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Nach Rücktritt von Bürgermeister Kacsits: Erste politische Reaktionen in Deutschkreutz
Überraschung
Nach viereinhalb Jahren an der Spitze der Gemeinde Deutschkreutz legte Andreas Kacsits (ÖVP) sein Bürgermeisteramt nieder.
Andreas Kacsits wurde 2012 in den Gemeinderat gewählt und war seit September 2021 Bürgermeister von Deutschkreutz.
© BVZ
„Nach reiflicher Überlegung und aus beruflichen Gründen, aber auch der Vorkommnisse in den letzten Wochen und Monaten, werde ich mit heutigem Tag das Amt des Bürgermeisters von Deutschkreutz an Vizebürgermeister Jürgen Hofer übergeben“, schreibt Kacsits dazu in einem Brief an die Deutschkreutzer Bevölkerung. „Vor 15 Jahren bin ich völlig unbelastet und voller Tatendrang und Energie in die Kommunalpolitik eingestiegen, und ich/wir haben es tatsächlich nach vielen Jahren harter Arbeit zum Bürgermeister geschafft. Ich bedanke mich bei allen, die den Weg mitgegangen sind und mich/uns bei den vielen Herausforderungen unterstützt haben.“
Aufgrund der momentanen Situation und „vieler privater und persönlichen Angriffe der letzten Zeit“, sieht er für sich und die Gemeinde die Zeit für einen Neuanfang gekommen.
Andreas Kacsits gehörte seit dem Jahr 2012 dem Gemeinderat von Deutschkreutz an. Er war im September 2021 - damals übte er die Funktion des Vizebürgermeisters aus - nach dem Rücktritt von Manfred Kölly (LBL) vom Gemeinderat im dritten Wahlgang zum neuen Bürgermeister gewählt worden. In diesem Amt wurde er bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen 2022 von der Bevölkerung nach einer Stichwahl gegen Jürgen Hofer (SPÖ) bestätigt.
Die ÖVP Deutschkreutz erklärt in einer ersten Reaktion, dass man die persönliche Entscheidung von Bürgermeister Andreas Kacsits zur Kenntnis nehme und bereits die Weichen für die bevorstehende Bürgermeisterwahl stelle. „Die ÖVP Deutschkreutz geht geschlossen in die bevorstehende Wahl. Die Gemeinderatsfraktion spricht sich klar dafür aus, Gemeindeparteiobfrau Eva Heidenreich als Kandidatin ins Rennen zu schicken“, heißt es dazu in einer Aussendung der ÖVP. Die formale Nominierung von Heidenreich soll zeitnah im Rahmen eines Parteitages erfolgen.
Heidenreich selbst meint in einer ersten Stellungnahme: „Deutschkreutz braucht jetzt Klarheit, Zusammenhalt, Transparenz und einen klaren Plan für die Zukunft. Genau dafür stehe ich. Mir ist wichtig, die Menschen einzubinden, offen zu kommunizieren und unsere Gemeinde verlässlich weiterzuentwickeln. Gemeinsam und über Parteigrenzen hinweg, mit dem klaren Fokus auf Deutschkreutz.“
Vizebürgermeister Jürgen Hofer (SPÖ) wurde nach eigenen Angaben am Montagvormittag von Bürgermeister Andreas Kacsits persönlich über dessen Rücktritt informiert. Ein solcher Schritt verdiene Respekt, betont Hofer: „Es ist nicht selbstverständlich, ein so verantwortungsvolles Amt niederzulegen und damit auch Platz für einen Neustart zu schaffen.“
Gerade in einer Phase, in der wichtige Entscheidungen für die Marktgemeinde anstehen, sieht Hofer darin auch eine Chance, die Gemeindearbeit neu zu ordnen und auf die Zukunft auszurichten. Zusätzlichen Rückenwind erwarte er sich durch den Amtsantritt des neuen Amtsleiters mit Anfang Mai, wodurch sich „eine große Möglichkeit für einen Neustart“ ergebe.
„Durch die geregelte Übergabe der Amtsgeschäfte ist die Handlungsfähigkeit der Gemeinde gesichert“, erklärt der Vizebürgermeister. Er werde die anstehenden Themen „mit der notwendigen Konsequenz“ angehen. Aufgrund des Rücktritts ist eine Neuwahl des Bürgermeisters durch die Bevölkerung vorgesehen, voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst. Bis dahin ist Jürgen Hofer mit der Führung der laufenden Amtsgeschäfte betraut.
An der Zusammensetzung des Gemeinderats ändert sich vorerst nichts – sie bleibt bis zur nächsten regulären Gemeinderatswahl unverändert. „Mein Bestreben ist es mit allen politischen Kräften einen konstruktiven Weg für eine positive Entwicklung zu finden, wozu ich alle Gemeinderatsmandatare herzlich einlade“, betont Hofer abschließend.
LBL-Fraktionschef Manfred Kölly findet zum Rücktritt von Bürgermeister Andreas Kacsits deutlichere Worte: „Der heutige Tag ist ein Befreiungsschlag für Deutschkreutz. In fünf Jahren gab es keine neuen Projekte, keine Visionen. Es gibt nach wie vor keinen beschlossenen Rechnungsabschluss 2024 und 2025 und keinen Voranschlag für 2026. Er war den Aufgaben eines Bürgermeisters einfach nicht gewachsen.“
Laut Kölly sei auch die finanzielle Lage der Gemeinde falsch dargestellt worden. Deutschkreutz verfüge grundsätzlich über ausreichend Mittel: „ein ausgeglichenes Budget ist möglich“. Die notwendige Auseinandersetzung mit den Gemeindefinanzen habe jedoch gefehlt.
Mit Blick auf SPÖ-Vizebürgermeister Jürgen Hofer, der nun die Amtsgeschäfte bis zur Bürgermeisterwahl führen wird, zeigt sich Kölly ebenfalls kritisch: „Die SPÖ hat Voranschläge, dem Beitritt zum Businesspark Steinberg-Dörfl oder dem Standesamtsverband mitgetragen. Sie hat Kacsits bis zuletzt die Stange gehalten, obwohl der Hut längst gebrannt hat.“
Laut LBL möchte man daher weiter mit der ÖVP - unter der Leitung von Eva Heidenreich -kooperieren und somit über die Mehrheit im Gemeinderat verfügen. „Wenn die SPÖ mitarbeiten will, muss sie ihre Methoden ändern. Bleibt alles beim Alten, wird sie politisch auf der Strecke bleiben“, meint Kölly.
Auf die Frage, wer für die LBL bei der kommenden Bürgermeisterwahl kandidieren wird, hält sich der Fraktionschef noch offen. „Das ist derzeit noch offen. Der Scherbenhaufen, den wir jetzt vorfinden, ist eine echte Sisyphusarbeit – aber keine aussichtslose.“ Für die kommenden Monate gehe es ihm nicht um Wahlkampf, sondern um Stabilisierung und darum „wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.“