Ein Kittseer im Spannungsfeld zwischen Politik und Schauspielerei

Thomas Otrok

Schauspieler in der Politik? Ronald Reagan und Arnold Schwarzenegger haben es einst in den USA vorgezeigt, Wolodymyr Selenskyj macht es in der Ukraine. Diese Schauspieler haben es in der Politik ganz weit nach oben geschafft. In Österreich ist dieses Phänomen kaum zu beobachten. Schauspieler und Sänger Franz Morak hat es 2000 bis 2007 als ÖVP-Politiker immerhin zum Staatssekretär geschafft. Politik und Schauspiel geht hierzulande nicht recht zusammen, dabei haben diese beiden Berufsfelder einiges gemeinsam, wie der neue ÖVP-Regionalmanager Thomas Otrok zu erzählen weiß. Der Schauspieler löste in dieser Position Natascha Frey ab.

Von Birgit Böhm-Ritter

Der Kittseer Schauspieler Thomas Otrok ist seit 1. Juli ÖVP-Regionalmanager imBezirk Neusiedl am See.

Der Kittseer Schauspieler Thomas Otrok ist seit 1. Juli ÖVP-Regionalmanager imBezirk Neusiedl am See.

© Birgit Böhm-Ritter

Der Kittseer hat seit 1. Juli sein berufliches Lager in Neusiedl am See aufgeschlagen. Das ÖVP-Bezirksbüro am Hauptplatz ist Otroks neuer Arbeitsplatz. Dabei hatte der 27-Jährige seine Profession schon vor der Kamera gefunden und in zahlreichen TV- und Kino-Produktionen als Schauspieler mitgewirkt. Seine Schauspielausbildung absolvierte er zwischen 2014 und 2017 an der filmacademy in Wien. Die erste größere Filmrolle erhielt er 2016 im ORF/ARTE-Spielfilm „Alt, aber Polt" mit Erwin Steinhauer in der Hauptrolle. 2017 stand Otrok für seinen ersten Kinofilm "die letzte Party deines Lebens" vor der Kamera. Zuletzt spielte er im Film „Eismayer“ die Rolle des Rekruten Nagl. Der Film feierte 2022 bei den Filmfestspielen von Venedig Premiere.

„Hatte schon als Kind Angst gehabt, einmal vergessen zu werden“

Zeitgleich mit seiner schauspielerischen Entwicklung hat Otrok allerdings auch sein Interesse für die Politik entdeckt. Zu Hause bei seiner Familie sei Politik nie ein großes Thema gewesen, erzählt er. Als er zum ersten Mal wählen durfte, habe er sich alle Parteien einmal ganz genau angeschaut. „Ich habe mich wirklich mit ihnen beschäftigt und bin zu verschiedenen Wahlveranstaltungen gegangen. Relativ schnell war ich davon überzeugt, dass die Volkspartei für mich die richtige Partei ist.“

Seine ersten aktiven politischen Schritte machte er in der Jugendorganisation der Volkspartei, etwa als JVP-Obmann in Kittsee, JVP-Bezirksobmann und JVP-Landesgeschäftsführer. Otrok ist einer, der sich engagiert, selbst Initiative ergreift und der Nachwelt seine Fußstapfen hinterlassen möchte. Hier findet sich auch der Schnittpunkt zwischen Politik und Schauspielerei. Schon als Kind habe er Angst gehabt, einmal vergessen zu werden, erzählt er. „Wenn man schon auf dieser Welt ist, dann muss man auch irgendeinen bleibenden Eindruck, einen positiven vor allem, hinterlassen“, ist Otrok überzeugt.

Ein Kittseer im Spannungsfeld zwischen Politik und Schauspielerei

© Birgit Böhm-Ritter

VieleParallelen zwischen beiden Berufswelten

Der neue ÖVP-Regionalmanager sieht weitere Parallelen und weiß, dass seine Schauspielausbildung in der Politik hilfreich sein kann. Man lerne, sich ohne Hemmungen vor Leuten zu präsentieren, sich vielleicht auch ein bisschen zu verkaufen, seine Standpunkte zu vertreten und klar zu formulieren. Das Wichtigste aber sei die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. „So wie in der Schauspielerei, da muss ich mich auch reindenken in die Figur. Wie denkt die? Was hat sie für Wünsche, Ziele, Sorgen? Und das kann man auch ganz gut in der Politik anwenden. Wenn ich mit jemandem spreche, dann fällt es mir sehr leicht, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und Verständnis aufzubringen“, erklärt Otrok im BVZ-Interview.

In der Vorbereitung für seine Rollen hat sich Thomas Otrok auch schon mal für einen längeren Zeitraum in außergewöhnliche Situationen begeben. So verbrachte er im Vorfeld des Filmes „Eismayer“drei Wochen bei der Garde, um die militärische Welt zu verinnerlichen. Seine herausforderndste Szenen spielte er allerdings im Teenie-Slasher „die letzte Party deines Lebens“. „Da bin ich entführt worden und ich war gefesselt. Kurz bevor ich dann umkam, hat es natürlich einen Kampf gegeben: Das war emotional schon aufwühlend, weil ich mich in eine gewisse Todesangst hinein denken musste.“

Ein Kittseer im Spannungsfeld zwischen Politik und Schauspielerei

© zVg/Otrok

„Die Künstlerszene ist meiner Partei nicht unbedingt wohlgesonnen“

Todesangst muss man in der österreichischen Kommunalpolitik üblicherweise nicht haben. Für eine Schauspielkarriere ist politisches Engagement hierzulande aber nicht unbedingt förderlich. Mit Angeboten aus Film und Fernsehen sieht es für den burgenländischen Jungpolitiker momentan flau aus. Die Künstlerszene sei seiner Partei nicht unbedingt so wohlgesonnen, glaubt Otrok. Aber auch sein eigener Fokus habe sich mehr in Richtung Politik verlagert. Außerdem habe er sich auch äußerlich verändert, sei schlanker geworden und passe nicht mehr in das Rollenbild, das er bisher verkörpert habe. „Da ist es schwierig, sich am Markt wieder neu zu positionieren und neue Rollenmuster zu finden“, weiß der Kittseer.

Umso mehr tigert er sich nun in die Politik hinein, hat die Matura nachgemacht und mit dem Studium der Politikwissenschaft begonnen. Es könnte aber durchaus sein, dass man Otrok wieder einmal über die Kinoleinwand flimmern sieht. Denn neben der Politik wird seine Leidenschaft auch immer der Schauspielerei gehören.