Stadt und Bezirk Eisenstadt droht ein „Absagen-Sommer“

Die Absagen der großen Kulturevents und Volksfeste treffen Hotels, Tourismus und auch Winzer hart. Ein BVZ-Überblick zwischen Hoffnung, Verschiebung und Absage.

Erstellt am 24. April 2020 | 05:09
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Die Corona-Maßnahmen untersagen größere Events im Kulturbereich bis 31. August. Das führte zu Absagen der Oper im Steinbruch, der Seefestspiele Mörbisch und der Lovely Days in Eisenstadt. Die Regelung betrifft auch die traditionellen Volksfeste in Eisenstadt (Wein- und Genusstage, Georgikirtag) und Winzerkirtag).

Abgesagter Georgikirtag trifft UFC und Winzer

St. Georgens Stadtbezirksvorsteherin Heidi Hahnekamp seufzt: „Es wäre so ein schöner Auftakt für die Frühlings- und Sommersaison geworden!“ Der UFC St. Georgen und sie mussten den Georgikritag absagen, der eigentlich für das kommende Wochenende geplant gewesen wäre.

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Obmann Erwin Nemeth trifft die Absage hart: „Es ist natürlich für uns ein herber Verlust den Georgi-Kirtag abzusagen. Spannend wird auch die Verteilung von den aus der Politik genannten Förderungen, da wir doch einen bedeutenden Teil unserer Einnahmen aus diesen Veranstaltungen beziehen.“ Hahnekamp ergänzt: „Das wären wichtige Einnahmen für unsere Sportler, aber auch unsere Winzer gewesen. Diese haben es derzeit ohnehin schon so schwer, da ihnen das Geschäft mit der Gastronomie gänzlich weggebrochen ist.“

Winzerkirtag: Hoffnung stirbt zuletzt

Der 42. Winzerkirtags Kleinhöflein hätte von dritten bis zwäöften Juli stattfinden sollen. Noch steht der Termin.

„Die Leute wollen den Winzerkirtag, den sie seit Jahrzehnten kennen und schätzen. Ein Traditionsfest wie unseres kann man nicht verschieben oder in einem kleineren Rahmen aufziehen. Es gibt für uns Kleinhöfleiner Winzer nur zwei Möglichkeiten: durchziehen oder absagen“, stellt der Obmann des Winzerkirtags, Stefan Kaiser, klar.

Er will auf einen endgültigen Bescheid der Bundesregierung warten, der spätestens Mitte Mai kommen soll. Die derzeitigen Bestimmungen gelten, so Kaiser, für den Kulturbereich. Bis dahin heißt es hoffen. Aber Kaiser fügt hinzu: „Gut, schaut es nicht aus.“

Glück im Unglück für Wein- und Genusstage

In der letzten August-Woche hätten Wein- und Genusstage in der Eisenstädter Fußgeherzone stattfinden sollen.

Dieser späte Termin war das Glück im Corona-Unglück für die Landeshauptstadt: Organisator Josef Weidinger konnte gemeinsam mit Winzern und Gastronomen das Fest um eine Woche auf zweiten bis sechsten September verschieben.

Keine Lovely Days im Schlosspark

Ein weiterer Rückschlag für die Landeshauptstadt: Auch die für vierten Juli geplanten Lovely Days sind abgesagt. Die tausenden Gäste bleiben aus. Das schmerzt das größte Hotel der Stadt: „Wir liegen touristisch gesehen am Boden“, versucht Hotel Burgenland-Direktor Alfred Diwald die Lage gar nicht erst zu beschönigen. Sein Hotel hat zu, dieses Minus sei so schnell nicht mehr aufzuholen.

Diwalds Hoffnung liegt – sobald die Hotels wieder öffnen dürfen – auf dem Trend zur Regionalität: „Jetzt heißt es, die eigene Heimat zu erkunden“, lädt Diwald insbesondere die Burgenländer ein, „Urlaub zu Hause“ zu machen.

Esterhazy: Immerhin bleibt „Herbstgold“

Für die Esterhazy Gruppe kommen zur Absage der Lovely Days auch noch die der Operin St. Margarethen sowie viele ausgefallene Events und Aktivitäten in den Schlössern Esterhazy, Lackenbach und der Burg Forchtenstein.

Die große Schwierigkeit seien die Proben gewesen, heißt es auf Nachfrage der BVZ. Diese müssen lange vor der Premiere beginnen, viele Künstler kämen dazu aus Ländern wie den USA, in denen die Corona-Infektionen derzeit noch dramatisch zunehmen. Eine Absage der Probe-intensiven Events sei daher die einzige Option gewesen.

Was das finanziell bedeutet? Das sei derzeit noch schwer zu quantifizieren. Immerhin bleibt die Eventreihe „Herbstgold“.

Als Winzer und Wirt von Absagen betroffen

Gleich in mehrerlei Hinsicht betroffen ist der Ruster Vize-Bürgermeister, Georg Seiler: Nicht nur in der Politik, auch als Winzer und Heurigenwirt bekommt er die Auswirkungen hautnah zu spüren. Die Frage ob es ein Minus geben wird, stellt sich für ihn heuer gar nicht, eher wie groß es wird.

