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Ein Fest für Molière und Christian Spatzek in Parndorf
Theater Sommer Parndorf
Es war ein Abend, an dem es gleich mehrfach Grund zum Feiern gab: Mit der Premiere von Molières Komödienklassiker „Der Geizige“ eröffnete der „Theater Sommer Parndorf“ am Donnerstag seine Jubiläumssaison. Seit mittlerweile 30 Jahren zählt das Festival zu den kulturellen Fixpunkten des Burgenlandes – und als wäre das nicht Anlass genug gewesen, feierte Intendant Christian Spatzek ausgerechnet an diesem Premierenabend auch seinen 70. Geburtstag.
Harpagon, der Geizige, und seine beiden Kinder Cléante und Élise.
© Nina Mayer
Vor der stimmungsvollen Kulisse des Parndorfer Kirchenplatzes entfaltete sich ein Theaterabend, der vor allem eines war: herrlich komisch. Denn Molières wohl berühmteste Komödie kreist um ein Thema, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat – den schnöden Mammon und die beinahe krankhafte Liebe mancher Menschen zu ihm. Geld regiert die Welt, könnte man meinen. Zumindest die Welt des Harpagon.
Und genau dieser Harpagon wurde von Georg Kusztrich in einer exzellenten Weise verkörpert. Jede Regung seines Gesichts faszinierte, jeder Augenaufschlag saß punktgenau, jede noch so kleine Bewegung des Mundes brachte das Publikum zum Lachen. Kusztrich besitzt ein angeborenes komödiantisches Gespür, das seinesgleichen sucht. Seine Darstellung war nicht bloß unterhaltsam, sondern eine wahre Demonstration feinster Schauspielkunst.
Molières Stück war weit mehr als eine Aneinanderreihung gelungener Pointen. Mit liebevollem Witz erzählt der französische Dramatiker, der im 17. Jahrhundert am Hof Ludwigs XIV. wirkte und bis heute als einer der bedeutendsten Komödiendichter Europas gilt, von Menschen, die zwischen Geldgier und echter Liebe ihren Weg suchen.
Intrigen, Verwechslungen, heimliche Liebespläne und familiäre Konflikte verweben sich zu einer ebenso zeitlosen wie charmanten Geschichte, die auch fast 360 Jahre nach ihrer Entstehung nichts von ihrem Esprit verloren hat.
Die Inszenierung setzt erfreulicherweise auf klassische Theaterkunst. Sie entführt das Publikum in die Welt des französischen Barock, vertraut auf Molières brillante Sprache und lässt den Figuren genügend Raum, ihre Eigenheiten zu entfalten.
Das Premierenpublikum dankte es mit herzlichem, oft befreiendem Lachen und lang anhaltendem Applaus.
Das gesamte Ensemble überzeugte mit großer Spielfreude, einzelne Leistungen hervorzuheben, erscheint beinahe vermessen. Der Vollständigkeit halber sei dennoch erwähnt, dass Benjamin Spindelberger als Cléante ebenso gefiel wie Sandra Högl als Harpagons Tochter Élise. Auch Niklas Zoubek verlieh Valère Charme, Leichtigkeit und jene glaubhafte Liebenswürdigkeit, die diese Figur benötigt.
Nach dem Schlussapplaus wurde es noch einmal emotional. Das Publikum stimmte gemeinsam ein herzliches „Happy Birthday“ für Christian Spatzek an, ehe dem Jubilar ein poetisch vorgetragenes Dankeschön gewidmet wurde – ein berührender Moment, der zeigte, wie eng dieses Festival mit seinen Künstlerinnen und Künstlern, seinem Publikum und der Region verbunden ist.
Den gelungenen Abend ließ man schließlich traditionell im Garten hinter der Kirche ausklingen. Die von vielen bereits sehnsüchtig erwarteten Backhenderl fanden ebenso großen Anklang wie die zahlreichen weiteren Köstlichkeiten, die den Gaumen verwöhnten.
Es war eine jener lauen Sommernächte, die einem lange in Erinnerung bleiben wird. Eine romantische Premiere, wie sie wohl nur der „Theater Sommer Parndorf“ zu schaffen vermag – mit viel Humor, großer Schauspielkunst und jener besonderen Atmosphäre, die Kultur im besten Sinne entfaltem kann: Menschen zum Lachen zu animieren, zum Nachdenken anzuregen und sie für ein paar Stunden aus ihrem Alltag zu holen.