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„Der Radtourismus boomt und ein Ende ist nicht zu erwarten“
Talk der Woche
Der Radtourismus im Burgenland wächst weiter und mit ihm auch die Erwartungen. Welche Rolle die Burgenland Trails dabei spielen, wie stark sie die Region wirtschaftlich tragen und wohin sich das Angebot entwickeln soll, darüber spricht Ex-Golfprofi Uli Weinhandl. Der Oberwarter ist seit dem Vorjahr für die Burgenland Trails verantwortlich.
Ex-Golfprofi Uli Weinhandl (re.) wurde im Vorjahr von Didi Tunkel aus dem „Tourismus-Hut“ gezaubert. Seitdem managt der Oberwarter die Burgenland Trails sehr erfolgreich.
© Tourismusverband Burgenland
BVZ: Am Wochenende wurde angeradelt – ist das ein Pflichttermin wie viele andere oder kribbelt es besonders?
Uli Weinhandl: Da ich zum ersten Mal als Verantwortlicher das Losradeln auf den Burgenland Trails organisieren durfte, kribbelte es natürlich schon ein wenig. Die wochenlange Vorbereitung mit all ihren Facetten war zum Teil herausfordernd.
BVZ: Welchen Stellenwert hat das Radfahren im Burgenland ganz allgemein?
Uli Weinhandl: Der allgemeine Radfahr-Tourismus boomt in den letzten Jahren im Burgenland und ein Ende ist nicht zu erwarten. Die Gäste lieben die sanfte Hügellandschaft im Süden und die Weite, speziell rund um den Neusiedlersee, die zum Genussradeln einladen. Auf insgesamt 3.300 Kilometern Radwege finden sportliche Rennradfahrer, Gravelbiker aber auch Genussradler ihre Lieblingsrouten.
BVZ: Die Burgenland Trails haben sich einen guten Namen gemacht – Sie tragen seit einem dreiviertel Jahr die Verantwortung. Wurden Ihre Erwartungen erfüllt?
Uli Weinhandl: Das stimmt, die Burgenland Trails sind bei unseren Gästen sehr beliebt und jeder, der schon mal hier gewesen ist, wird das bestätigen. Natürlich ist das Ziel immer mehr Gäste zu uns zu bringen und dadurch die Wertschöpfung zu steigern – dafür bin ich auch angestellt worden. Die Trails zeichnen sich dadurch aus, dass wir wirklich für Jedermann die passende Strecke haben, seien es Kinder, absolute Mountainbike-Anfänger oder wilde Endurobiker, die sich die schwierigeren Strecken waghalsig runterstürzen – bei uns findet jeder seine Lieblingsstrecke auf dem 40 Kilometer langen Trail-Netz.
BVZ: Viele kommen zum Biken – aber bleiben sie auch in der Region und kurbeln die heimische Wirtschaft an? Oder fahren die meisten nach ein paar Stunden wieder heim?
Uli Weinhandl: Sowohl als auch. Natürlich sind die meisten Biker Tagesgäste, aber die Camper+Mountainbiking Community wächst in den letzten Jahren stetig und in Rechnitz entsteht gerade ein Leuchtturmprojekt am Badestausee. Auch die Gemeinde Lockenhaus zieht nach und plant einen Campingplatz . Die vielen Betriebe in der Region Südburgenland setzen voll auf den Radtourismus und haben entsprechende Angebote anzubieten. Die Gemeinde Rechnitz konnte sich mit den zahlreichen Kellerstöckln und dem einen oder anderen Privatzimmervermieter über sensationelle Buchungssteigerungszahlen in den letzten Jahren freuen. Nach einem langen Tag auf den Trails hat man natürlich Hunger und Durst, der hoffentlich in den Gastrobetrieben der Region gestillt werden sollte.
BVZ: Wie schwer ist es dabei, alle unter einen Hut zu bringen – Gemeinden, Gastronomie, Tourismus?
Uli Weinhandl: Nachdem wir alle das gleiche Ziel verfolgen und alle immer ihr Bestes geben, bin ich überzeugt, dass es noch einige Kapitel in der Erfolgsgeschichte der Burgenland Trails zu schreiben geben wird. Wenn wir alle am gleichen Strang ziehen, haben alle Beteiligten den besten Output.
BVZ: Was sind denn die Burgenland Trail-Highlights im heurigen Jahr und auf welche Gästegruppe zielen die ab?
Uli Weinhandl: Wir hatten als inoffiziellen Saisonstart das sehr beliebte Losradeln am vergangenen Wochenende. Inoffiziell deshalb, weil wir bei normalem Winter die Trails das ganze Jahr geöffnet haben. Als weitere Highlights sind ein Sommerfest, ein Frauen Empower Weekend (Yoga + Bike), das Winteropening und ein Kinder- und Jugendevent geplant. Wir wollen alle Gästegruppen ansprechen und speziell jene, die sich bis jetzt noch nicht getraut haben, die Trails auszuprobieren
BVZ: Mountainbikestrecken gibt es viele. Wenn man von Qualität spricht – was heißt das konkret, was fehlt noch und welchen Stellenwert haben die Burgenland Trails?
Uli Weinhandl: Wir wollen klarmachen, dass wir KEIN Bikepark sind, wo man als Adrenalinjunkie seine Freude hat. Mit diesen Parks können und wollen wir uns nicht vergleichen. Unsere Trails bestechen durch ihre vielen verschiedenen Schwierigkeitsgrade (blau, rot und schwarz), durch den Flow in den man sich in seinem eigenen Tempo radelt und durch die angenehme Ruhe und Entspannung, für die das Südburgenland generell bekannt ist. Aber auch die „jungen Wilden“ werden auf dem „Action Corner“ und dem „Rechnitz Trail“ ihre Freude haben und mit genügend Airtime belohnt.
BVZ: Sie waren früher Golfprofi – fehlt Ihnen das manchmal oder sind Sie jetzt komplett im Bike-Modus angekommen?
Uli Weinhandl: Ich habe 27 Jahre lang das Glück gehabt, mein größtes Hobby als Beruf ausüben zu dürfen. Jetzt darf ich versuchen meine Erfahrungen und meine Expertise bei meinem ehemalig zweitgrößten Hobby – mittlerweile ist es auf Platz Eins – einzubringen. Der Golfsport geht mir nur selten ab, aber dadurch, dass sich über 30 Jahre lang tagein und tagaus bei mir alles um Golf gedreht hat, sind viele Verbindungen und Freundschaften geblieben.
© zVg/Uli Weinhandl
BVZ: Hand aufs Herz: Was reizt Sie persönlich mehr: ein perfekter Golfschlag oder eine perfekte Trail-Linie?
Uli Weinhandl: Beides gibt ein unglaublich gutes Gefühl und ist wahrscheinlich der Reiz in beiden Sportarten. Das Endorphin, das durch die Adern strömt, hat Potenzial, süchtig zu machen.
BVZ: Wo soll der Radtourismus in drei bis fünf Jahren stehen und was muss bis dahin passieren, damit das auch kein Wunsch bleibt?
Uli Weinhandl: Wie schon vorhin gesagt: der Radtourismus ist gekommen, um zu bleiben. Eine kleine Sparte davon ist das Mountainbiken. Ich bin davon überzeugt, dass in den nächsten Jahren immer mehr Menschen den Weg in die Wälder finden und das Mountainbiken für sich entdecken. Dabei geht es gar nicht so sehr um die schnellste Zeit, die beste Linie oder den weitesten Sprung, den man geschafft hat, sondern viel mehr um die Ruhe, die frische und saubere Luft und die Entspannung, die man in unseren herrlichen Wäldern findet.