Martina Bugnits: „Man muss flexibel bleiben“

Erstellt am 19. Mai 2022 | 05:20
Lesezeit: 4 Min
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Martina Bugnits ist seit 1. April die neue Schulqualitätsmanagerin für die Bezirke Güssing und Jennersdorf. Sie bringt Jahrzehnte an pädagogischer Erfahrung in ihren neuen Job mit.
Foto: Silke Katschner
Die neue Schulqualitätsmanagerin für das Südburgenland Martina Bugnits bringt reichlich Erfahrung, viel Empathie und die richtige Portion Pragmatik für ihre neue Aufgabe mit.
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War es früher der Bezirksschulinspektor, ist es heute Schulqualitätsmanagement – und diese Aufgabe hat seit 1. April Martina Bugnits inne, die die Nachfolge von Gerlinde Potetz angetreten hat. Welche Ziele sie sich gesteckt hat, wie Schulen die Coronakrise meisterten und warum Werken beinahe „ausstirbt“, erzählt sie im Gespräch mit der BVZ.

BVZ: Bitte skizzieren Sie kurz Ihren beruflichen Werdegang.

Martina Bugnits: Ich ging in Güssing zur Schule, habe auf der Pädagogischen Hochschule Wien die Lehramtsfächer Mathematik, Physik, Chemie und Informatik studiert und bin dann 1993 in den burgenländischen Schuldienst eingestiegen – in die Sonderschule Jennersdorf. Ich muss sagen, dort habe ich dann auch mein Herz an die Sonderpädagogik verloren.

Nachdem ich die erforderlichen Qualifikationen berufsbegleitend erworben habe, wurde ich nach einiger Zeit nach Güssing versetzt. Nach der Karenzzeit war ich kurz im BFI tätig und bin 2004 wieder in den Schuldienst in der Sonderschule Güssing eingetreten; zuerst als Klassenlehrerin, ab 2007 dann in leitender Position. Parallel dazu leitete ich von 2017 weg auch die Mittelschule Güssing. Das war auch eine tolle Erfahrung!

BVZ: Inwiefern hat sich das Tätigkeitsfeld vom Bezirksschulinspektor zum SQM verändert?

Martina Bugnits: Die klassischen Tätigkeiten haben sich modernisiert, Bereiche sind dazu gekommen, die jetzt sehr wichtig sind. Alle Schulen müssen sich mit Qualitätsmanagement beschäftigen und Pläne verfassen, wie sie ihre Qualität verbessern wollen. Das ist ein Schwerpunkt, der bei uns in der Tätigkeit sehr intensiv dazugekommen ist.

Eine meiner konkreten Aufgaben ist es, die Schulen bei ihren Qualitätsmanagementprozessen zu unterstützen. Wichtig ist außerdem, Reformvorhaben des Ministeriums in die Schulen zu bringen, als Ansprechpartnerin zu fungieren und zu schauen, wie man das für unsere Region gut umsetzen kann.

BVZ: Welche Ziele haben Sie sich für ihre neue Aufgabe gesteckt?

Martina Bugnits: Ich möchte ein guter Ansprechpartner für die Schulen sein, da wir sehr herausfordernde Jahre hinter uns haben. Das Lehrpersonal und die DirektorInnen waren sehr gefordert und ich möchte unterstützend wirken. Ein weiteres großes Ziel ist das Vorantreiben der Schulentwicklung hin zu Rahmenbedingungen, in denen Kinder bestmöglich lernen können, damit sich Kinder bestmöglich entwickeln. Hier ist für mich auch die sehr Schuleingangsphase wichtig.

BVZ: Was hätte man während den Schulschließungen besser machen können, was hat gut funktioniert?

Martina Bugnits: Ich habe die Schließungen sehr nah miterlebt und es war dann tatsächlich so, dass bei der allerersten Schulschließung am Freitag das Gefühl entstanden ist: Da kommt jetzt was. Keiner konnte sich das vorstellen. Und ich finde, dass die Schulen wirklich Herausragendes geleistet haben. Am Montag sind die Kinder nicht mehr in die Schule gekommen und innerhalb von einer Woche haben wir sie aber bespielt. Das ist eigentlich ein Wahnsinn für alle Beteiligten gewesen.

Da haben wir nicht großartig geplant und erst drei Arbeitsgruppen installieren müssen, sondern da waren Kinder und die mussten weiterhin unterrichtet werden. Ob analoge oder digitale Arbeitspakete; die Kinder hatten nach der ersten Woche alle ein Arbeitspaket. Die Schulen und die KollegInnen haben das sensationell gut hinbekommen. Corona war eine Chance für Selbstorganisation und das ist ein Part, an dem wir dranbleiben sollten. Alles in allem haben wir sehr viel dazugelernt.

BVZ: Gibt es genug Pädagogen in den Bezirken?

Bugnits: Derzeit sehe ich keinen Mangel, allerdings sind von der Fächerkombination her nicht alle gut abgedeckt. Bei Mathematik oder naturwissenschaftlichen Fächern hat man nicht gleich auf jedem Finger einen Bewerber und in den nächsten fünf bis zehn Jahren werden einige WerklehrerInnen in Pension gehen. Das hat man nicht so am Radar, aber es ist im Lehrplan und das werden wir dann auch brauchen. Junge KollegInnen sind jedoch oft flexibel und bereit, ein zusätzliches Lehramtsstudium anzuhängen.

BVZ: Wie sehen die Planungsarbeiten für das kommende Schuljahr 2022/23 aus?

Bugnits: Das ist momentan ein großer Schwerpunkt. Prinzipiell steht ein Raster, allerdings ist die Schwankungsbreite groß. Gerade auch wegen der ukrainischen Kindern, von denen 60 in beiden Bezirken zur Schule gehen, kann man schwer sagen, ob sie im September noch da sind oder nicht. Das macht die Planung schwierig und erfordert Flexibilität. Aber das Grobgerüst steht und es wird überall eine Lehrperson da sein! *lacht*

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