Neue Windräder für Deutschkreutz: Noch mehr Power aus 244 Metern Höhe

Windpark

Sie sind beinahe so hoch wie der Donauturm, die beiden neuen Deutschkreutzer Windräder, und erzeugen mit zwei „repowerten“ Windkraftanlagen aus dem Jahr 2011 sogar mehr Strom als die sieben zuvor bestehenden.

Von Michaela Grabner

Auf den 70 Meter langen Rotorblättern befinden sich Zacken, die laut Sharma von Tuberkelen (Unebenheiten an der Vorderseite der Brustflossen von Buckelwalen) inspiriert sind und die die Effizienz der Windkraftanlage erhöhen.

Auf den 70 Meter langen Rotorblättern befinden sich Zacken, die laut Sharma von Tuberkelen (Unebenheiten an der Vorderseite der Brustflossen von Buckelwalen) inspiriert sind und die die Effizienz der Windkraftanlage erhöhen.

© Michaela Grabner

Ein nicht enden wollender Kran ragt in den wolkenlosen Himmel über den Deutschkreutzer Weingärten. Es ist eine Baumaschine, von der es in Europa nur einige wenige gibt, ein Kran, der ein Gewicht von 1000 Tonnen auf 200 Meter Höhe hieven kann. Und ebenso gibt es europaweit wohl nur eine Handvoll Spezialarbeitskräfte, die diese Maschine überhaupt bedienen können. Im Windpark von Deutschkreutz wurde in den vergangenen Wochen und Monaten ein „Repowering“ durchgeführt. „Windkraftanlagen haben nach etwa 25 Jahren das Ende ihrer Lebenszeit erreicht“, schildert Josef Kuzmits, Projektleiter der Burgenland Energie.

Daher hatte man sich entschieden, die alten Windkraftanlagen abzubauen und diese durch neue, leistungsstärkere Windräder zu ersetzen. „Von den neun bestehenden Windrädern wurden sieben demontiert, zwei noch nicht so alte aus dem Jahr 2011 wurden ins Repowering einbezogen“, schildert Kuzmits. Die alten Windräder wurden am Gebrauchtmarkt für Windenergieanlagen verkauft und werden andernorts wieder aufgebaut oder für Ersatzteile verwendet.

Jedes Windrad besteht aus einem Fundament, dem Turm, der unterschiedlich aufgebaut sein kann – in Deutschkreutz handelt es sich um Stahltürme – der Gondel bzw. dem Maschinenraum, der Nabe und den Rotorblättern. „Bei der Demontage kommen erst die Rotorblätter herunter, dann der Maschinenraum und dann wir jede einzelne Sektion des Turms abgebaut und auf Lkw abtransportiert“, lässt Kuzmits wissen. „Das Fundament aus Stahlbeton, das zwei bis drei Meter tief in den Boden reicht, kommt komplett raus, wird vor Ort zertrümmert und als Unterbau verwendet.“

Neue Windräder für Deutschkreutz: Noch mehr Power aus 244 Metern Höhe

90 Meter waren sie hoch, die ersten Deutschkreutzer Windräder, die beiden aus dem Jahr 2011 brachten es bereits auf eine Gesamthöhe von 130 Metern, die zwei neuesten ragen nun 244 Meter hoch in den Himmel, fast genauso hoch wie der Wiener Donauturm – das höchste Wahrzeichen Österreichs, der nur um 8 Meter höher ist als die Deutschkreutzer Windräder. Würde man aus der Gondel, also dem Maschinenraum, der beiden Windräder rausblicken so wie es die Bauarbeiter in den vergangenen Tagen und Wochen wohl des öfteren getan haben, so würde man aus der gleichen Höhe zum Boden blicken wie die Besucher des Restaurants am Donauturm, also aus 170 Metern Höhe.

Rund 100 Lkw für Transport der Teile eines Windrads

War schon für die abmontierten rund 20 Meter langen Rotorblätter der alten Windanlagen ein Sondertransport notwendig, so stellten die Rotorblätter der beiden neuen Windkraftanlagen vor noch ganz andere Herausforderungen.

„Der Kurvenradius auf den Wegen im Windpark musste erweitert werden. Außerdem wurde der Güterweg vom Friedhof in Horitschon bis zum Windpark so ausgebaut, dass man mit den Komponenten durchkommt, ein Transport durch Deutschkreutz wäre schlicht nicht möglich gewesen“, schildert Kuzmits. Grundsätzlich kommen die Teile für die Windräder im Burgenland entweder auf dem Schiff der Donau entlang oder vom nächstmöglichen Hafen, wo diese verladen werden können, was in vielen Fällen Koper in Slowenien ist. Vom Schiff weg geht es dann mit dem Lkw weiter. „Die aktuellen Anlagen sind über die Donau ins Mittelburgenland gekommen. Um die 100 Lkw waren notwendig, um die Teile für ein Windrad zu liefern“, erklärt Kuzmits. Diese kamen über die S31 und weiter über die B62. Damit dies überhaupt möglich war, musste der Kreisverkehr bei Lackendorf teilweise abgetragen werden, weil man sonst mit den Rotorblättern nicht durchgekommen wäre. Daher braucht es für solche Transporte auch eine eigene Routengenehmigung.

