Bezirk Mattersburg: Jugendlicher brach Polizist die Nase

Gewalttätig

Ein 16-jähriger brach einem Polizisten, der einen Streit schlichten wollte, die Nase. Weiters auf der Anklagebank: Der Bruder des 16-Jährigen und drei weitere junge Männer.

Von Elisabeth Kirchmeir

Fünf junge Männer im Alter von 16 bis 18 Jahren mussten sich vor Gericht verantworten.

Fünf junge Männer im Alter von 16 bis 18 Jahren mussten sich vor Gericht verantworten.

© BVZ/Kirchmeir

Am 20. Jänner 2024 war es in einer Ortschaft im Bezirk Mattersburg am Rande einer Veranstaltung zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen gekommen. Ein Gast, von Beruf Polizist, jedoch an diesem Abend nicht im Dienst, wollte den Streit schlichten. Er zog einen der Beteiligten, einen 16-jährigen Jugendlichen aus dem Bezirk Oberpullendorf, aus der Gruppe der Raufenden.

Der 16-Jährige ballte die Faust und schlug dem Polizisten ins Gesicht. Der Polizist erlitt einen verschobenen Nasenbeinbruch und machte beim Gerichtsverfahren am 18. Juli 2024 in Eisenstadt 4.000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz geltend.

Der 16-Jährige gab vor Gericht zu, dem Polizisten den Faustschlag versetzt zu haben. „Ich habe vier Fäuste direkt auf meine Nase bekommen“, behauptete der Jugendliche vor Gericht. „Danach wollte ich mich von ihm losmachen.“

Polizist wollte die Raufenden trennen

„Man kann ja nicht irgendjemandem auf die Nase schlagen!“, ermahnte ihn Richterin Gabriele Nemeskeri. Der Polizist habe ihn und die anderen Raufenden nur trennen wollen.

Der 16-Jährige war auch dabei gewesen, als am 6. Jänner 2024 ein Jugendlicher in Oberpullendorf verprügelt wurde. Zu dritt gingen die Burschen auf ihn los, das ist auch auf einem Video zu sehen, das die Richterin den Angeklagten zeigte. Wie der Bruder des Erstangeklagten berichtete, soll es um Drogen gegangen sein. Das Opfer soll in einem Lokal „herumerzählt haben, dass ich und mein Bruder Kokain ziehen. Das war der Auslöser“, so der 17-jährige Angeklagte.

Der Erstangeklagte wiederum behauptete, das Opfer habe seinem Bruder Drogen geben wollen, und jener 16-jährige beschäftigungslose Jugendliche aus dem Bezirk Oberpullendorf, der dem Opfer den ersten Schlag versetzt hatte, sprach vor Gericht von „gestrecktem Gras. Das hat uns nicht gefallen.“

Angreifer gab Opfer eine „Respektwatsche“

„Ich bin ehrlich, ich habe ihm drei Fäuste gegeben“, sagte dieser 16-Jährige und gab auch zu, für eine „Respektwatsche“ verantwortlich zu sein. Dieser Begriff war auf der Videoaufnahme zu hören gewesen. „Was soll das sein?“, fragte die Richterin. „Es ist unglaublich, wie ihr jungen Leute untereinander umgeht.“ Heldenhaft sei es jedenfalls nicht, zu dritt auf einen Einzelnen loszugehen.

Ein dritter 16-jähriger Beteiligter behauptete vor Gericht, bei dem Vorfall am 6. Jänner so stark alkoholisiert gewesen zu sein, dass er sich an nichts mehr erinnern könne. Er wurde aber von den gleichaltrigen Mitangeklagten belastet und soll auch auf dem Video zu sehen sein, wie ihm die Richterin vorhielt. „Ich kann mich nicht erkennen“, behauptete der Angeklagte stur.

Das Opfer der Rauferei hatte bei der Attacke sein iPhone verloren. Dieses soll der Erstangeklagte eingesteckt und damit später vor dem Zweitangeklagten geprahlt haben. Vor Gericht bestritt der Erstangeklagte, mit dem verschwundenen Handy etwas zu tun zu haben. Sein Freund blieb aber dabei: „Er hat mir das Handy gezeigt, ich sage die Wahrheit.“

Zigarettenautomat geplündert

Dem Erstangeklagten wurde weiters vorgeworfen, am 11. Juni 2023 im Bezirk Mattersburg mit einem Stein die Verglasung eines Zigarettenautomaten eingeschlagen und E-Zigaretten, „Snooze“ und acht Packungen Zigaretten im Gesamtwert von 1.500 Euro gestohlen zu haben.

Für diese Straftat hatte er bereits eine Diversion erhalten, aber nur sechs der angeordneten Sozialstunden absolviert. Nun musste er sich auch wegen dieses Faktum vor Gericht verantworten.

Der 17-jährige Bruder des Erstangeklagten war im Juni 2023 in Wr. Neustadt mit einem Schlagring erwischt worden. Diese verbotene Waffe habe er in Wien in einem Gebüsch gefunden und nur einige Stunden lang bei sich getragen. „Er war ur-schön, mit Totenkopf“, sagte der 17-Jährige. „Aber so etwas ist verboten! Daher Finger weg!“, ermahnte ihn die Richterin.

Zugeschaut, als ein 15-Jähriger hinschlug?

Der einzige bereits erwachsene Angeklagte, ein 18-Jähriger aus dem Bezirk Eisenstadt, musste vor Gericht, weil er nicht eingeschritten sein soll, als am 31. März 2024 ein 15-Jähriger in Mattersburg einen jungen Mann zusammenschlug. Der 15-Jährige war damals mit dem 18-jährigen Angeklagten mitgefahren - „auf einen Tschick“, wie auch der 16-jährige Bruder des Erstangeklagten berichtete, der damals hinter dem Fahrer gesessen war.

„Ich hörte Musik und bekam nichts mit“, sagte der 16-Jährige, dem ebenso wie dem 18-Jährigen vorgeworfen wurde, den körperlichen Angriff nicht verhindert zu haben.

„Ich hatte im Kopf, dass ich mich zurückhalte, um nicht selbst verletzt zu werden“, sagte der 18-Jährige. Der 15-Jährige muss sich wegen der Schläge bei einem eigenen Prozess verantworten.

Prozess gegen Erstangeklagten vertagt

Der Prozess gegen den Erstangeklagten wurde am 18. Juli vertagt, weil noch ein weiterer Zeuge gehört werden soll. Der 18-Jährige wurde vom Vorwurf freigesprochen, er habe eine strafbare Handlung nicht verhindert.

Der 16-jährige Zweitangeklagte erhielt einen Schuldspruch unter Vorbehalt eines Ausspruchs der Strafe; er muss ein Anti-Aggressionstraining absolvieren und bekommt einen Bewährungshelfer.

Der Bruder des Erstangeklagten erhielt wegen des Schlagrings eine Diversion mit Probezeit, der dritte 16-Jährige muss im Rahmen einer Diversion 50 Stunden gemeinnützige Leistungen erbringen.