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Vapes, Alkohol, Cannabis: Wie Jugendliche im Burgenland konsumieren
Substanzkonsum
Im Weinwerk in Neusiedl am See stand kürzlich ein Thema im Mittelpunkt, das viele Familien beschäftigt: der Substanzkonsum Jugendlicher. Beim Vortrag „Hinschauen, Verstehen, Begleiten“ erläuterten Fachleute der Fachstelle Suchtprävention Burgenland, welche Stoffe Jugendliche konsumieren, wie sich Konsummuster verändern und warum frühe Gespräche entscheidend sein können. Gleichzeitig rückte der Abend Risiken in den Fokus – von neuen Nikotinprodukten bis zur gefährlichen Kombination verschiedener Substanzen.
Psychotherapeut Jakob Fekete, Robert Karolyi (Kiwanis), Verena Fischbach, Dušanka Weber-Goranović und Eva Schefberger-Knoll (alle Soziale Dienste Burgenland), Marion Gröller (Polizei) und Walter Goldenits (Kiwanis).
© Birgit Böhm-Ritter
Nikotin und Alkohol bleiben die am häufigsten konsumierten Substanzen unter Jugendlichen im Burgenland. Gleichzeitig berichten Fachleute von neuen Konsumformen, einer wachsenden Zahl verfügbarer Stoffe und größerer Unsicherheit darüber, was Jugendliche tatsächlich konsumieren. Ein zentrales Anliegen des Abends: Prävention beginnt lange vor dem ersten Kontakt mit Alkohol, Nikotin oder anderen psychoaktiven Substanzen.
Zwischen Neugier und Risiko
„Substanzkonsum im Jugendalter ist ein Thema, das sehr viele Eltern einfach beschäftigt“, sagte Verena Fischbach von der Fachstelle Suchtprävention Burgenland zu Beginn des Vortrags „Hinschauen, Verstehen, Begleiten“. Die Jugend sei eine Phase des Ausprobierens, der Abgrenzung und der Identitätsfindung. Jugendliche wollten Grenzen austesten, eigene Entscheidungen treffen und herausfinden: „wer bin ich, was sind meine Werte“.

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In diesem Entwicklungsprozess könnten Substanzen eine Rolle spielen, müssten es aber nicht. Die Aufgabe von Eltern und anderen Bezugspersonen bestehe laut Fischbach darin, Jugendlichen Freiräume zuzugestehen und gleichzeitig in Beziehung zu bleiben: „dass man im Gespräch bleibt, dass man sich für die Kinder interessiert für ihre Lebenswelt“.
Warum sich der Vortrag vor allem an Erwachsene richtete, erklärte Psychotherapeut Jakob Fekete mit einem präventiven Ansatz. Erwachsene müssten Hintergründe kennen, Risiken einschätzen und Konsummotive verstehen. Jugendlichen würden solche Detailinformationen bewusst nicht in gleicher Form vermittelt. Präventionsprogramme konzentrierten sich stattdessen auf Lebenskompetenzen, Selbstwert und Persönlichkeitsentwicklung.

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Fischbach erinnerte daran, dass sich die Suchtprävention in den vergangenen Jahren verändert habe. Abschreckung und reine Wissensvermittlung hätten sich als wenig wirksam erwiesen. „Informationen alleine reichen nicht“, sagte sie. Heute gehe es stärker darum, Kinder und Jugendliche früh in ihrer Persönlichkeit zu stärken.
Doch welche Rolle spielen konkrete Substanzen im Alltag junger Menschen tatsächlich?
Nikotin und Alkohol bleiben an der Spitze
Nach Angaben der Vortragenden bleiben Alkohol und Nikotin die am häufigsten konsumierten Substanzen Jugendlicher. Grundlage der präsentierten Zahlen ist die SBAT-Studie 2024, laut Vortrag die weltweit größte Schülerinnenbefragung zu Konsum und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial. Dafür wurden Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 17 Jahren in mehr als 40 europäischen Ländern befragt. Im Vortrag kamen burgenländische Auswertungen zur Sprache.
Beim Nikotinkonsum zeigten die präsentierten Daten laut Fachstelle, dass burgenländische Jugendliche geringfügig unter dem Österreichschnitt liegen. Besonders verbreitet seien E-Zigaretten, oft als „Vapes“ bezeichnet. Fast die Hälfte der befragten Jugendlichen habe angegeben, diese zumindest einmal ausprobiert zu haben. Dahinter folgen klassische Zigaretten und Nikotinbeutel.