Planerisch könnten vier weitere Windräder in Deutschkreutz gebaut werden, aber netztechnisch ist man bei dem, was das Umspannwerk maximal verträgt. Projektleiter Josef Kuzmits

Die Gesamtbauzeit für eine dieser großen Windkraftanlagen belief sich auf zirka 14 Tage. Für das Fundament fiel in etwa ein weiteres Monat an, wurden dafür doch rund 100 Tonnen Stahl und 1000 m³ Beton pro Windrad verbaut. Der Turm selbst wird Komponente für Komponente aufgebaut, ähnlich wie ein überdimensionaler Lego-Bausatz, allerdings gepaart mit der Notwendigkeit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. „Die Windradkomponenten werden verschraubt. Es gibt einen ganz genauen Montageablauf, welche Schraube mit welchen Drehmoment in welcher Reihenfolge wo anzuschrauben ist, Wenn eine Schraube zu stark angezogen wird, geht möglicherweise eine Schraube weiter oben nicht mehr zu“, führt Kuzmits aus.

Neue Windräder für Deutschkreutz: Noch mehr Power aus 244 Metern Höhe

© Michaela Grabner

Der Windanlagenproduzent – jener der Deutschkreutzer kommt aus den Niederlanden – hat eigene hochspezialisierte Aufbau- und Serviceteams, die diese Arbeiten erledigen. Im Turm des Windrads gibt es neben einer Leiter zwar auch einen Lift, aber bis das Windrad selbst Strom produziert, heißt es für die Arbeiter die 400 bis 500 Sprossen bis zur Gondel in 169 Meter Höhe zu Fuß erklimmen. Dort braucht es Geduld, um ein Windfenster abzuwarten, denn nur wenn es (fast) völlig windstill ist, können Nabe und Rotorblätter montiert werden.

Jedes Rotorblatt hat eine Länge von 75 Metern und wiegt 25 Tonnen – 75 Tonnen insgesamt werden also auf 244 Metern Höhe bewegt. Das zeigt, welche Kraft in der Natur steckt. Stephan Sharma, Vorstand Burgenland Energie

„Früher hat man schon am Boden die Rotorblätter an die Nabe geschraubt und dann den ganzen Stern hochgehoben. Bei den großen Rädern ist dies nicht möglich, da muss man die Komponenten einzeln hochhieven – zuerst die Nabe, dann wird in 170 Metern Höhe das erste Rotorblatt waagrecht an der Anschlagsstelle draufgesteckt und verschraubt. Dann wir die Nabe gedreht und das nächste Blatt ist dran“, führt Kuzmits aus. Dazu muss das Rotorblatt stabil sein. Ein am Kran angebrachtes Windmessgerät, ein Aenometer, zeigt dem Montageteam den richtigen Zeitpunkt an. „Schon bei 10 km/h Windgeschwindigkeit fangen die Räder an sich zu drehen und Strom zu produzieren“, weiß Burgenland Energie-Vorstand Stephan Sharma.

In Deutschkreutz kann nun mit drei Anlagen genausoviel Strom produziert werden , wie zuvor mit sieben, der vom vierten Rad produzierte Strom kommt on top dazu, was Deutschkreutz bilanziell völlig energieunabhängig macht. „In Deutschkreutz konnten bislang schon 90 Prozent vom Eigenbedarf mit Wind abgedeckt werden, mit der Photovoltaik-Anlage und dem Wind-Repowering sind es 120 Prozent“, so Sharma.

Ganzes Burgenland bis 2030 klimaneutral machen

Strategie der Burgenland Energie ist es, Burgenland bis 2030 energieunabhängig und klimaneutral zu machen. Der Gesamtenergiebedarf liegt laut Sharma bei 10 Terrawattstunden pro Jahr. „Durch Wind- und Photovoltaikausbau konnten wir die Leistung in den vergangenen vier Jahren verdoppeln und können derzeit 72 Prozent des Energiebedarfs Burgenlands abdecken, das ist ein Spitzenwert in Österreich“, betont Sharma, der Wind und Sonne immer als „Gold des Burgenlandes“ bezeichnet.

Bis 2030 werden im Burgenland rund 1,4 Milliarden Euro in die Energieinfrastruktur investiert. So soll bei Windenergie vor allem im Mittelburgenland (Raum Nikitsch/Großwarasdorf sowie Frankenau/ Mannersdorf) ausgebaut werden, immer in Kombination mit Photovoltaik. Außerdem wird Ende 2025 eine Speicheroffensive gestartet. „Wir werden über 100 MW an Speicherkapazitäten errichten, beginnend mit Andau und Zurndorf sowie Güssing."

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Neue Windräder für Deutschkreutz: Noch mehr Power aus 244 Metern Höhe

© Michaela Grabner

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Neue Windräder für Deutschkreutz: Noch mehr Power aus 244 Metern Höhe

© Dieter Dank

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