Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
„Wein x 1“ - Joiser Michael Höffken kutschiert nun auch zum Doc
Wein & mehr
Die Wege des Lebens sind unvorhersehbar. So auch der von Michael Höffken. Den sympathischen Deutschen hat es nach maritimen Weltumrundungen und einer langen Periode in Tirol nach Jois verschlagen. Typisch burgenländisch widmet er sich hier dem Thema Wein. Aber nicht etwa als Winzer, nein, Weinreisen veranstaltet er, betreibt mit seiner Frau Caroline einen Genussladen und seit Jänner macht er auch Krankenbeförderungen, oder wie er es liebevoll nennt: „Genesungsfahrten“.
Michael Höffken vor seinem "Wein x 1-Bus", mit dem er Kunden auf Weintouren mitnimmt oder Patienten nach Bedarf zu Therapien führt.
© Nina Mayer
Unweit der holländischen Grenze, genauer gesagt in Xanten, wuchs Michael Höffken auf. Ja, genau, vielleicht klingelt es bei manchen. Xanten wird auch als sagenumwitterte Heimat des Drachenbezwingers Siegfried im Nibelungenlied angegeben.
Da der Deutsche aus einer Gastrofamilie stammt, lernte er vorerst den Beruf des Kochs in einem noblen Sternerestaurant am Starnberger See in der Nähe von München. Dem nicht genug hängte er eine Restaurantfachmannausbildung an und heuerte auf einem Kreuzfahrtschiff an. Die Welt galt es zu bereisen und zu erobern. Ein Aufenthalt in Spitzbergen sollte seinem Leben eine neue Wendung geben.
Die nicht untergehende Sonne veranlasste zu durchfeierten Nächten. Am Ende einer solchen riet der Bäcker des Dampfers dem Michael: „Bevor du beruflich etwas anderes machst, hänge unbedingt noch eine Saison in Österreich an.“ Der Umtriebige, der den Möglichkeiten des Lebens offen begegnet, befolgte den Rat.
Das Hotel „Jungbrunn“ in Tannheim erkor er 1995 aus, um dort als Kellner tätig zu werden. Zwei neue Lieben lernte er dort kennen. Zum einen seine Frau Caroline, zum anderen die zum Wein. Das Thema „Wein“ war für ihn ein komplett Neues, faszinierte ihn aber von Anfang an.
© Nina Mayer
Oberkellner Gerhard verfiel der Liebe
Oberkellner Gerhard wurde sein Lehrmeister, Michael lernte schnell. So schnell, dass es auch seinem Chef auffiel und der ihm anbot, ihm die Ausbildung zum Weinakademiker in Rust am Neusiedler See mitzufinanzieren, sollte er sich verpflichten, noch einige Jahre bei ihm zu bleiben. Voilá, das war der Beginn zur Liebe zum Burgenland.
Im Zuge eines Seminars wurde das Ruster Weingut „Wenzl“ besucht. Der Senior des Hauses führte mit unglaublicher Begeisterung durch seine Keller, die so ansteckend war, dass Michael wusste: „Das ist es, womit ich mich beschäftigen will!“ Zurück in Tirol spielte ihm das Schicksal in die Arme. Ja, ja, der Oberkellner Gerhard... der Gute verliebte sich Hals über Kopf in einen Hausgast und verschwand auf nimmer Wiedersehen. Seine Stelle wurde frei.
Trotz der Skepsis eines Betriebsberaters gab der Chef des Hotels Michael Höffken die Chance, sich drei Monate an dieser Stelle zu bewähren. „Zu jung“ und „noch zu wenig Erfahrung mit Wein“ - diese Argumente ließ er nicht gelten, da er spürte: „Der Bursch mit seinen 22 Jahren hat unglaubliches Potential“.

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Der Wein, der Robbie und die Rosi auf dem Tisch
Aus drei Monaten Probezeit wurden 15 Jahre. Im Hotel wurde das Sortiment auf ausschließlich österreichischen Wein umgestellt und Michael bekam ein Budget, um eine hoteleigene Weinbar aufzubauen. „Wein x 1“ nannte er sie. Zur Aufgabe nahm er es sich, seinen Gästen das „1 x 1“ des Weins beizubringen.
Um 18 Uhr wurde aufgesperrt, anhand von Power Poin - Präsentationen wurde erklärt. Die Leute liebten es. Um Mitternacht schmolz man zu Robbie Williams dahin, spät nachts tanzte man zu „Skandal um Rosi“ auf den Tischen. Da wurde das Bett oft erst morgens aufgesucht.
Im Jahr 2008 lockte ein Angebot aus dem Burgenland. Leo Hillinger aus Jois suchte einen fähigen Verkäufer. Der spritzige Oberkellner Michael Höffken nahm an. Schöne, aber auch stressige Jahre folgten. Die offene, kommunikative Art des Mannes aus der Nibelungengegend kam bei den Käufern so gut an, dass er immer mehr Länder betreute. Am Schluss waren es 22. Elf Jahre war er für Hillinger tätig, dann ein Herzinfarkt. Ein Alarmzeichen des Körpers, einen Schritt zurück zu treten.