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Fekete verwies darauf, dass sich Konsummuster verändert hätten. Nikotinbeutel oder Vapes ermöglichten einen diskreteren Konsum als klassische Zigaretten. „Eine Zigarette in der Mathematikstunde anzuzünden ist schwierig“, sagte er. Bei Nikotinbeuteln sehe das anders aus.
Die bunten Designs, Geschmacksrichtungen und die Aufmachung vieler Produkte würden harmlos wirken. Fekete sprach von einer „Modeerscheinung“ und sagte über Vapes: „Das wirkt ja sehr harmlos.“

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Gerade bei Nikotinbeuteln wächst jedoch die Sorge vor gesundheitlichen Folgen. Die World Health Organization warnte jüngst vor einer rasch steigenden Verbreitung der Produkte unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Nach Angaben der Organisation stiegen die weltweiten Verkaufszahlen 2024 deutlich gegenüber dem Vorjahr. Die WHO verweist darauf, dass manche Produkte sehr hohe Nikotinkonzentrationen enthalten und Jugendliche besonders gefährden könnten, weil sich das Gehirn noch entwickelt. Eine hohe Konzentration könne die Entwicklung beeinträchtigen und spätere Abhängigkeiten begünstigen. Die Organisation fordert deshalb unter anderem Werbeverbote, Warnhinweise auf Verpackungen und strengere Kontrollen. In 16 Ländern, darunter Deutschland, ist der Verkauf verboten. In Österreich gilt bereits eine Altersgrenze: Nikotinbeutel dürfen nur an Personen über 18 Jahre verkauft werden.

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Im Vortrag wurde zudem darauf verwiesen, dass Nikotinbeutel unter Jugendlichen zunehmend sichtbar seien. Ergänzende Daten zufolge gaben in Österreich sechs Prozent der 15-Jährigen an, täglich Nikotinbeutel zu konsumieren.
Nikotinfreie Vapes bewertete Fekete dennoch kritisch. Einerseits enthielten sie laut Vortrag gesundheitsschädliche Stoffe, andererseits gewöhnten sie Jugendliche an Konsummuster, die dem Nikotinkonsum ähnelten.
Auch Alkohol bleibt eine zentrale Substanz. Laut den vorgestellten Daten konsumieren Jugendliche im Burgenland geringfügig häufiger Alkohol als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Bereits bei den 14- bis 15-Jährigen habe etwa die Hälfte angegeben, in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben. Auffällig sei laut Vortrag zudem, dass Mädchen häufiger Alkohol konsumierten als Burschen.

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Zu den Gründen sagte Fekete, Motive hätten sich kaum verändert: Gruppenzugehörigkeit, Neugier und Erfahrungen im Rahmen der Identitätsentwicklung spielten eine Rolle. „Natürlich ist das spannend herauszufinden“, sagte er mit Blick auf die Frage, wie sich eine Substanz auf das eigene Erleben auswirke.
Gerade beim Thema Alkohol und Medikamente machten die Vortragenden auf eine besondere Gefahr aufmerksam: den Mischkonsum. Vor allem Benzodiazepine – Beruhigungs- und Schlafmittel – könnten in Kombination mit Alkohol gefährlich werden, weil beide Substanzen ähnliche Wirkungen verstärken. Fekete erklärte, dass dadurch Atmung und Herz-Kreislauf-System stark gedrosselt werden könnten. Im Vortrag war von Atemdepression bis hin zum Atemstillstand die Rede. Laut einer präsentierten Statistik stünden 83 Prozent aller tödlichen Überdosierungen im Zusammenhang mit Benzodiazepinen und Mischkonsum.
Damit endet die Debatte jedoch nicht. Neben Alkohol und Nikotin wächst auch die Zahl weiterer Stoffe, mit denen Jugendliche in Berührung kommen können.
Mehr Substanzen, größere Unsicherheit
Obwohl Alkohol und Nikotin weiterhin dominieren, beschrieben die Vortragenden einen deutlichen Wandel: Die Zahl verfügbarer Substanzen sei gestiegen. Fekete sprach von einer zunehmenden Unübersichtlichkeit. „Es gibt viel mehr Substanzen“, sagte er. Selbst Fachleute müssten sich regelmäßig neu einarbeiten.
Diese Entwicklung erhöhe laut Vortrag das Risiko, weil Jugendliche oft nicht wüssten, womit sie tatsächlich konfrontiert seien. „Es macht einfach grundsätzlich ein Gefahrenpotenzial, wenn man nicht weiß, womit man es zu tun hat“, erklärte Fekete.
Neben klassischen illegalen Substanzen wie Cannabis, Kokain oder Ecstasy spielten auch Medikamente, Lachgas oder Schnüffelstoffe eine Rolle. Besonders Benzodiazepine – Beruhigungs- und Schlafmittel – thematisierte der Vortrag ausführlich. Diese Medikamente würden häufig ärztlich verschrieben und deshalb als weniger problematisch wahrgenommen.

