Rot-goldene Tennis-Nachwuchsschmiede: Ist-Zustand macht Lust auf mehr
Tennisakademie Burgenland
Die Tennisakademie Burgenland hat sich als sportliches Aushängeschild des Landes etabliert. Operativ verantwortlich sind der Sportliche Leiter Wolfgang Thiem und Cheftrainer Pascal Brunner. Beide zeigen sich mit der bisherigen Entwicklung zufrieden, orten aber auch noch genug Potenzial. Der eingeschlagene Weg stimme jedenfalls.
Akademie-Leiter Wolfgang Thiem und Cheftrainer Pascal Brunner sind die sportlichen Köpfe der Verantwortung in der Tennisakademie Burgenland.
© Bernhard Fenz
Bernhard FenzViele junge Talente haben den Traum vom Tennisprofi. Um es in die Elite des Weltsports zu schaffen, wo sich der Aufwand auch finanziell nachhaltig auszahlt, braucht es allerdings ein Etablieren in den Top-100 der ATP-Weltrangliste – dort, wo die Luft ziemlich dünn ist. Extrem viele junge Tennisfreaks peilen die Zone nach dem imaginären Flaschenhals an, wo sich einmal die Spreu vom Weizen trennt. Dort, wo es gilt, sich aus der sehr guten Masse noch entscheidend abzuheben und Richtung Gipfel durchzukämpfen. Das mentale und sportliche Rüstzeug für diese Entwicklung zum gestandenen Profi will freilich gelernt sein. Hier kommt die Tennisakademie Burgenland ins Spiel. Im September feiert die Ausbildungsstätte am Gelände des Sport-Hotels-Kurz Oberpullendorf ihren dritten Geburtstag. So lange schon ist das Tenniszentrum auch ein Leuchtturmprojekt der Sportstrategie Burgenland.
Das Land sowie der Burgenländische Tennisverband (BTV) sind wesentliche Partner jener Ausbildungsschiene, die Wolfgang Thiem als Leiter der Akademie etabliert hat. Der Lichtenwörther, parallel auch Sportdirektor der ATC Akademie in Traiskirchen, schätzt die rot-goldene Zusammenarbeit: „Hier hört man auf Experten und unterstützt sie. Das hat mir von Anfang an getaugt.“ Der Betrieb läuft, seit dem Startschuss 2022 hat sich auch die Zahl der AKA-Youngsters kontinuierlich gesteigert. Anfänglich waren es acht Jugendliche. Mittlerweile gibt es 21 Aktive im Team - eine Zahl, die für Thiem einen guten Rahmen bildet. Mehr als 25 sollten es nicht sein, denn: „Große internationale Akademien (Anm.: wie etwa die Rafa Nadal-Akademie auf Mallorca oder die Mouratoglou-Akademie an der Côte d’Azur) leben von Camps und Kindergruppen, wir haben hier aber keinen Anspruch auf Kommerztennis und wollen deshalb auch nicht zu groß werden.“ Schließlich gehe es in dem kleinen, aber feinen, Rahmen darum, eine möglichst hohe Qualität halten zu können. „Deshalb auch diese vergleichsweise geringe Spieleranzahl.“ Für sie soll die Ausbildung, je nach Qualifikation, leistbar sein. Speziell das Land Burgenland leiste aus dem Pool der finanziellen Beitragsseite eine ganz wesentliche Unterstützung, ohne die ein Vorhaben wie jenes in der Tennisakademie mit diesen Angeboten nicht möglich gewesen wäre. Das betonen die Verantwortlichen stets.
© Martin Ivansich
In der Praxis gilt hier, wenn man so will, ein sportliches Belohnungsprinzip. Beispiel: Talente des A-Kaders im „Schule & Tennis“-Ausbildungskonzept leisten einen Beitrag ab 965 Euro im Monat. Hier bewege man sich, wie klargestellt wird, in einem finanziellen „Top-Angebot“. Je nach Kader-Zugehörigkeit wird der zu zahlende Beitrag dann schrittweise teurer. Zum Vergleich: Der Listenpreis ganz ohne Förderung würde 4.950 Euro betragen.
Wolfgang Thiem will hier somit auch mit Einrichtungen wie der Südstadt preislich konkurrieren können. „Es soll wirklich um das Paket und das Angebot gehen.“ Strategisch gilt es somit, Talente organisiert zu fördern und vor allem nicht zu verlieren, weil es etwa in privater Hinsicht vielleicht am nötigen Aufwand scheitern könnte.
