Klinik Güssing schreibt mit OP-Premiere Geschichte

Spitzenmedizin

Ein medizinischer Eingriff mit Seltenheitswert. Erstmals im Burgenland wurden in der Klinik Güssing beide Kreuzbänder einer Patientin in einer einzigen Operation ersetzt.

Von Bertie Unger

Premiere für das Burgenland: Einer jungen Frau wurden nach einem Skiunfall die Kreuzbänder beider Knie gleichzeitig operiert.

Premiere für das Burgenland: Einer jungen Frau wurden nach einem Skiunfall die Kreuzbänder beider Knie gleichzeitig operiert.

© GB

Eine medizinische Premiere ist Anfang Jänner in der Klinik Güssing gelungen: Einer jungen Frau wurden nach einem schweren Skiunfall beide vorderen Kreuzbänder gleichzeitig operiert. Der Eingriff wurde von der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie durchgeführt und ist österreichweit nur in Einzelfällen dokumentiert, international gilt er als selten.

Die Patientin hatte sich am Dreikönigstag schwer verletzt. Die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes und Meniskusriss am rechten Knie sowie ein Riss des vorderen Kreuzbandes und eine Seitenbandverletzung am linken Knie. „Diese Kombination beidseitiger Knieverletzungen ist extrem selten und tritt statistisch in Österreich lediglich rund 30-mal im Jahr auf“, betont Oberarzt Otmar Leithgöb, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie sowie Facharzt für Orthopädie und Traumatologie in der Klinik Güssing.

Aufgrund des jungen Alters und des sportlichen Anspruchs der Patientin entschied sich das interdisziplinäre Team für eine simultane beidseitige Kreuzbandoperation. Üblicherweise werden solche Verletzungen einzeln operiert. „Im vorliegenden Fall waren jedoch beide Kniegelenke schwer geschädigt, wodurch dieser Vorteil nicht gegeben war“, erklärt Leithgöb.

Ein wesentlicher Faktor für diese Entscheidung war die Dauer der Rehabilitation. Da die Erholungszeit pro Knie mindestens neun Monate beträgt, hätte eine gestaffelte Operation bedeutet, dass das zweite Knie frühestens im Herbst 2026 hätte operiert werden können. Die vollständige sportliche Belastbarkeit wäre damit erst im Herbst 2027 erreicht worden – ein Sportverzicht von nahezu zwei Jahren.

Durch die gleichzeitige Operation beider Knie konnte die Belastung für die Patientin deutlich reduziert werden. Zu den Vorteilen zählten eine einmalige Narkose, eine gemeinsame Nachbehandlungsphase und eine deutlich verkürzte Rekonvaleszenz. Die sportlichen Aktivitäten können nun voraussichtlich innerhalb von rund neun Monaten wieder aufgenommen werden. Um die ohnehin stark verletzten Knie nicht zusätzlich zu belasten, wurden Spendersehnen verwendet. Die gesamte Operation dauerte 83 Minuten.

Die Patientin zeigte sich nach dem Eingriff optimistisch: „Es ist mein Ziel, beim Skiopening 2027 in Schladming, genau ein Jahr nach meiner Verletzung, wieder aktiv die Pisten bewältigen zu können.“

„Diese Premiere in Güssing ist mehr als ein medizinischer Erfolg. Sie zeigt, dass unsere Gesundheitsoffensive wirkt und wir das Angebot Schritt für Schritt in allen Landesteilen ausbauen“, wurde der Eingriff auch von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gewürdigt.

Die orthopädische Chirurgie selbst zählt in der Klinik Güssing zu den stärksten Bereichen: In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Hüft- und Knieoperationen um 42 Prozent gestiegen. Von Jänner bis Anfang Dezember 2025 wurden rund 780 Eingriffe durchgeführt.