Und Seiler meint: „Es ist von einem großen Minus auszugehen. 30 bis 50 Prozent könnten es schon werden.“ Genaueres sei allerdings schwer abzuschätzen, nachdem noch niemand weiß, „wie schnell die Gastronomie wieder anläuft.“

Mittlerweile steht zumindest fest, dass ab 15. Mai die ersten Gasthäuser und Heurigen wieder öffnen dürfen — allerdings noch nicht, unter welchen Bedingungen dann die Betriebe arbeiten müssen.

Die Gastronomie ist aber auch für den Weinverkauf ein wichtiger Umsatzbringer, da diese zu einem Großteil heimische Weine ausschenken. Auch die Weinhändler kaufen derzeit nichts, da ihre Abnehmer eben die Gastronomen sind.

Die wichtigste Einnahmequelle für die Winzer ist und bleibt aber der Weinverkauf Ab-Hof. „Wir sind sonst so verwöhnt, dass die Leute einfach zu uns kommen und Ab-Hof einkaufen. Jetzt geht es uns wie den meisten Winzern außerhalb von Rust, jetzt müssen wir auf die Kunden zugehen“, brachte es Winzer-Kollege Stefan Landauer auf den Punkt.

Mörbisch setzt auf Natur und Entschleunigung

Auch in der Festspielgemeinde Mörbisch ist das Minus in der Bilanz schon fix. „Wir haben natürlich viele Stornierungen“, lässt Tourismus-Geschäftsführerin Andrea Posch wissen. „Viele Vermieter reagieren darauf aber mit Gutscheinen, damit die Gäste im späten Sommer oder im Herbst noch nach Mörbisch kommen können.“ Das Angebot werde sehr gut angenommen, „viele wollen uns die Treue halten“, freut sich Posch.

Die Absage der Seefestspiele trifft den Tourismus und die Gastronomie zwar hart, aber die Gemeinde habe auch sonst für Gäste viel zu bieten: „Viele wollen kein High-Life, sondern Ruhe und Entschleunigung.“ Rad-Touren und Picknicks sind weiterhin möglich und locken in die Seegemeinde. Auch wenn das Freibad noch geschlossen bleibe, kann man die Ruhe genißen und im See schwimmen. „Nur in Mörbisch kann man direkt direkt vom Ufer weg schwimmen, da die Wassertiefe es bei uns zulässt“, so die Tourismus-Chefin stolz.

Während die Seefestspiele schon fix abgesagt sind, herrscht bei anderen Events noch Hoffnung. Bei den anderen Veranstaltungen auf der Seebühne wartet man noch zu, auch für die Veranstaltungen der Gemeinde gibt es noch Hoffnung. Grundsätzlich bleibt man in Mörbisch jedenfalls trotz der ungünstigen Ausgangssituation positiv. Posch schätzt, dass „die Leute sich schon nach Urlaub sehnen“ — und diesen dann hoffentlich in Mörbisch verbringen.

Absage der Oper und gesperrter Familypark

Auch in Festspielgemeinde St. Margarethen scheint das Minus in der Bilanz schon gewiss. Die Absage der Oper im Steinbruch und der geschlossene Familypark haben allerdings negative Folgen für die gesamte Region. „Die Auswirkungen werden wir definitiv spüren“, erklärt Bürgermeister Eduard Scheuhammer.

Zahlen will er keine nennen, auch weil die weitere Entwicklung noch nicht absehbar ist. „Wir sind nicht die größte Tourismusgemeinde, aber wir bringen die Frequenz für die gesamte Region“, bringt der Ortschef es auf den Punkt.

Ein Wermutstropfen ist dagegen, dass die Besucher von Oper und Familypark eher Tagesgäste sind und daher nicht so dramatische Auswirkungen auf die Nächtigungszahlen haben. Vor allem die Gastronomie ist jedoch dadurch betroffen.

Auch die Gemeinde selbst bekommt die Maßnahmen zu spüren, etwa in Form von Stundungen oder entgangenen Kommunalsteuern. Die Politik müsse nun „besonders vorsichtig mit Investitionen umgehen und weniger dringende Themen hinten anstellen. Das ist natürlich ein Grundprinzip für Bürgermeister“, so Scheuhammer.

Keine Feiern zum 750. Geburtstag von Purbach

Die Stadtgemeinde Purbach feiert heuer ihren 750. Geburtstag. „Dieser Anlass muss natürlich gebührend gefeiert werden“, so der ehemalige Bürgermeister und Organisator Franz Steindl. Auf Grund der Corona-Maßnahmen werden die Feierlichkeiten allerdings nicht wie geplant Ende August, sondern erst im Herbst stattfinden.

Zum Jubiläum wurde auch ein Ideenwettbewerb zur Zahl „750“ ausgeschrieben, an dem sich viele Privatpersonen und Organisationen beteiligt haben. Insgesamt wurden 40 Ideen zur Zahl „750“ eingereicht. Die Organisation und Finanzierung übernimmt der jeweilige Ideenbringer.

Eine dieser Ideen sind etwa 750 Lavendel in der Purbacher Kellergasse, die bereits in Arbeit sind. „Ich bin auf das tolle Engagement meiner Stadtbewohner sehr stolz. Es zeigt auch die große Bereitschaft zur Zusammenarbeit der Bevölkerung“, freut sich Bürgermeister Richard Hermann.