Ludwig Fingerhut: Von Grizzlys und Schülern

Die Lehrer-Legende der Mittelschule Purbach verabschiedet sich in den Ruhestand. Ludwig Fingerhut blickt er zurück auf sein Leben zwischen Schachbrettern und dem Yukon.

Erstellt am 12. Juli 2021 | 06:09
Ludwig Fingerhut
Er wehrte Grizzly-Angriffe ab, paddelte 1996 durchs Glacier Bay (Alaska) und lehrte Schülern Schach. Jetzt geht Ludwig Fingerhut in Pension.
Foto: privat;SP

Mit Ende dieses Schuljahres verabschiedet sich der Lehrkörper der Mittelschule Purbach von einem der längst dienenden Kollegen. Ludwig Fingerhut, Pädagoge aus Leidenschaft, tritt nach 45 Dienstjahren den Ruhestand an.

Fingerhut war sogar selbst vier Jahre lang Schüler der damaligen Hauptschule in Purbach. Er begann seine Lehrtätigkeit im Schuljahr 78/79 an der Hauptschule Neufeld an der Leitha. Im Schuljahr 79/80 wechselte er nach Purbach, wo er bis zuletzt die Bereiche Berufsorientierung, Integration, Schach und vieles mehr abdeckte.

Arbeiten mit Sehbehinderten Menschen

Ein Zusatzstudium als Sonderpädagoge mit Schwerpunkt „Blind und Sehbehindert“ machte ihn im Bezirk Eisenstadt zum Experten und Ansprechpartner für sonderpädagogische Fragen. Und so kam er neben seiner Stammschule in Purbach auch als Lehrer in den Volksschulen Donnerskirchen, Schützen am Gebirge, Oslip, St. Margarethen, Rust und Oggau zum Einsatz.

Ludwig Fingerhut
privat;SP

Sein Unterricht an der Mittelschule fand oft disloziert und ganzheitlich statt – ganz selbstverständlich und damals ohne moderne pädagogische Konzepte, die heute Ähnliches propagieren. So war es ihm beispielsweise immer wichtig, dass die SchülerInnen im Geschichteunterricht zunächst einmal hautnah die Lokalgeschichte von Purbach und der umgebenden Region erfahren, bevor sie sich ins weltgeschichtliche Geschehen stürzten.

„Auf diese Art ist es viel einfacher, bei den Kindern Interesse an Geschichte zu wecken. Wenn wir uns zum Beispiel beim Purbacher Türken, der Bernsteinstraße oder den Hügelgräbern auf Spurensuche begeben, wird das Unterrichtsfach lebendig“, so Fingerhut.

Oberster Schach-Lehrer des Landes

1989 begann er an der Schule mit großem Erfolg Schach zu unterrichten. Drei Landesmeistertitel bei den Burschen und zehn Landesmeistertitel bei den Mädchen sprechen eine eindeutige Sprache. Als Schachtrainer und Schiedsrichter ist Fingerhut weit über die Landesgrenzen bekannt.

Außerdem betreute er als langjähriger Jugendreferent des Burgenländischen Schachverbandes die Auswahlmannschaften des Landes bei diversen Staatsmeisterschaften. Mit seiner Schulmannschaft war er jahrelang als Vertreter des Burgenlandes bei grenzüberschreitenden Bewerben der Alpen-Adria-Jugendschachgala in Kärnten sehr erfolgreich. Bei den Jugend Europa- und Weltmeisterschaften knüpfte Fingerhut zahlreiche Bekanntschaften mit den ganz großen Schachspielern dieser Welt.

Der Lehrer war auch federführend an vielen Projekten beteiligt. Besonders zu erwähnen wären hier sicher die Umweltprojekte in Zusammenarbeit mit dem Burgenländischen Müllverband, die mit der Auszeichnung des „Goldenen Mistkäfers“ ihren Höhepunkt fanden.
Aus der Zusammenarbeit mit dem Imkereiverband Burgenland und dem Martinsschlössl Donnerskirchen ist ein weiteres einzigartiges Projekt entstanden, bei dem die Schüler Einblicke in das Imkerhandwerk bekommen und ihren Schulhonig selbst produzieren können.

Stärker als ein Grizzly-Bär

Neben dem Schachsport war Fingerhut privat immer dem Abenteuer zugetan. So bestieg er den Großglockner, war mit dem Kanu am Yukon in Kanada unterwegs, befuhr im Rafting Boot den Grand Canyon oder bereiste unter anderem den Jangtsekiang, den Nil und selbstverständlich auch die Donau.

Ludwig Fingerhut
privat;SP

Mehrere Sommer verbrachte er in der Wildnis Alaskas. Legendär sind seine Schilderungen von Begegnungen mit Bären und wie er zusammen mit seinem Begleiter einen Angriff eines Grizzlybären auf Kodiak abwehren musste.

Neben seinen schulischen Aktivitäten ist der Donnerskirchner auch in seinem Heimatort recht aktiv. Seit 2007 ist er Mitglied des Gemeinderates, wobei er sich besonders für ein lebenswertes und gerechtes Zusammenleben in Donnerskirchen einsetzt.

Es ist also sehr schwer, sich vorzustellen, dass es ihm im Ruhestand langweilig werden könnte.
Die BVZ wünscht Fingerhut alles Gute für die wohlverdiente Pension!