Koller vor Special Olympics: „Großes Ziel: die Nachhaltigkeit“

Erstellt am 26. Mai 2022 | 06:03
Lesezeit: 6 Min
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Special Olympics-Trainer Sebastian Koller gab der BVZ im Rahmen der bevorstehenden Nationalen Spiele im Juni im Burgenland ein Interview. Foto: Carina Fenz
Foto: Carina Fenz
Die Nationalen Sommerspiele von Special Olympics Österreich finden heuer im Juni erstmals im Burgenland statt. Die BVZ hat dazu mit Sebastian Koller über seine Arbeit, die Bedeutung der Spiele und Sport als Inklusionsfaktor gesprochen. Er ist seit zehn Jahren Trainer im Team Dornau, dem größten Special Olympics Verein des Landes, und derzeit Mitglied im Organisationskomitee.
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Sebastian, die Nationalen Special Olympics Sommerspiele finden heuer von 23. bis 28. Juni im Burgenland statt. Also direkt vor „unserer“ Haustüre - eine Ehre?

Sebastian Koller: Auf jeden Fall. Heimspiele sind was Besonderes. Eigentlich sind es unsere Sportler gewohnt, immer wo anders hinzufahren, jetzt können sie einmal im eigenen Bundesland bleiben. Und es sind ja für sie nicht nur die fünf Tage, sondern auch im Vorhinein können sie die Spiele bereits genißen und mitgestalten.“

Für Leute, die sich jetzt gar nicht auskennen: Wie erklärst du ihnen Special Olympics?

Koller: Prinzipiell ist Special Olympics die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Das ist die schnellste und einfachste Erklärung.

Wie haben sich Special Olympics in Österreich in Vergangenheit entwickelt?

Koller: Ich bin vor zehn Jahren durch meinen Zivildienst ins Team Dornau gekommen, kenne als Special Olympics seither. Und ich hab schon das Gefühl, dass sich innerhalb der zehn Jahre mega viel getan hat. Wir sind immer präsenter, haben Sportlerzuwachs, es wissen immer mehr Leute Bescheid, was Special Olympics ist. Und vor allem durch die Spiele im Burgenland soll das jetzt noch einmal hervorgehoben werden. Für mich ist dabei die Vorbereitungszeit wichtig – aber speziell auch die Zeit danach. Es soll nicht so sein, dass die Zelte abgebaut werden und dann alles vergessen ist. Es soll was bleiben: Unser großes Ziel ist die Nachhaltigkeit.

Zur Begriffsklärung: Das, was bei uns heuer im Burgenland stattfindet, sind die Nationalen Sommerspiele, darüber stehen die World Games.

Koller:  Bei den Nationalen Spielen nehmen grundsätzlich Sportler aus Österreich teil, es gibt aber auch Sportarten, wo es schlicht zu wenig heimische Sportler gibt. Die Plätze werden dann mit Sportlern aus dem Ausland aufgefüllt. Die World Games hingegen sind freilich komplett international, dort nehmen rund 7.000 Athleten teil, bei uns im Burgenland werden heuer 1.800 erwartet.

Was steht bei den heurigen Spielen genau am Plan?

Koller: Es gibt fünf Austragungsorte. Oberwart stellt dabei das Zentrum, hier finden die meisten Bewerbe statt. In Pinkafeld ist Leichtathletik, Stegersbach hat Reiten und Golf, in Großpetersdorf ist der 4.000-Meter-Lauf. Und mit Parndorf haben wir eine Art „Satellit“, dort finden die Bowlingbewerbe statt.

Jetzt konkret zu dir: Du bist seit zehn Jahren im Team Dornau und heuer im Spiele-Organisationskomitee. Was sind deine Aufgaben?

Koller: Ich bin heuer zum ersten Mal im Organisationskomitee Nationaler Spiele, die regelmäßig stattfinden. Grundsätzlich aber Betreuer im Wohnheim und Trainer im Team Dornau, dem größten Behindertensportverein des Burgenlandes. Gemeinsam mit Ernst Lueger, der das Team Dornau 2001 gegründet hat und Petra Prenner bin ich im Rahmen der Spiele einer von drei Burgenländern im Organisationskomitee. Wir sind diesmal ein rund zehnköpfiges Team, wo jeder seinen Schwerpunkt hat. Mein Bereich ist grundsätzlich alles, was Kinder, Schule, Jugend und Studierende umfasst. Unter anderem Schulprojekte zu veranstalten, Special Olympics zu verbreiten und in Folge auch freiwillige Helfer zu engagieren. Heuer haben wir schon hunderte Volunteers! Neben den Athleten vom Team Dornau nehmen zudem noch viele andere burgenländische Sportler teil: Es sind insgesamt 22 burgenländische Institutionen vertreten, „Rettet das Kind“, „Pro Mente“, alle Sonderschulen – das sind über 400 Athleten, das ist großartig!