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Laut den präsentierten Zahlen gaben zehn Prozent der befragten Jugendlichen an, Alkohol mit Medikamenten gemischt zu haben, „um high zu werden“. Elf Prozent berichteten von Erfahrungen mit Schnüffelstoffen, sechs Prozent mit Lachgas.
Auch bei anderen Stoffen erhöhten unbekannte Zusammensetzungen das Risiko. Besonders bei synthetischen Cannabinoiden oder Substanzen vom Schwarzmarkt sei oft unklar, welche Wirkstoffe enthalten seien und wie hoch diese dosiert wären. Problematisch sei laut Fekete vor allem die fehlende Kontrolle über Dosierung und Inhaltsstoffe. Für 16- bis 17-jährige Schülerinnen und Schüler zeigten die präsentierten Daten, dass 22 Prozent bereits Cannabis ausprobiert hätten.
Doch nicht jeder Erstkontakt bedeutet automatisch ein Problem – genau an diesem Punkt setzte der Vortrag besonders deutlich an.
Frühes Gespräch statt schneller Strafe
Ausprobieren bedeute nicht automatisch Sucht oder problematisches Verhalten. „Absolut nicht“, sagte Fekete auf die Frage, ob ein Erstkonsum bereits ein Warnsignal sei. Vielmehr verlaufe Konsum auf einem Kontinuum – vom Nichtkonsum über experimentelles Verhalten bis hin zu riskantem oder abhängigem Konsum.
Wichtiger als einzelne Symptome sei das Gesamtbild. Unkonzentriertheit oder Opposition allein seien keine eindeutigen Hinweise. Entscheidend seien starke und schnelle Veränderungen sowie ein erkennbarer Leidensdruck. Eltern und andere Erziehungsberechtigte sollten „auf ihr Bauchgefühl hören“, ohne zu dramatisieren oder zu verharmlosen.
Prävention beginne im Alltag, lautete eine weitere Botschaft des Abends. Gespräche, Vorbilder und klare Grenzen spielten eine zentrale Rolle. Erwachsene müssten Haltung zeigen und gleichzeitig im Kontakt bleiben. „Es geht in erster Linie ums Hinschauen und Versuchen, es zu verstehen“, sagte Fekete. Statt vorschneller Strafen brauche es Begleitung, Gespräche und nachvollziehbare Konsequenzen.
Früher Konsum erhöht Abhängigkeitsrisiko
Ein weiterer Punkt zog sich wie ein roter Faden durch den Vortrag: der Zeitpunkt des Erstkonsums. Fekete betonte, dass frühes Konsumverhalten das Risiko einer späteren Abhängigkeit erhöhe. Je früher Jugendliche mit Nikotin, Alkohol oder anderen psychoaktiven Substanzen beginnen, desto schwieriger werde es häufig, langfristig wieder damit aufzuhören.
Gerade deshalb setze moderne Suchtprävention früh an. Bereits in der Kindheit gehe es darum, Lebenskompetenzen, Selbstwertgefühl und einen sicheren Umgang mit Belastungen zu stärken. Ziel sei es, günstige Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung zu schaffen – lange bevor Jugendliche erstmals mit Alkohol, Nikotin oder anderen Substanzen in Berührung kommen.

© Gymnasium Neusiedl
Der Vortrag selbst war Teil eines größeren Präventionsprojekts des Kiwanis Club Neusiedl am See, das kürzlich bei der Kiwanis District Convention in Baden mit dem ersten Preis als bestes Charity-Projekt Österreichs ausgezeichnet wurde. Die Initiative verbindet eine Vortragsreihe gemeinsam mit Polizei und den Sozialen Diensten Burgenland mit dem Musicalprojekt „Q-RAGE“, das gemeinsam mit dem Gymnasium Neusiedl am See umgesetzt wurde. Im Mittelpunkt stehen laut Projektbeschreibung die Lebensrealitäten junger Menschen – Themen wie Gruppendruck, psychische Belastungen, soziale Medien und Suchtprävention sollen offen und kreativ aufgegriffen werden.