Großprojekte ruhen im Bezirk Mattersburg. Große Ungewissheit bei den Baumeistern aus dem Bezirk Mattersburg. Man hofft, dass die Maßnahmen der Bundesregierung auch in der Baubranche funktionieren.

Von Richard Vogler, Helga Ostermayer, Christian Artner und Harald Leitner. Erstellt am 28. März 2020 (02:09)
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Die meisten Baustellen stehen still, für die Baufirmen bedeutet dies eine ungewisse Zukunft. Die BVZ hörte sich bei Betroffenen um.

Beim Rohrbacher Baumeister Michael Vogler :

Bei Vogler stehen aktuell zwei Großprojekte am Neusiedlersee und in Wien still. Die Teilreste der Einarbeitung vom vergangenen Jahr werden diese Woche aufgebraucht. Danach ist geplant, dass die Arbeiter und Angestellten einen zwei- oder dreiwöchigen Urlaub beanspruchen. „Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Personal diesem auch zustimmt“, so Vogler. Geht es nach Vogler, so wird „die anstehende Wirtschaftskrise jeden treffen. In der Baubranche hängt vieles zusammen.“

Der Baumgartener Baumeister Karl Schiller (Schiller GmbH) :

„Alle unsere Großprojekte - zwei in Siegendorf, eines in Mörbisch und eines in Baumgarten - ruhen derzeit, weil die OSG einen Baustopp ausgegeben hat“, so Schiller. „Zurzeit sind wir mit unserer Firma alleine und mit dem nötigen Sicherheitsabstand auf kleinen Baustellen für Einfamilienhäuser. Unsere Arbeiter wären willig, ihren Job zu verrichten, weil sie die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen treffen können. Jetzt versuchen wir eine Lösung zu finden, indem wir rückwirkend mit 1. März Kurzarbeit anmelden und unsere Leute sind froh darüber, denn so können sie ihre Arbeit behalten. Für uns Unternehmer ist das eine vertretbare Lösung.“ Schiller blickt in eine ungewisse Zukunft: „Wie es weitergeht, wissen wir natürlich noch nicht, ebenso wenig ob wir nächste Woche noch auf unseren privaten Baustellen arbeiten werden können, denn die Zulieferer werden zusperren.“

Herbert Trimmel von der Schattendorfer Firma Trimmel Hoch- und Tiefbau GmbH :

„Wir haben in unserem Betrieb auf unseren fünf großen Baustellen komplett heruntergefahren und arbeiten derzeit gar nicht und die Zulieferung ist stark eingeschränkt. Meine Leute habe ich auf Urlaub geschickt. Wie das danach mit dem Kurzarbeitsmodell funktionieren wird, dass weiß man noch nicht, weil man da täglich etwas anderes hört.“ Er fährt fort: „Ein paar Wochen halten wir das durch, da bin ich optimistisch, aber dann wird es schwierig. Ich hoffe, wir finden eine gute Lösung beim Kurzarbeitsmodell.“

Ob die Bundesregierung alles richtig gemacht hat, steht für Herbert Trimmel außer Zweifel: „Ich bin der Meinung, dass sie alles richtig gemacht hat. Ob und wie die Hilfspakete umgesetzt werden, das werden wir ja sehen. Ich will meine 20 Leute natürlich nicht kündigen. Wir alle können nur hoffen, dass diese Maßnahmen, die jetzt gesetzt wurden, auch fruchten.“

Baumeister und Bauunternehmer Robert Peterlik aus Neudörfl:

Peterlik bietet mit seiner Baufirma ein umfassendes Leistungsspektrum an, das von der Planung über Gutachten bis hin zur Ausführung reicht. Auch er musste sich an die neuen Gegebenheiten anpassen. Zwar gäbe es keine behördlichen Anweisungen, Baustellen zu schließen, „wenn aber das Personal sich krank meldet oder Subunternehmen und Zulieferer ausfallen, funktioniert es einfach nicht mehr.“ Eine große Ungewissheit seien folglich mögliche Schadensersatzforderungen, sogenannte Pönale, von Auftraggebern. „Das wird sicherlich ein Thema werden. Wie das unser Staat regeln wird, weiß ich noch nicht.“ Peterlik hat sich bereits diesbezüglich bei der WK informiert. „Es sind verschiedene Vorschläge unterbreitet worden, aber noch nichts Konkretes. Wenn man nicht möchte, dass vier von fünf Bauunternehmen innerhalb der nächsten Wochen und Monate Konkurs anmelden, muss von staatlicher Seite irgendetwas kommen.“ Peterlik erhofft sich hier auch ein Entgegenkommen der Auftraggeber. „Auch wenn der Gesetzgeber nicht verbietet, dass wir weiterarbeiten, darf man das nicht zwingend als eine Aufforderung zum Weiterarbeiten ansehen.“

Auf die Baubranche sieht er eine große Kündigungswelle zukommen. Inwiefern seine Firma davon betroffen sein wird, kann er noch nicht abschätzen. „Das hängt davon ab, wie lange die Maßnahmen aufrecht erhalten bleiben. Als ein gesundes Unternehmen können wir die Situation eine Zeitlang überbrücken.“ Anpassung und ein wenig Kreativität seien darüber hinaus notwendig. „Nachdem Bauen nicht das einzige ist, was wir machen, sondern auch Planung und sehr viele Gutachten, gibt es schon die Möglichkeit, einiges vom Büro aus zu machen.“ Peterlik bietet zum Beispiel Schadensgutachten per Videochat an. „Eigentlich das, was wir seit eh und je machen, nur mit dem kleinen Unterschied, dass der Kunde selbst mit dem Smartphone durch das Haus gehen und mir den Riss in der Wand zeigen muss und vielleicht das Lineal hinhält oder die Wand abklopft. Daraus kann ich gewisse grundlegende Schlüsse ziehen, Gutachten erstellen und Kostenvoranschläge unterbreiten.“

Bauunternehmen Schöll Bau aus Forchtenstein :

Dieses hat aufgrund der aktuellen Lage den Betrieb vorerst eingestellt. Für die Mitarbeiter einigte man sich auf die neue Regelung für Kurzarbeit und alle Baustellen, die zurzeit betreut werden, stehen still.