Deutsches Weingut drohte Piribauer mit Klage. Toni Piribauer aus Neudörfl musste wegen Klagsandrohung durch deutsches Weingut speziellen Weißweincuvée umtaufen.

Von Judith Jandrinitsch. Erstellt am 29. März 2017 (05:54)
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Gleich drei Spitzbuam. Michael und Toni Piribauer mit ihrem jugendlichen, spritzigen Wein „Spitzbua“. Der Name soll allerdings den Charakter des Weines zum Ausdruck bringen, nicht den der Winzer. Foto: JJ
Judith Jandrinitsch

Es war ein Moment des Schreckens, der Augenblick, als der Brief eines deutschen Rechtsanwaltes ins Haus der Heurigenfamilie Piribauer flatterte. In dem Schreiben wurden die Heurigenbesitzer mit der Tatsache konfrontiert, dass es ein deutsches Schlossweingut gibt, das einen Weißwein unter der gleichen Bezeichnung erzeugt und vertreibt wie die Piribauers in Neudörfl.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Der entscheidende Unterschied: Der Name des deutschen Weines war markenrechtlich geschützt, darum brachten die Schlossweingut-Betreiber durch ihren Anwalt eine markenrechtliche Unterlassungsklage gegen die Piribauers ein. Die Neudörfler Winzer ahnten bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass es im benachbarten Deutschland einen markenrechtlich geschützten Weißwein gibt, der den gleichen Namen trägt wie ihr lokales Produkt.

„Der Weinhandel läuft heute global ab, wir waren ja gemeinsam mit anderen Rosalia-Winzern vor Kurzem auf der Pro Düsseldorf, der größten Weinfachmesse der Welt. Dadurch muss man als Weinproduzent selbst bei der Namensgebung alle Eventualitäten in Betracht ziehen“, hat Toni Piribauer die Lehren aus der Klagsandrohung des deutschen Weingutes gezogen.

„Die Deutschen waren im Recht, unser Problem in diesem Fall war, dass wir diesen Wein auch in Deutschland verkauft haben. Die Deutschen legen das Markenrecht viel strenger aus als wir hier in Österreich, darum die Klagsdrohung“, erzählt Toni Piribauer offen. Auch in seinem Fall gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Lehren gezogen: Wein wurde zum „Spitzbuam“

Die Piribauers unterschrieben eine Unterlassungserklärung und informierten ihre Weinkäufer über den Umstand, dass besagter Wein unter diesem bestimmten Namen nicht mehr verkauft werden darf. Das betrifft auch den Verkauf durch Dritte, wie z.B. Restaurantbesitzer. 5.100 Euro hätten die Piribauers Strafe zahlen müssen, pro Verkauf, wenn die deutschen Schlosswinzer diesem auf die Spur gekommen wären. Und auch medial darf der Name nirgends mehr aufscheinen, weder in Printwerken noch im Internet.

Die Neudörfler Weinbauern haben die Lehren aus dem Fall gezogen. „Unser Cuvée ist ein Jugendlicher Wein, fruchtig, lieblich, leicht spritzig. Ein Traminer mit gelbem Muskateller und Sämling. Der passende Name dafür lautet „Spitzbua“", erzählt Toni Piribauer, der sein jüngstes Kind EU-weit markenrechtlich schützen hat lassen.