Beim Tag der offenen Tür der Akademie der Wirtschaft in Neusiedl am See erkundeten Jugendliche die Ausbildung mit Quizzen, Spielen und Führungen.
Vor 70 Jahren verließ der letzte russische Soldat Bruckneudorf
Historischer Moment
Der Bruckneudorfer Kulturausschuss erinnert mit den Abschiedsworten des russischen Soldaten Filip Olisarenko an den Abzug der Besatzungssoldaten: Sie verließen am 19. September 1955 vom Bruckneudorfer Bahnhof aus das Land.
Die Abschiedsworte von Offizier Filip Olisarenko sind nun am Bahnhof zu lesen.
© Christian Zenger
Es war ein historischer Moment für ganz Österreich - und er ereignete sich am Brucker Bahnhof in Bruckneudorf vor 70 Jahren: Am 19. September 1955, genau um 16.55 Uhr, verließen die letzten russischen Besatzungssoldaten den neutralen Staat Österreich. Der letzte „blaue Zug“ fuhr von Bruck in die Sowjetunion.
Nachdem die Alliierten Österreich im März 1945 vom Nationalsozialismus befreit hatten, wurde das Land bekanntlich militärisch besetzt. Die Besatzungszeit endete zehn Jahre später mit dem Staatsvertrag und die alliierten Truppen mussten den souveränen Staat bis zum 25. Oktober 1955 verlassen. Tatsächlich endete die sowjetische Besatzungszeit bereits am 19. September, als die letzten Soldaten in Bruckneudorf in besagten „blauen Zug“ stiegen.
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Kurz vor der Abfahrt stellte sich der örtliche sowjetische Offizier, Garde-Oberstleutnant Filip Olisarenko, auf die Stufen des Waggons und sprach zur Verabschiedung die Worte: „16.55 Uhr - eine historische Zeit! Alles Gute für das österreichische Volk. Alles Gute für Bruck und Bruckneudorf. Auf Wiedersehen!“
Bereits am 28. August hatte Olisarenko das Brucker Militärlager mit rund 60 Objekten offiziell an die österreichischen Behörden übergeben. Wenige Tage davor waren die Soldaten noch durch die Stadt marschiert und hatten beim Kriegerdenkmal am Hauptplatz an die Stadt appelliert, dass die sowjetischen Denkmäler gepflegt werden sollen. Am 13. September wurde Bruck von Bundeskanzler Julius Raab besucht. Er besichtigte die von den Besatzungssoldaten geräumten Gebäude, wie man in der Brucker Stadtchronik von Stadtarchivarin Petra Weiss nachlesen kann.
Der Bruckneudorfer Kulturausschuss erinnert nun an diesen denkwürdigen Tag, sowie an das Jubiläum des Staatsvertrags: Am Bahnhof wurden Olisarenkos Abschiedsworte an die Österreicher in übergroßer Schrift aufgeklebt, und zwar genau an die Stelle, an der sich der sowjetische Offizier vom damaligen Brucker Bürgermeister Rudolf Pöpperl und seinem Amtskollegen, dem Bruckneudorfer Bürgermeister Franz Pschill, verabschiedete.
„Wir wollten zu dem historischen Datum nicht nur ein kleines Infoschild im Gemeindeamt anbringen, sondern den bemerkenswerten Spruch von Olisarenko ein wenig vergrößern und der Öffentlichkeit zeigen. Dadurch soll auch die Jugend über die Geschichte unserer Gemeinde informiert werden“, erklärt Bürgermeister Gerhard Dreiszker (SPÖ).

© Christian Zenger