Endlich wieder Essen gehen. Die Eröffnung der Lokale und Restaurants am Freitag ist begleitet von Hoffnungen und Sorgen – und vielen Auflagen.

Von Doris Fischer, Reinhold Woditsch und Markus Wagentristl. Erstellt am 14. Mai 2020 (05:33)

Am kommenden Freitag, dem 15. Mai, ist es endlich so weit: Die Restaurants und Lokale dürfen wieder Gäste empfangen. Zwar mit einigen Auflagen (siehe Infoboxen), aber dennoch begleitet von einem Aufatmen der Gastronomen. Die BVZ hat einige von ihnen bei der Vorbereitung auf die Wiedereröffnung besucht.

Ohr: Wegfall der Touristen schmerzt

Die Prognosen für den Sommer sind leider nicht sehr sonnig. „Wir leben vom Kultur-Tourismus. Und den haben sie uns heuer gestrichen“, erklärt Johannes Ohr den Ernst der Lage des Traditions-Restaurant. Bereits in dritter Generation führt er das Restaurant in der Ruster Straße, seine Schwester Brigitte Oberzaucher kümmert sich um das Hotel mit 80 Betten, das am 29. Mai wieder öffnet. „Unser zweites Standbein sind die Hochzeiten und großen Familienfeiern“, sagt diese und seufzt, „aber auch diese Feiern sind jetzt alle abgesagt“.

Während Restaurant und Hotel aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen hatte und die Mitarbeiter auf Kurzarbeit waren, war die Familie Ohr fleißig. „Wir haben alle Räume ausgemalt und renoviert. Sogar mein Vater hat mitgeholfen, obwohl sich der eigentlich schonen sollte“, erzählen die Geschwister.

Beim Neustart am Freitag warten soll es aber auch kulinarische Neuigkeiten geben: „Es gibt jetzt Frühstück á la Carte bei uns. Das ist etwas Neues für uns, bisher haben wir ja nur den Hotelgästen eines angeboten, jetzt sind alle herzlich eingeladen. Es ist von Italienisch bis Britisch alles dabei!“, lädt Ohr ein. Die bekannte und beliebte Kulinarik („Ohrenschmaus“) wird natürlich weiterhin angeboten, es wird aber auch Heurigen-Snacks und Take Away gesetzt. „Man kann auch einfach nur etwas trinken kommen“, fügt Ohr an.

Von der Landesregierung hofft Ohr auf Unterstützung: „Der Sommer ist gelaufen, ohne Kulturevents wirds schwer für uns. Ich hoffe, dass da noch was kommt.“ Und auch die Stadt selbst sei gefragt, findet Ohr: „Alle kennen uns für die Klassische Musik. Was wir jetzt aber noch dringend brauchen würden, wäre mehr moderne Musik-Events. Dass gerade die Lovely Days wegfallen, ist da besonders bitter.“

Reisinger: Start mit Minimalaufgebot

Mit viel guter Hoffnung, wie es Christian Reisinger, Betreiber des Hotels „Der Reisinger“ am Neufelder See, charmant zusammenfasst, blickt der Hotelier und Gastronomiebetreiber in die Zukunft. Nach dem Shutdown musste sich der Gastrofachmann von seinen 17 Mitarbeitern trennen. Den Wiederstart muss er aufgrund des Einnahmenausfalls mit minimalsten Mitteln schaffen. „Mit einem Koch und einem Kellner werden wir am 15. Mai starten“, stellt Christian Reisinger, der selbst einen Großteil der Arbeit stemmen wird, fest. Weiters zählt er auf die Mitarbeit seines Vaters.

Das Restaurant wird demnach von Freitag bis Sonntag geöffnet haben. „Das Restaurant ist nicht unsere grundsätzliche Einnahme. Unser Betrieb lebt von Seminaren, Hochzeiten, Erstkommunionen – vom Gruppengeschäft– also allem, was derzeit noch verboten ist“, betont Reisinger. Bis Ende Juni sei erstmals alles storniert. Einen Lichtblick sieht Reisinger im Strandbad, wo er auf die Tagesgäste zählt. Mit dem Hotelbetrieb könnte es am 29. Mai wieder weitergehen. Nur: „Keine Seminare, keine Gäste“, beschreibt Reisinger die derzeitige Situation.

Wirth: Mit Regionalität gegen Krise

Der Dorfladen Wirth ist in Steinbrunn gleichzeitig Nahversoger, Putzerei, Restaurant, Elektronikgeschäft und Postfiliale in einem fungiert. Seit 2013 fasst Andreas Wirth regionale Produkte und Produzenten bezeichnenderweise in einer ehemaligen Billa-Filiale zusammen, um für die Kunden einen möglichst einfachen Einkauf zu gewährleisten. Stellvertretend für ähnliche Initiativen haben wir mit Karin Mezgolits vom Dorfladen Wirth über die Herausforderungen während der Corona-Krise gesprochen.

„Uns war es wichtig, den Kunden gewohnte Qualität und Service zu bieten. Das heißt auch, Waren bis vor die Haustüre zu liefern. Außerdem mussten wir mit einer sehr schwankenden Nachfrage umgehen. Es war schwierig, genug Produkte vorrätig zu haben und gleichzeitig keinen Überschuss zu lagern, den wir hätten wegschmeißen müssen,“ erklärt Mezgolits das Geschäft der vergangenen Wochen. „Neben Einkäufen liefern wir mit unserem Service ,Mama kocht‘ auch Essen nach Hause. Es freut uns, dass das sehr gut angenommen wurde. Wir mussten unsere Öffnungszeiten reduzieren, um unsere Mitarbeiterkapazität zu konzentrieren und die vielen veränderten Aufgaben zu bewältigen. Wir sind schon ein bisschen stolz, dass wir auf alle veränderten Kundenwünsche eingehen konnten. An dieser Stelle möchte ich mich vor allem bei unseren Mitarbeitern bedanken, die die Situation wirklich meisterhaft bewältigt haben“, so Mezgolits.

Auf die Frage, wann und wie es mit dem Dorfladen weitergeht zeigt sich Mezgolits optimistisch: „Wir werden „Mama kocht“ wieder ab Dienstag, dem 19. Mai unter Einhaltung der Richtlinien öffnen. Aufgrund der veränderten Situation gibt es weniger Sitzplätze und daher ist es besonders wichtig, rechtzeitig zu reservieren. Natürlich bieten wir auch zusätzliche Plätze im Freien an. Auch wenn es zunächst vielleicht etwas ungewohnt wird, freuen wir uns schon sehr auf unsere Gäste.“

Egal ob in der Stadt oder im Bezirk, egal ob gehobene Gastronomie oder bodenständig – die Wirte stellen sich derzeit die gleiche Zukunftsfrage. Ab Freitag können die Gäste diese beantworten.