Und was dürfen Akademie-Talente erwarten? Hier soll, wer nicht gerade auf Turnieren unterwegs ist, vor Ort eine bestmögliche Ausbildung garantiert werden. Thiem unterstreicht stets den „ganzheitlichen Ansatz“ einer Entwicklung zum Tennisprofi, die auf einem 6-Säulen-Konzept basiert. Ein Komplett-Tennistraining auf Sand- und Indoor-Hardcourts mit Vor- und Nachbereitung, Mentalcoaching und Physiotherapie, Konditions- und Fitnesstraining, Turnierbetreuung, eine Schulkooperation mit dem bssm Oberschützen sowie die Internats-Unterkunft im Sport-Hotel Kurz stellen fünf Säulen dar. Besagtes Sport-Hotel, dessen Chef Günter Kurz Burgenlands Tennisverbands-Präsident ist, wird hier mit all seinen nutzbaren Einrichtungen als „All-In-One Sportcampus“ gelobt und angepriesen.
Übrigens: Wer nach der Matura nicht den Einstieg ins Profitennis wagen möchte, hat zudem die Möglichkeit, durch eine bestehende Partnerschaft ein Auslandstipendium auf einem amerikanischen College antreten zu können. Wenn man so will, ist die sechste Säule eine finale internationale Exit-Strategie als besonderes Zuckerl für den Fall, statt dem professionellen Tennis-Zirkus dennoch auf anderer Ebene die große weite Welt erobern zu wollen.
Speziell Youngsters ab 15 Jahren sollen in diesen Genuss kommen, in der Altersklasse U14 sollen durch ein gemeinsames Konzept zwischen BTV und Akademie die Vorbereitungen soweit greifen, dass die größten Talente fitgemacht werden für den Einstieg in das AKA-Leistungstennis. „Eine gute Kooperation mit dem Landesverband ist extrem wichtig und die Basis.“ 16 BTV-Talente sind hier derzeit in einem Kader, aus dem sich auch künftige Akademie-Spieler:innen bilden könnten. Thiem: „Wir wollen hier bereits unsere Philosophie mit reinbringen und auch schon soweit im technischen Bereich arbeiten, sodass diejenigen, die dann den Sprung schaffen, kontinuierlich weitermachen können.“
Ein potenzieller Unterbau aus dem eigenen Landesverband, interessierte Talente aus dem erweiterten Umkreis (auch aus dem Ausland sind internationale Gastspieler dabei) - alles aufgebaut darauf, den Leistungssport zu beleben: Thiem bewertet die Tennisakademie Burgenland deshalb auch als „einzigartige Einrichtung“. Warum? „Weil es sowas in dieser Form nicht gibt.“ Ständiges Wachstum auf Seiten der Infrastruktur, ein Freiluft-Center Court für künftige Turniere, der aktuell bis Mai entsteht, zahlreiche Indoor- und Outdoor-Plätze, Fitness, Regeneration sowie die volle Konzentration auf Tennis-Leistungssport unter einem Dach: Dieses Paket brauche keine internationalen Vergleiche scheuen.
Rein sportlich sind die aktuellen Spieler:innen in den österreichischen Jugend-Ranglisten zudem sehr gut vertreten, erst kürzlich feierte Thilo Behrmann, ÖTV-Nummer 1 der U18, seine Grand Slam-Premiere mit der Teilnahme am Junioren-Bewerb bei den Australian Open. „Ich habe immer gesagt, dass es in einem Land wie Österreich einfach möglich sein muss, dass ich jedes Jahr einen Burschen und ein Mädl zu einem Junioren-Grand-Slam-Turnier bringe.“ 2025 ist das übrigens eben erst mit der Osttirolerin Lilli Tagger und eben AKA-Spieler Behrmann gelungen.
