Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
„Herz am Herd“: Csencsits kochte in Neusiedl am See auf
Team Österreich Tafel
Der Duft von Erdäpfelgulasch zog am Samstag über das Gelände der Rotkreuz-Bezirksstelle in Neusiedl am See. Dort standen diesmal nicht Blaulicht und Einsatzfahrzeuge im Mittelpunkt, sondern dampfende Kochtöpfe und persönliche Begegnungen. Die Spitzenköche Melanie und Jürgen Csencsits kochten im Rahmen der Initiative „Herz am Herd“ für Menschen in schwierigen Lebenssituationen — und rückten damit zugleich die oft stille Arbeit der Team Österreich Tafel ins öffentliche Bewusstsein.
Gulasch aus der Feldküche. Haubenkoch Jürgen Csencsits, Bezirksstellenleiterin Gabriele Nabinger (Rotes Kreuz Neusiedl am See) mit Präsident Werner Krischka (Rotes Kreuz Burgenland)
© Birgit Böhm-Ritter
Vor der Ausgabestelle der Team Österreich Tafel herrschte bereits am Morgen reger Betrieb. Freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereiteten die Lebensmittelausgabe vor, während Jürgen Csencsits in großen Töpfen Erdäpfelgulasch kochten.
Hilfe Woche für Woche
„Wir sind hier direkt vor der Ausgabestelle in Neusiedl am See vor der Bezirksstelle des Roten Kreuzes. Hier wird bedürftigen Personen Woche für Woche mit ‚geretteten Lebensmittel‘ geholfen“, sagte Rotkreuz-Pressesprecher Manuel Komosny. Neben der Ausgabestelle in Neusiedl am See gibt es mit Frauenkirchen einen weiteren Standort im Bezirk. Im gesamten Burgenland betreibt die Team Österreich Tafel acht Ausgabestellen.

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Dass hinter der Ausgabe weit mehr steckt als das Verteilen von Lebensmitteln, betonte Rotkreuz-Präsident Werner Krischka. Viele Menschen würden das Rote Kreuz vor allem mit Rettungsdienst, Hauskrankenpflege oder Katastropheneinsätzen verbinden. Weniger bekannt sei oft die Team Österreich Tafel, die es bereits seit 16 Jahren gebe.
Freiwillige prüfen dort gespendete Lebensmittel und entscheiden, ob diese noch weitergegeben werden können. Gleichzeitig entstehen bei den regelmäßigen Ausgaben persönliche Gespräche und Beziehungen. „Sie sind nicht nur dazu da Lebensmittel auszugeben, sondern auch menschliche Wärme“, sagte Krischka. Nicht selten würden daraus Freundschaften entstehen.

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Wie groß die Unterstützung mittlerweile geworden ist, zeigen die Zahlen des Roten Kreuzes: Im vergangenen Jahr wurden im Burgenland an acht Standorten insgesamt 21.340 Kundinnen- und Kundenbesuche verzeichnet. 464 freiwillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisteten dafür 25.872 ehrenamtliche Stunden und verteilten 425.142 Kilogramm Lebensmittel.
Erdäpfelgulasch mit burgenländischer Note
Mitten im Geschehen stand Jürgen Csencsits aus Harmisch. Sein Gasthaus ist mit drei Hauben ausgezeichnet. „Meine Frau Melanie und ich waren gleich Feuer und Flamme, als wird gefragt wurden, ob wir mitmachen wollen“, sagte der Haubenkoch.

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Gekocht wurde dabei bewusst kein gewöhnliches Erdäpfelgulasch. Stattdessen brachten die beiden Spitzenköche ihre südburgenländische Handschrift ein. „Wir haben das Kartoffelgulasch etwas anders gemacht. Auf gut burgenländische Art, mit ‚a bisserl Kraut, Debreziner, Frankfurter und a bisserl Tarhonya‘“, erklärte Csencsits.

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Zwischen dampfenden Töpfen und Essensausgabe wurde an diesem Vormittag deutlich, worum es bei der Initiative geht: nicht nur um eine warme Mahlzeit, sondern auch um Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Jürgen Csencsits formulierte es so: „In der Gastronomie geht es darum, Gästen einen schönen Moment zu schenken. Dass wir heute für Menschen kochen dürfen, die es momentan nicht leicht haben, ist für uns eine Herzensangelegenheit. Ein warmes Essen kann manchmal mehr bewirken, als man glaubt.“

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Auch Emma Hess, Leiterin der Team Österreich Tafel-Ausgabestelle in Neusiedl am See, hob die Bedeutung der Initiative hervor. „Viele unserer Kundinnen und Kunden erleben nur selten besondere Momente. Dass Melanie und Jürgen Csencsits heute für sie gekocht haben, bedeutet ihnen sehr viel.“
Wenn Spenden knapper werden
Hinter der Aktion „Herz am Herd“ steckt jedoch auch eine ernste Entwicklung. Während der Bedarf steigt, werden Lebensmittelspenden schwieriger verfügbar.
„Die Lebensmittelspenden werden weniger. Supermärkte machen ‚To good to go’ Aktionen und schauen selber, dass nicht so viel übrigbleibt“, sagte Manuel Komosny. Gleichzeitig steige die Nachfrage auf Kundenseite. „Wir stehen einerseits vor der Herausforderung, Lebensmittel aufzutreiben und anderseits eine steigende Nachfrage auf Kundenseite zu haben.“

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Mit der österreichweiten Initiative möchte das Rote Kreuz deshalb die Team Österreich Tafel wieder stärker sichtbar machen. Insgesamt kochen 18 Spitzenköchinnen und Spitzenköche an acht Ausgabestellen für Menschen in Not.
„Herz am Herd“-Initiator Clemens Strobl sprach von einer „positiven Routine“, die die Team Österreich Tafel nach fast 17 Jahren geworden sei. Gerade deshalb brauche es neue Aufmerksamkeit. „Es ist wichtig, dass man diese Routine wieder vor den Vorhang holt“, sagte Strobl. Die Aktion sei zugleich eine Anerkennung für jene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Woche für Woche helfen.

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Hinzu komme die schwierige wirtschaftliche Lage. Globale Krisen und knappe Budgets würden sich auch auf Spenden auswirken: „Es ist schwieriger denn je, Spendengelder aufzutreiben“. Unterstützung durch Sponsoren werde daher immer wichtiger.
Präsident Krischka verwies abschließend noch auf einen weiteren Punkt: Die Initiative solle Menschen, die Unterstützung benötigen, Hemmschwellen nehmen. „Es geht auch darum, betroffenen Leuten das Angebot der Team Österreich Tafel in Erinnerung zu rufen und ihnen die Schwellenangst zu nehmen, herzukommen.“