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Bitte einsteigen, meine Herrschaften!
Michael beschloss, fortan nur mehr das zu machen, was ihm Spaß machte. Wieder gab ihm das Schicksal einen Wink, wohin die weitere Reise gehen sollte. Bei einem Südafrika-Urlaub nahmen Caroline und er an einer Weintour teil. Zurück in der Heimat checkte er, ob Ähnliches auch in Österreich angeboten wurde. Er erkannte eine Marktlücke, hatte das Glück durch Gästebeförderung in Tirol in Besitz eines Taxischeins zu sein und begann mit seinen ersten Weinreisen.
„All in“ hieß es finanziell. Ein Bus um 80.000 Euro musste gekauft werden, Weine um noch mehr Geld. Kontakte zu Winzern hatte er über die Jahre viele und gute aufgebaut und so lief das Geschäft gut an, bis Corona das Land erschütterte. Als „typisch Deutscher“ bezeichnet sich Michael als sehr strukturiert und lösungsorientiert. Jammern geht gar nicht, lieber gegensteuern. Zuerst der Versuch eines Pop up-Stores, der sich bewährte, dann die Eröffnung eines eigenen Genussladens mitten in Jois.

© Michael Höffken
Selbst ist der Mann
Das Geld war aufgebraucht, also hieß es selbst Hand anlegen. Tische zimmerte Höffken, Dekorationen, Kühlvitrinen wurden aus Konkursmasse gekauft. Weine hatte er im Vorfeld mehr als genug erstanden, Produkte des täglichen Bedarfs komplettierten das Warenangebot. Knackige Brote, die nicht aus Backmischungen hergestellt werden, Milch, Butter, Joghurts, Schinken, Käse und vieles mehr..
Da die Covid-Maßnahmen noch galten wurde über ein Fenster verkauft. Die Joiser nahmen das Angebot gerne an, wofür Michael und Caroline sehr dankbar waren. Wie alles im Leben ging auch diese schwere Zeit vorbei und Michael Höffken konnte wieder „On Tour“ gehen.

© Michael Höffken
Viele Plätze und noch mehr Schätze
Wie schaut nun so eine Weinreise aus? Von 9 Uhr bis 18 Uhr wird getourt. Gestartet wird in Jois, gelegentlich in Wien. Verschiedene Ziele werden angeboten. Natürlich eine "Neusiedler See-Tour“, eine „Deutschkreuz-Tour“, dann hat man die Möglichkeit einer Tagesreise „Carnuntum - Thermenregion“. Als besonders beliebt gilt die „Kamptal, Kremstal, Wachau-Variante“, aber auch die „Weinviertel-Fahrt“.
Vier Weingüter werden mit dem Bus pro Tour angefahren. Maximal 8 Gäste sind an Bord, das ist Michael wichtig, denn vorrangigstes Ziel ist ihm die Nähe zu seinen Kunden und Geschäftspartnern, die durch langjährige Beziehungen zu Freunden geworden sind.
Die Weintouren finden ganzjährig und wetterunabhängig statt, von besonderer Romantik sind sie jedoch bei Schönwetter. Ein mittägliches Picknick in freier Natur darf man gemeinsam genießen, zum Beispiel an den Hängen der Wachau mit Blick über die blaue Donau. Kulinarisch kredenzt Michael Produkte aus seinem Genussladen. Brot, Schinken, Käse, Weintrauben. Besonderer Reiz liegt dem Herbst inne, die Zeit nach der Lese, die von einer unglaublichen Ruhe begleitet wird.

© Nina Mayer
Schneller gesund: auf „Genesungsfahrt“ mit Michael Höffken und seinen Vierbeinern
Das Leben ist ein Auf und Ab, es bietet leider nicht immer Ausflugsfahrten, manchmal ist's auch nicht so lustig und das Ziel der Reise lautet „Arzt“, „Krankenhaus“ oder „Reha-Zentrum“. Als sehr sozialer und positiv eingestellter Mensch hat sich der „pünktliche Piefke“, wie er sich lachend nennt, dazu entschlossen, nun auch sogenannte „Genesungsfahrten“ anzubieten. In beinhartem Deutsch: „Krankenbeförderungen“. Verrechnet wird mit der Krankenkasse.
Auf Wunsch sind ganz besondere Begleiter mit von der Fahrt. Nämlich die beiden Labradors „Vino“ und „Coffee“, die dafür sorgen, dass die Reise, selbst wenn sie nach Wien geht, kurzweilig und herzerwärmend wird.
Da kann man nur sagen: „Meine Damen und Herren, bitte einsteigen, die Tour geht los!“