Die Pfarren St. Margarethen, Oggau, Rust und Mörbisch werden seit September in einem gemeinsamen Seelsorgeraum geführt. Im Gespräch mit Daniel Freismuth (BVZ) erklären der neue Pfarrleiter und die Sekretärin des neuen Seelsorgeraums, welche Veränderungen und Vorteile der Seelsorgeraum mit sich bringt.
„Mr. Wunderbar“ Harald Serafin von der Bühne des Lebens abberufen
Nachruf Harald Serafin
Die Welt ist ein Stückchen ärmer geworden. „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin ist am Montag im Alter von 93 Jahren verstorben. Unumstritten war er einer der letzten großen Charmeure der Nation, ein Entertainer der seinesgleichen sucht, ein Sänger, der jede Rolle zu einer besonderen gemacht hat. Ohne sein Wirken hätten die Seefestspiele in Mörbisch niemals den weltweiten Ruf eines Operettenmekkas erreichen können.
Ein unvergessliches Erlebnis: Nina Mayer (BVZ) beim Interview mit Familie Serafin. Daniel Serafin, Intendant der „Oper im Steinbruch“ in St. Margarethen, Ingeborg „Mausi“ Serafin und „Mr. Wunderbar“ Harald Serafin. Juli 2025.
© Nina Mayer
Halten wir einen kleinen Moment inne und erinnern uns zurück an Harald Serafin. Denken wir mit einem liebevollen Lächeln an sein ansteckendes Bariton-Lachen, an seine Mimik und Gestik, sein Temperament und seinen Charme. Kaum ein Künstler, der mit einer derartigen Bühnenpräsenz aufwarten konnte und alle Herzen wie im Flug eroberte.
Weltweite Auftritte an großen Häusern feierte er. Zwei Paraderollen waren ihm aber förmlich auf den Leib geschnitten. Zum einen war es die des Eisensteins in der Operette „Die Fledermaus“. Unglaubliche 700 Male verkörperte er den „Herrn Marquis“ und erfreute mit dem „Anstand, so manierlich, diese Taille fein und zierlich“.
Zum zweiten war es die Darstellung des Danilo in Lehárs „Die lustige Witwe“. An 1 700 Abenden schlüpfte „Mr. Wunderbar“ in diese Figur und an jedem einzelnen lachte das Publikum mit ihm, wenn er voller Überzeugung sang: „Da geh' ich ins Maxim, dort bin ich sehr intim. Ich duze alle Damen, ruf sie beim Kosenamen ...“
Ein Gentleman vom Kopf bis zur Sohle
Harald Serafin glänzte wo immer er auftrat. Stets war er gut gelaunt, freundlich, immer ein charmantes Wort auf den Lippen, die manche Damen schon mal gerne mit einem Küsschen auf die Wange oder die Hand beglückten.
Der Beifall seines Publikums war ihm Plaisier und höchster Lohn, stachelte ihn zu Höchstleistungen an, die ihm zahlreiche Auszeichnungen einbrachten. Unter anderem das „Komturkreuz mit Stern des Landes Burgenland“, sowie das „Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst“.

© Nina Mayer
Nicht immer war es wunderbar
Glanzvoll sein Leben, doch seine Biographie betitele Harald Serafin mit „Es war nicht alles wunderbar“. Harald Serafin wurde als „Christkinderl“ am Weihnachtsabend 1931 in Litauen geboren. Dunkle Zeiten musste seine Familie erleben, als die Russen einmarschierten. Bombenhagel, Gewaltmärsche, Flucht nach Deutschland, wo sich die Familie nach 1945 eine neue Existenz aufbaute.
Die Kriegsgräuel prägten Haralds Kindheit. Erst Musik vermochte den Jungen von seinen Albträumen zu befreien. „Die Umwandlung des seelischen Überdrucks in Töne“, wie er es selbst beschrieb. Zum Glück hatte Harald Serafin von seiner Mutter deren lustige Art und deren Talent vererbt bekommen und so überwand er die Traumata und lächelte sie weg.
Humor als beste Medizin
Das Lächeln sollte ihm bis zu seinem Tod bleiben, der Humor auch. Selbst, als er 1989 wegen einer Stimmbandoperation das Singen aufgeben musste, machte er das Beste daraus. Übrigens: wäre es nach seinen Eltern gegangen, hätte er Arzt werden sollen. Bestimmt hätte er mit seinem positiven, sprühenden Wesen auch als solcher viel Gutes getan, aber er folgte seinem Herzen, pfiff ein Liedchen aufs Medizinstudium und ließ sich zum Opernsänger ausbilden. Zum Glück für die Kulturwelt Österreichs.
1992 übernahm Harald Serafin für 20 Jahre die Intendanz der Mörbischer Seefestspiele. Innerhalb weniger Saisonen schaffte der singende Bonvivant der Operette das Wunder und entwickelte diese zum „Mekka der Operette“. Alles krempelte er um, der Erfolg gab ihm Recht. 220.000 Besucher pro Saison strömten in den Ort am Neusiedler See, um unter anderem auch „Mr. Wunderbar“ selbst auf der Bühne zu sehen.
S'ist einmal im Leben so ...
Unvergessen berührend sein „S'ist einmal im Leben so, allen geht es ebenso: g'rad der allerschönste Traum, bleibt nur Schaum!“ Träume wurden ihm Gott sei Dank Zeit seines Lebens viele erfüllt. Beruflich, wie auch privat. Er hinterlässt seine geliebte Frau Ingeborg, die er zärtlich „Mausi“ nannte, seinen Sohn Daniel, der mittlerweile selbst Intendant der Oper im Steinbruch in St. Margarethen ist und seine Tochter Martina.
Vielleicht noch zu seinem Kosenamen „Mr. Wunderbar“. Den hat er sich in seiner Funktion als Juror von „Dancing Stars“ eingehandelt, nämlich für seine „Wunderbar!“-Ausrufe, die Tanzleistungen der Paare betreffend. Man darf sagen: ein passenderer Beiname wäre nicht denkbar!
Es war uns eine Ehre!
Zum Schluss sei ein Zitat des Opernsängers erwähnt: „Ich habe überhaupt keine Angst vor dem Tod. Wenn er kommt, dann soll er mich streichelnd mitnehmen. Und vielleicht ein Liedchen dabei pfeifen. 'Adieu, mein kleiner Gardeoffizier'“.
Nun bleibt nur noch eines: mit Tränen in den Augen einen tiefen Knicks zu machen und zu sagen: „Mr. Wunderbar! Es war uns eine Ehre und ein Vergnügen! Du hast die Welt zu einem schöneren und glanzvolleren Ort gemacht! Danke für alles!“