Die Kunst der Körperverzierung: Neudörflerin eröffnet Tattoostudio

Erstellt am 28. Mai 2022 | 05:33
Lesezeit: 4 Min
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Marlene Walcher beim Putzen der Nadeln. Sauberes Werkzeug hat höchste Priorität. „Der Ausbildung ist fast ein kleines Medizinstudium mit angehängt“, so Walcher. Foto: Karoline Singer
Foto: BVZ
Die Neudörflerin Marlene Walcher eröffnet am 28. Mai ihr eigenes Tattoostudio in Katzelsdorf. Sie erzählt, welche Tattoos derzeit besonders in Mode sind und womit der Schmerz einer Tattoonadel am ehesten zu vergleichen ist.
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Jellyfish Tattoo“ (übersetzt: Quallen.Tattoo) wird der Laden von Marlene Walcher heißen, weshalb sich gleich zu Beginn die Frage aufdrängt, warum gerade dieser Name gewählt wurde. „Die offensichtliche Antwort darauf“, erklärt Walcher lächelnd: „Auch Quallen stechen. Ich mag diese Tiere, ich bin generell ein Tierfreud, aber Quallen sind einfach super.“

Umstieg: Ausbildung fast in Rekordzeit durchlaufen

Ursprünglich hat Walcher die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt in Wien mit Matura und Diplomarbeit abgeschlossen. Bis zu Beginn der Pandemie 2020 hat sie auch als Grafikerin und Illustratorin gearbeitet. „Damals haben leider einige aufgrund der Pandemie ihren Job verloren. Deshalb habe ich mir gedacht, dann werd‘ ich jetzt endlich Tätowiererin. Der Traum, das zu machen, war irgendwie schon immer da gewesen.“

Ihre Ausbildung hat sie danach fast in Rekordzeit durchlaufen. „Oftmals brauchen Tätowierer drei bis vier Jahre, bis sie den Gewerbeschein haben. Ich habe die Grundausbildung in ein bisschen mehr als einem Jahr geschafft.“

Bis vor Kurzem noch arbeitete Walcher in einem Gemeinschaftsstudio. „Dort war ich zwar auch schon selbstständig, aber gemeinsam mit zwei anderen Tätowierern. Jetzt habe ich mir gedacht, gehe ich den nächsten Schritt und versuche es alleine.“

„Ich finde, es fühlt sich ein wenig so an wie wenn man mit einem Fingernagel, sehr, sehr fest über die Stelle kratzt“ Marlene Walcher Tätowiererin

Wie es zum Beispiel auch bei der Kleidung oder den Frisuren immer wieder neue Trends gibt, so ist es auch bei den Tattoomotiven ganz ähnlich. Ende der 90er und in den 2000ern waren bei Frauen etwa eine Zeitlang Verzierungen direkt über dem Gesäß sehr modern. „Diese sogenannten Tribals, dicke geschwungenen Formen, die ihren Ursprung bei Volksstämmen haben, waren dann auch bei Männern zum Beispiel auf dem Oberarm modern. Heute sind vor allem Mandalas sehr beliebt. Die kann man sich wie Blumenmuster vorstellen.“

Da Modetrends also auch bei Tätowierungen mitunter sehr kurzlebig sind und Tattoos im Gegensatz zu einer Frisur oder einer Hose nicht einfach nach Belieben ausgewechselt werden können, sollte man sich also sehr gut überlegen, ob man auch jeden aktuellen Trend mitgehen will. Grundsätzlich erfülle Marlene Walcher aber fast jeden Tattoowunsch.

Ein Motiv ablehnen, nur weil es ihren persönlichen Geschmack nicht trifft, das mache sie nicht. „Einzige Ausnahmen sind Hassmotive oder pornografische Darstellungen. Alles andere tätowiere ich, sofern es mir möglich ist.“

An ein ganz außergewöhnliches Tattoo erinnert sie sich noch ganz besonders. „Es war das ‚Maskottchen‘ der deutschen Punkband WIZO. Das ist ein grünes Pferd und sieht aus wie eine nicht so ganz gelungene Kinderzeichnung. Gewünscht hat es sich eine junge, hübsche Frau auf die Wade. Meine Kollegen haben alle ein wenig schief geschaut, weil das Motiv eigentlich total hässlich ist. Ich hab‘ es aber super gefunden.“

Auch Marlene Walcher hat natürlich selbst Tattoos. „Wie viele es genau sind, weiß ich nicht. Mein erstes bekam ich mit 25, also erst relativ spät. Ich habe mir auch viele während meiner Übungsphase selbst gestochen. Wenn ich sage, ich bin tätowiert, schauen mich die Leute immer ganz prüfend an.“ Bereut hat sie bisher aber noch keines ihrer Tattoos.

Wer schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sich tätowieren zu lassen, aber vielleicht vom Schmerz dabei ein wenig abgeschreckt war: wie fühlt es sich also an, so ein Tattoo in die Haut gestochen zu bekommen? „Ich finde, es ist ein wenig so wie wenn man mit einem Fingernagel, sehr, sehr fest über die Stelle drüberkratzt – sehr fest. Ganz grob kann man auch die Stelle austesten, indem man reinzwickt.“

Die Wadenaußenseite sei zum Beispiel weniger empfindlich als die Stelle seitlich an den Rippen. „Dort ist es extrem schmerzhaft.“ Es gäbe auch Betäubungscremes für Leute, die den Schmerz partout nicht ertragen. „Davon bin ich aber persönlich überhaupt kein Fan, weil es die Beschaffenheit der Haut verändert.“

Eröffnet wird „jellyfish.tatto“ also am 28. Mai (Katzelsdorf, Hauptstraße 55). Bei der Eröffnungsfeier zwischen 14 und 20 Uhr gibt es neben einem Sektempfang und einem Buffet auch einen „Roulette-Tattoo-Automaten.“ Wer sich traut daran teilzunehmen, kann ein Gratistätowierung oder verschiedene Rabatte auf Tattoos gewinnen.

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