ab Jänner 2026 Strom für rund 6.320 Haushalte liefern. Sie kombiniert Photovoltaik, landwirtschaftliche Nutzung und einen Batteriespeicher, der überschüssige Energie speichert und bei Bedarf ins Netz einspeist.

© Birgit Böhm-Ritter
„Heute haben wir beides, Sonne und Wind“, sagte Jan Häupler, Vorstandsmitglied der oekostrom AG. „Manchmal wird die Sonne auch scheinen, wenn kein Wind geht. Dann können wir trotzdem Energie produzieren. Wenn dann noch der Batteriespeicher dazukommt, können wir auch überschüssigen Strom einspeichern.“
Auch Christoph Grosssteiner, Geschäftsführer der oekostrom Produktions GmbH, verwies auf die Vorteile des Hybridansatzes: Wind- und Solarstrom ergänzten sich gut im Tages- und Jahresverlauf.
Julian Tiencken vom Hamburger Partnerunternehmen Green Planet Projects hob die besondere Bauart der Photovoltaikmodule hervor, die sich nach der Sonne richten: „Das ermöglicht, dass das Erzeugungsprofil optimiert wird und besser zum Verbrauch passt. Das ist insbesondere in Zeiten zunehmender negativer Strompreise durch Solarspitzen wichtig. Wegweisend ist auch die Überbauung des bestehenden Netzanschlusspunktes, mit der wir Synergieeffekte nutzen und Kosten sparen. Diesen Pragmatismus wünschen wir uns auch in Deutschland.“
Gemeinsames Ziel: Energiewende mit Mehrfachnutzung

© Birgit Böhm-Ritter
Das Projekt wird von der oekostrom AG, der deutschen Energiegenossenschaft Green Planet Energy eG und den Stadtwerken Hartberg umgesetzt. Die PV-Anlage wird direkt an den benachbarten Windpark Parndorf angebunden, um vorhandene Infrastruktur mitzunutzen.
Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sprach in einer Aussendung von einem weiteren Schritt, um das Burgenland als Vorzeigeregion für erneuerbare Energien zu positionieren. Landesrätin Daniela Winkler, die den Landeshauptmann vor Ort vertrat, betonte, dass das Land bereits 70 Prozent seines Energiebedarfs aus eigener Erzeugung decken könne und bis 2030 klimaneutral werden wolle.
Fossile Energiequellen sind begrenzt
„Gas und Öl gibt es nicht ewig, Strom wird immer mehr benötigt. Ich denke, wir sind als Gemeinde Parndorf gut unterwegs. Mein Dank gilt all jenen, mit denen wir diese Projekte umsetzen dürfen“, betonte Bürgermeister Kovacs die Bedeutung von Erneuerbarer Energie.
„Gerade bei einem Pionierprojekt wie diesem braucht es starke Partner und eine enge Abstimmung auf allen Ebenen, von der Gemeinde über die Technik bis zur Landwirtschaft. Die gute Zusammenarbeit hier in Parndorf zeigt, wie viel möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, schlägt Peter Kuntner, Projektentwickler PV bei der oekostrom AG, in die gleiche Kerbe.
Die oekostrom AG, 1999 aus der Anti-Atom- und Klimaschutzbewegung heraus gegründet, ist heute die größte unabhängige Energiedienstleisterin Österreichs. Sie versorgt nach eigenen Angaben 120.000 Kundinnen und Kunden mit jährlich rund 200 Gigawattstunden Strom aus erneuerbaren Quellen.