Die Tennisakademie Burgenland werde hier ihren Teil beitragen, vor allem das kontinuierliche Heranführen zahlreicher Talente sei hier essenziell. Und dennoch könne es nicht nur um die Einrichtung in Oberpullendorf gehen. Eine wesentliche Bringschuld sieht Wolfgang Thiem auf dieser Ebene beim Österreichischen Tennisverband (ÖTV). „Die Gesamtsituation bereitet mir Magenweh.“ Denn eine Top-Ausbildung zu akzeptablen finanziellen Konditionen sei die Ausnahme. „Wir müssen uns gesamtösterreichisch im Tennis weiterentwickeln. Es kann ja nicht die Alleinverantwortung bei der Tennisakademie Burgenland liegen, dass wir künftig österreichische Top-Spieler rausbringen.“ Die Südstadt, Oberpullendorf, Traiskirchen - hier herrsche zudem eine starke Ostösterreich-Konzentration. „Im Optimalfall sollte es drei weitere solcher Standorte geben, aber eben aufgeteilt auf das restliche Österreich.“
„Projekt, bei dem es nur um Qualität des Sports geht“
Burschen
Gute Trainingspartner, eine gemeinsame Gruppe an Gleichgesinnten, ein dadurch möglichst familiäres Umfeld - diese Dynamiken greifen dann rund um die Akademie-Philosophie, die klarerweise auch auf Betreuerebene durchgehend ist. Mit Pascal Brunner ist hier ein Cheftrainer am Werken, der mit Thiem voll auf Linie ist. Er sagt: „Wir kennen uns mittlerweile seit 27 Jahren. Wenn man so will, habe ich mein Handwerk bei ihm gelernt. Das ist auch der große Vorteil: Ich weiß genau, was benötigt wird, ich weiß genau, was verlangt wird und ich kann das auch so den anderen Trainern weitergeben.“ Zudem bringe der ehemalige Top-Spieler auch zahlreiche Inputs von Spielerseite. Lange überlegen musste Brunner, der in Neufeld aufwuchs und mittlerweile in Wulkaprodersdorf wohnt, nicht, als er im Dezember 2021 das Headcoach-Angebot erhielt. „Es war und ist einfach cool zu sehen, dass es endlich einmal ein Projekt gibt, bei dem es nur um die Qualität des Sports geht. Wolfgang Thiem und ich sprechen uns täglich mehrmals ab über das, was gearbeitet werden muss. Das ist nicht alltäglich - wenn man aus der Branche kommt, weiß man auch, wie es anders ist. Unser großer Vorteil ist, dass wir immer sehr individuell auf die Spieler eingehen und dann versuchen das Bestmögliche rauszuholen.“
Diese Vertrauensbasis auf Betreuer-Ebene ist auch für Thiem ganz wesentlich: „Die Eltern geben das Kind quasi in unsere Obhut - es sieht uns mehr, als sie. Da sind wir schon sehr prägend.“
Die soziale Kompetenz, die Akademie-Philosophie eines angehenden Profilebens, das Know-how als ehemaliger Leistungssportler - es ist die Mixtur, die es letztlich ausmacht, eben auch auf Trainer-Ebene. Hier schließt sich der Kreis, ganz gleich, ob der weitere Weg zum Gipfel des professionellen Tennissports für die Akademie-Talente von totalem Erfolg gekrönt sein wird, oder nicht. Wolfgang Thiem hat als unterstützender Vater seines Sohnes Dominic den Höhenflug bis zum US Open-Sieg hautnah miterlebt.
Diese Karrieren sind dennoch eine Ausnahme. Gerade deshalb ist es so wichtig, auf jedes einzelne Talent im Hier und Jetzt zu achten und bestmögliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die im Kopf bleiben. „Für jeden Einzelnen ist das eine unfassbar gute und prägende Zeit. Ich behaupte, dass es niemand bereuen wird.“
„Projekt, bei dem es nur um Qualität des Sports geht“
Burschen
Jahrgang 2007:
Alexander Gschiel, UTC Neudörfl (Nummer 2 ÖTV/U18)
Niklas Maislinger, UTC Neudörfl (Nummer 5 ÖTV/U18)
Jahrgang 2008:
Thilo Behrmann, TC Sport-Hotel-Kurz (Nummer 1 ÖTV/U18)
Constantin Neubauer, UTC Bad Sauerbrunn (Nummer 3 ÖTV/U18)
Jan Hemetzberger, UTC Bad Sauerbrunn (Nummer 8 ÖTV/U18)
Marco Hofer, Mattersburg Tennis Union (Nummer 31 ÖTV/U18)
Jahrgang 2009:
Gabriel Niedermayr, UTC Neudörfl (Nummer 1 ÖTV/U16)
Felix Raser, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Nummer 2 ÖTV/U16)
Jahrgang 2010:
Kian Kren, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Nummer 6 ÖTV/U16)
Anton Kahlig, ASKÖ TC Hornstein (Nummer 18 ÖTV/U16)
Santo Agnelli, TC Neustift (Nummer 43 ÖTV/U16)
Julian Reisner, UTC Sieggraben (Nummer 57 ÖTV/U16)
Jahrgang 2011:
Henri Mayer, TC Sport-Hotel-Kurz (Nummer 9 ÖTV/U14)
Matteo Fath, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Nummer 15 ÖTV/U14)
Mädchen
Emelie Bauernfeind, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Jahrgang 2007, Nummer 30 ÖTV/U18)
Anna Posch, UTC Eisenstadt (Jahrgang 2009, Nummer 7 ÖTV/U16)
Lea Haider-Maurer, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Jahrgang 2010, Nummer 2 ÖTV/U16)
Internationale Gastspieler
Jazmin Gambat, TC Rohrbach (Ungarn, Jahrgang 2007, Nummer 58 ÖTV/U18)
Lola Feher, TC Sport-Hotel-Kurz (Ungarn, Jahrgang 2009, Nummer 48 ÖTV/U16)
Darina Matvejeva, ASKÖ TC Burgenland Energie Eisenstadt (Lettland, Jahrgang 2011)
Tim Vaisman, TC Sport-Hotel-Kurz (Israel, Jahrgang 2007)