Sport Austria: Lästig konstruktiv
Niessl-Zwischenbilanz
Burgenlands Alt-Landeshauptmann Hans Niessl zog als Präsident von Sport Austria, mittlerweile ist er seit 2019 im Amt, eine Zwischenbilanz seiner bisherigen Laufzeit. Erreicht wurde einiges, ausruhen will sich der 71-jährige Burgenländer darauf aber nicht – dieser Kampfgeist zeichnet ihn aus.
Sport Austria-Präsident Hans Niessl will weiter dranbleiben – für den Sport in Österreich.
© Leo Hagen
Am 8. November 2019 beerbte Hans Niessl den Ende August verstorbenen Rudolf Hundstorfer als Präsident von Sport Austria, dem Dach des organisierten Sports in Österreich. Im Jänner 2023 hat der Alt-Landeshauptmann mehr als die Hälfte seiner (ersten) fünfjährigen Amtszeit hinter sich. Trotz aller Schwierigkeiten in Bezug auf Covid oder die Teuerung hebt Niessl bei der Zwischenbilanz vor allem die sportpolitische Bewegung hervor, die derzeit spürbar ist. Parallel blickt er auf eine „überaus intensive Zeit“ zurück. Von Beginn weg benötigte die im März 2020 aufgekommene Corona-Pandemie eine starke Fürsprache des Sports. Niessl trat hier stellvertretend in die erste Reihe und blickt auf 165,6 erreichte Millionen Euro aus dem NPO-Fonds sowie 72 Millionen Euro aus dem Sportligenfonds zurück.
Zudem wurde 2022 seitens der Bundesregierung die Anhebung der Besonderen Sportförderung von 80 auf 120 Millionen Euro verkündet. Niessl: „Diese deutliche – gemeinsam mit den Dach- und Fachverbänden – erreichte Erhöhung federt einerseits den Inflationsverlust der vergangenen elf Jahre ab und bietet dem Sport andererseits die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln.“ Auch die erstmalige Erhöhung der 2009 eingeführten Pauschalen Reiseaufwandsentschädigung (PRAE) von 540 auf 720 Euro pro Monat sei für Niessl eine „Investition, die Österreichs Sport Kraft gibt“. Dass die „Tägliche Bewegungseinheit“, die im Burgenland bereits gut etabliert ist, ab Herbst in Pilotregionen aller Bundesländer weiter umgesetzt wird, sieht der ehemalige Sportreferent des Landes Burgenland ebenfalls positiv.
Ziel: Vom Sportland zur Sportnation
Dies alles sei auch der guten Zusammenarbeit mit den politischen Entscheidungsträgern geschuldet, ließ Niessl wissen. Um im selben Atemzug aber auch schon vorwärts zu denken: „Damit aber aus dem Sportland Österreich tatsächlich einmal eine Sportnation wird, bleibt freilich noch viel zu tun. Das beginnt bei der Verbesserung der Sportinfrastruktur, geht weiter über ein Berufssportgesetz und endet erst dann, wenn sämtliche staatlichen Institutionen und der Großteil der Bevölkerung Sport als das begreift, was er ist: ein Wirtschaftsfaktor (Anm.: 24 Milliarden Euro Wertschöpfung jährlich) und ein Gesundheitsmotor (Anm.: 530 Millionen Euro Ersparnis pro Jahr) – oder anders gesagt: eine große Chance für das gesamte Land.“
Um diesen Zugang zu intensivieren, gebe es, wie Niessl augenzwinkernd hinzufügt, „ja noch zwei weitere Jahre Zeit …“
Aktuell ist aber wieder einmal „Erste Hilfe“ im Sport angesagt. Stichwort Teuerung und Energiekosten, in deren Rahmen die Interessensvertretung Sport Austria wieder als Krisenfeuerwehr gefragt ist, wie Niessl abschließend klarstellt: „Dass auch der Sport auf Energieeffizienz achten muss, steht außer Frage. Aber hier muss zum Jahresanfang rasch etwas geschehen und von der Regierung bereits Angekündigtes in die Umsetzung kommen. Aus dem Gemeindepaket und vom Sportministerium soll es ja Unterstützungen geben. Wie diese Hilfen in der Praxis abgewickelt werden sollen, steht allerdings noch immer nicht fest. Ankündigungen allein helfen nichts. Die Unterstützung muss bei den gemeinnützigen Vereinen endlich ankommen.“