Die Landes-Aktion „Burgenland bewegt Kids“ geht ins dritte Jahr: Bekannt ist die Inititiative vor allem unter dem Stichwort „Gratis-Ski“. Schülerinnen und Schüler der sechsten Stufe können sich ab 23. November ihre Burgenland-Ski abholen oder einen 130-Euro-Gutschein einlösen.
„Wir wollen die Menschen mit der neuen Bahn wortwörtlich abholen“
Peter Hanke im Interview
Vom Fortschritt der Arbeiten zur Elektrifizierung der Mattersburger Bahn überzeugte sich Infrastruktur-Minister Peter Hanke am Dienstag vor Ort. Mit der BVZ sprach er danach über Komfort auf der Schiene, den Weiterbau der A3, den Draht zur Landespolitik und Zukunftspläne in der Forschung.
Minister Peter Hanke: „Mit der neuen Qualität wollen wir noch mehr Menschen auf die Schiene bringen.“
© Tobias Holzer/BMIMI
BVZ: Bis 2027 soll die Mattersburger Bahn elektrisch fahren, inklusive Modernisierung und neuen Bahnhöfen. Sie haben selbst gemeint, das sei ein „knackiger“ Zeitplan. Liegt man bei den Arbeiten im Plan?
Peter Hanke: Die erste Phase wurde abgeschlossen, und damit sind die Vorarbeiten termingerecht erledigt. Jetzt fahren sozusagen bald die schweren Gerätschaften auf. Mit der Elektrifizierung der Mattersburger Bahn wird auf einer Strecke von 25 Kilometern seitens der ÖBB wirklich eine neue Qualität geschaffen.
140 Millionen Euro werden investiert, die Bahnhöfe werden moderner, es wird mehr Park-and-Ride-Möglichkeiten geben, der Komfort wird erhöht – also all das, was wir heute als Anreiz zum „Umsteigen“ auch brauchen. Das wird dazu führen, dass wir die Menschen aus der Region abholen und sie „auf die Schiene bringen“. Das ist unser Anliegen.
Der Nachhaltigkeits-Gedanke betrifft also nicht nur den Antrieb der Züge, sondern auch das Gewinnen von neuen Fahrgästen.
Genau, moderne Züge haben natürlich eine Anziehungskraft, wir wollen die Menschen insgesamt davon überzeugen, dass der Bahnverkehr Vorzüge im Vergleich zum Individualverkehr hat. Der Umstieg auf die Schiene soll einem leicht gemacht werden. Grüner Strom und die Einsparung von CO² gehen mit der Elektrifizierung ja Hand in Hand.
Rund 30.000 Burgenländerinnen und Burgenländer pendeln nach Wien. Die Menschen in der Region werden von dieser neuen Qualität profitieren. Nur wenn man die Menschen abholt, wird man bei der Mobilitätswende punkten.
Und beim Bahnhof Deutschkreutz gibt es ebenfalls einen „knackigen Zeitplan“, oder?
Auch hier wollen wir zeigen, dass wir verstanden haben, worum es den Menschen geht: dass beispielsweise die Abfertigung für den Güterbereich verlagert wird, was die Lebensqualität der Menschen vor Ort steigert. Bei diesem Projekt ist die Fertigstellung für 2027 geplant. In diesem Jahr starten dann auch die Arbeiten für die Modernisierung des Bahnhofs, auch dort geht es um Barrierefreiheit, Park-and-Ride und mehr Komfort.
All das ist ja auch eine Preisfrage. Wie schwer ist es, solche Projekte in Zeiten des Sparzwangs zu argumentieren?
Es ist eine erhebliche Preisfrage, und natürlich wird jeder Euro mehrfach umgedreht. Aber Infrastruktur kann man nicht über ein paar Jahre denken – sie steht die nächsten Jahrzehnte zur Verfügung. Diese Langfristigkeit ist entscheidend dafür, dass größere Beträge investiert werden können. Und im Fall der Bahn geht es eben auch um glaubhafte Alternativen zum Individualverkehr.

© Wolfgang Millendorfer
Bis zu welchem Grad können die Länder bei den Plänen mitreden?
Mir ist immer wichtig, dass wir mit den Ländern gemeinsame Sache machen. Da höre ich genau auf die Bedürfnisse hier im Burgenland, welche Prioritäten gesetzt werden. Ich versuche im Einklang mit dem Land auf Regierungsebene im Bund die richtigen Schlüsse zu ziehen und dann auch die Umsetzung zu priorisieren.
Aus dem Burgenland kommt immer wieder auch Kritik an der Bundesregierung und Bundespartei. Haben Sie einen guten Draht zu Landeshauptmann Doskozil?
Ich habe einen sehr guten Austausch mit dem Herrn Landeshauptmann, wir kennen uns schon lange. Ich glaube, es ist durchaus beispielhaft, wie wir versuchen, in nicht gerade leichten Zeiten dennoch die Infrastruktur für die Generation von morgen zu bauen.
Wenn wir von der Schiene auf die Straße kommen, gibt es im Bezirk Eisenstadt mit der Frage nach einer Verlängerung der A3 ein Dauerthema. Wie sieht man das von Wien aus?
Prinzipiell ist meine Vorgangsweise hier ident: Ich höre auf das Land und versuche mich mit dem Landeshauptmann bestmöglich abzustimmen. Aktuell befindet sich dieses Projekt nicht im Bauprogramm der ASFINAG, das Programm wird jedes Jahr erneuert. Derzeit gilt es hier aber noch Abstimmungen auf Landesseite zu treffen, wir werden in der nächsten Zeit die weiteren Schritte diskutieren.
Der Schwerverkehr spielt in dieser Diskussion eine wesentliche Rolle. Im burgenländischen Regierungsprogramm steht generell, dass man Schadstoff-LKW mit einer Maut bepreisen will. Ist das in Ihrem Sinn?
Ich richte den Landesregierungen nichts aus, aber mir ist es schon auch wichtig, dass hier unter den Bundesländern eine Abstimmung stattfindet. Ich verstehe, dass man im Burgenland versucht, für die Bevölkerung und Verkehrsentlastung Maßnahmen zu treffen. In einer Region wie Ostösterreich wäre es aber sinnvoll, diese Dinge gemeinsam zu diskutieren. Diesen Diskussionsprozess sollte man abwarten.
Sie sind in der Bundesregierung auch für die Forschung zuständig. Wie kann es gelingen, die Quote zu heben? In Österreich und besonders auch im Burgenland …
Gerade im Bereich der Erneuerbaren Energie hat das Burgenland vorgezeigt, wie man alternative, neue Wege gehen kann. Das ist zu unterstützen, die Bundesregierung hat im Bereich Forschung ein ambitioniertes Programm, das Innovation auch mit entsprechenden Förderungen versieht.
Und wir können nur ersuchen, sich mit den Expertinnen und Experten im Bund abzustimmen, um auch möglichst viel von den Förderungen auf EU-Ebene spürbar zu machen. Wir alle leben von diesem Mehrwert aus dem Innovationsbereich, das ist ein Wettbewerbsvorteil, den wir generieren müssen. Da können wir zeigen, dass wir verstehen, wie die europäische Politik funktionieren sollte.