Durch deine Arbeit im Team Dornau hast du ständig Kontakt mit Sportlern. Wie bereiten sie sich auf die Spiele vor?

Koller: Wir haben im Team Dornau rund 60 Sportler, viele davon wohnen im Wohnheim Dornau, darüber hinaus kann aber auch jeder andere bei uns mittrainieren. Insgesamt sind wir etwa 25 Trainer. Allgemein lässt sich nicht sagen, wie oft, wie intensiv jeder trainiert: Wir haben ein buntes Angebot mit täglich mehreren Sportarten. Und die Sportler entscheiden für sich, was sie in Anspruch nehmen. Es sind aber alle super engagiert: Manche trainieren etwa viermal die Woche. Einfach auch weil es ihnen Spaß macht!

Was macht für dich die Arbeit bei Special Olympics aus?

Koller: Special Olympics ist ganz viel Emotion: die Freude nach einem Sieg, aber auch die Gefühle nach einer Niederlage – das zeigen die Sportler einfach voll ehrlich und das macht diese Arbeit so schön! Wir als Trainer verbringen mega viel Zeit mit den Sportlern und sind so über die Jahre richtig zusammengewachsen.

Deine Diplomarbeit hast du auch über Behindertensport geschrieben. Dort heißt es „Sport als gelebte Inklusion“. Was kann Sport für Inklusion bewirken?

Koller: Ich erwähne es öfter: Sport verbindet! Beim Sport kommen die Leute zam, beim Sport kann man Spaß haben, beim Sport geht es nicht immer drum, der Beste zu sein! Der Sport ist daher ein Mittel, um inklusive Maßnahmen zu setzen. Was ich bei unseren Schulprojekten etwa feststelle: Im gemeinsamen Sport werden schnell Barrieren abgebaut. Ich habe es bis jetzt noch nie erlebt, dass ein Kind irgendeinen Skrupel gehabt hat, mit unseren Sportlern zu sporteln. Im Sport wird nicht unterschieden. Gesellschaftliche Inklusion ist schwierig, im Sport ist das einfacher: Deswegen machen wir es und wollen so auch einen Beitrag zur gesellschaftlichen Inklusion leisten.

Ihr seid aktuell 25 Trainer in der Dornau, mehrere hundert in ganz Österreich. Jetzt gibt es aber sicher auch Menschen, die das nicht mitreißt. Verstehst du, dass es Berührungsängste dahingehend gibt?

Koller: Ja, ich verstehe es, dass es Berührungsängste, was die Arbeit mit beeinträchtigten Menschen gibt. Die gehen aber dann weg, wenn man es wirklich schafft, sich auf die Leute einzulassen. Gerade bei der Herzlichkeit, bei der Empathie und Menschenkenntnis, die beeinträchtigte Menschen oft haben – und wenn man sich da drauf einlassen kann, dann wird das.

Abschließend konkret zurück zu den Spielen: Welche Ziele hegst du? Sportlicher Natur und hinsichtlich Anerkennung der Special Olympics.

Koller: Unsere sportlichen Ziele? Puh… prinzipiell geht es drum, Menschen mit Beeinträchtigung sportlich zu aktivieren, das ist mal das Grundziel. Und sonst hat sowieso jeder Sportler für sich ein Ziel, das er bei den Spielen erreichen möchte, meistens natürlich eine Medaille. Wir möchten für die Sportler maximal gute Bedingungen schaffen, damit sie ihre bestmöglichen Leistungen bringen können. Und ja, darüber hinaus ist uns freilich die Bekanntheit wichtig. Ich denke, da kann die Veranstaltung, speziell bei uns im Burgenland, einiges bewirken – sie soll ein Multiplikator in allen Bereichen sein. Olympische Spiele sind einfach ein Highlight, und nicht nur ein sportliches, sondern auch ein humanitäres Fest, wo jeder die Chance hat, dabei zu sein: Der Eintritt ist nämlich gratis. Und sagen wir mal so (schmunzelt): Es ist jeder selbst schuld, wenn er nicht zumindest einen Tag bei den Spielen verbringt.