Burgenländische Juristen vor Gericht. Zwei burgenländische Juristen müssen sich wegen des Vorwurfs der betrügerischen Krida verantworten.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 10. Februar 2017 (05:43)
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Richter Gericht
NOEN, Erwin Wodicka

Kurz vor dem Tod eines ehemals erfolgreichen, dann aber in ein finanzielles Desaster gerutschten burgenländischen Unternehmers sollen zwei Juristen durch ihre Handlungen dazu beigetragen haben, dass Familienvermögen zur Seite geschafft und dem Zugriff der Gläubiger entzogen wurde.

Vollmacht für Zugriff auf das Familienvermögen

Vorige Woche mussten sich die beiden Juristen vor Richterin Karin Knöchl verantworten. Der Prozess wurde zur Einvernahme weiterer Zeugen vertagt.

Staatsanwalt Roland Koch hielt den burgenländischen Juristen vor, sie hätten gewusst, dass der schwer erkrankte Firmengründer hoch verschuldet war, als sie für die Lebensgefährtin eine Vollmacht ausstellten, mit der sie Zugriff auf das Familienvermögen erhielt.

Für die Gläubiger des gescheiterten Geschäftsführers, der im Februar 2011 verstorben ist, trat dadurch ein Schaden ein.

„Absurd, die Existenz aufs Spiel zu setzen!“

Die angeklagten Juristen bekannten sich nicht schuldig. „Hier die eigene Existenz aufs Spiel zu setzen, wäre absurd“, erklärte Verteidiger Mirko Matkovits. Von der schlechten Finanzsituation des Geschäftsführers hätten seine Mandanten keine Kenntnis gehabt.

„Sie haben keinen Gedanken daran verschwendet, dass der Erkrankte Familienvermögen retten will?“, fragte der Staatsanwalt. „Nein“, antwortete einer der Angeklagten. Hinweise auf eine Verschuldung habe es auch im Grundbuch nicht gegeben.

Erst nach dem Tod des Geschäftsführers habe er erfahren, so der angeklagte Jurist, dass gegen diesen strafrechtlich ermittelt worden und der Mann Ende 2010 sogar in Untersuchungshaft gesessen war.

Eine Rechtsanwaltskanzlei, die damals den Geschäftsführer in der Haftprüfungsverhandlung vertrat, befand sich ebenfalls unter dessen Gläubigern, weil das Anwaltshonorar nicht bezahlt worden war.