Betrugsprozess: Falschen Cartier-Ring um 300 Euro verkauft

Bezirk Oberwart

Eine 46-jährige Frau verkaufte auf der Plattform Willhaben einen Cartier-Ring. Dieser war aber nicht echt.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die Angeklagte gab an, nur ihrer Tochter beim Verkauf des Rings geholfen zu haben.

Die Angeklagte gab an, nur ihrer Tochter beim Verkauf des Rings geholfen zu haben.

© BVZ/Kirchmeir

Es klang wie ein günstiges Schnäppchen: Um 300 Euro erstand ein gutgläubiger Käufer von einer im Bezirk Oberwart lebenden Bulgarin einen Cartier-Ring. Leider war das Schmuckstück nicht echt. Die Verkäuferin muss sich jetzt wegen schweren Betrugs am Landesgericht verantworten.

Der Ring war im August 2023 am Benutzerkonto der 46-jährigen Bulgarin zum Kauf angeboten worden. „Ein Käufer wurde darauf aufmerksam und kontaktierte die Frau über Willhaben und WhatsApp“, schilderte die Staatsanwältin den weiteren Verlauf.

Mehrfach habe die Verkäuferin beteuert, dass es sich um einen „echten Cartier-Ring“ handle.

Übergabe fand im Oberwarter Einkaufszentrum statt

Man einigte sich auf einen Preis von 300 Euro. Am 12. August 2023 traf sich die 46-Jährige mit dem Käufer beim Einkaufszentrum EO in Oberwart. Eigentlich wollte der Käufer den Ring vor dem Kauf bei einem Juwelier überprüfen lassen, was die Verkäuferin zwar zugesagt, aber nicht getan hatte.

Nun händigte die 46-Jährige dem Käufer gemeinsam mit dem Ring ein Echtheitszertifikat der Firma Cartier aus, worauf der Käufer 300 Euro bezahlte.

Der Kauf fand an einem Samstag statt, am Montag darauf ließ der Käufer den Ring bei einem Juwelier prüfen. Es stellte sich heraus, dass es sich nicht um einen original Cartier-Ring handelte.

Juwelier prüfte den Ring, der Schwindel flog auf

Der Käufer kontaktierte die Verkäuferin daraufhin mehrfach. Da diese jedoch nicht antwortete, erstattete er noch am selben Tag Anzeige bei der Polizei.

Sie sei „teilweise“ schuldig, meinte die Angeklagte vor Gericht. Eigentlich habe nämlich ihre Tochter den Ring inseriert und dafür ihr Willhaben-Konto benützt.

„Sie hat in Moskau studiert und den Ring von ihrem russischen Freund bekommen“, sagte die Angeklagte. Mit dem Ring habe ihre Tochter auch das Echtheitszertifikat erhalten.

Tochter wollte den Ring zu Geld machen

Die Liebe zerbrach, außerdem trage ihre Tochter nur Silberschmuck, so die Angeklagte. Und weil die Studentin Geld für das teure Russland-Visum brauchte, habe sie den Ring verkaufen wollen.

Bei dem Treffen im Einkaufszentrum sei auch ihre Tochter dabei gewesen. Sie habe dieser die 300 Euro, die sie von dem Käufer bekam, gleich übergeben, so die Angeklagte.

„Bekamen Sie Zweifel, dass der Ring echt ist?“, fragte Richterin Doris Halper-Praunias.

Angeklagte: „Habe meiner Tochter geglaubt“

„Ich habe keine Ahnung“, gab die Angeklagte zu. Ihre Tochter sei sich jedenfalls sicher gewesen, dass der Ring keine Fälschung sei. „Ich habe ihr wirklich geglaubt“, sagte die Bulgarin.

Am Montag, als der Käufer sie nach der Überprüfung des Ringes kontaktieren wollte, sei sie im Dienst gewesen, da trage sie ihr Handy nie bei sich. Und um 16 Uhr, als sie die Nachrichten las, sei der Käufer bereits bei der Polizei gewesen .

Staatsanwältin: „Wissen Sie, was ein Cartier-Ring kostet?“

„Wissen Sie, was ein original Cartier-Ring kostet?“, fragte die Staatsanwältin. „Nein. Ich weiß, dass es ein sehr teurer Schmuck ist“, antwortete die Angeklagte.

„Kam es Ihnen nicht komisch vor, dass der Ring um 300 Euro verkauft wird?“, hakte die Staatsanwältin nach. Neuerlich versicherte die Angeklagte, „keine Ahnung“ zu haben.

Sie hätte dem Käufer die 300 Euro zurückgegeben, aber keine Zeit gehabt, auf dessen Vorhalte zu reagieren. Weil sich auch das „Echtheits-Zertifikat“ als gefälscht herausgestellt hatte, wurde die 46-Jährige übrigens nicht nur wegen einfachen, sondern wegen schweren Betruges angezeigt.

Der betrogene Käufer sollte eigentlich als Zeuge befragt werden, er blieb dem Gerichtstermin aber unentschuldigt fern. Die Richterin lässt ihm jetzt die Ladung durch die Polizei zustellen. Der Prozess wurde vertagt.