Diebstahl, Raub, Drohung: Duo vor Gericht

Parndorf

Im Bus von Parndorf nach Bratislava attackierte ein 26-Jähriger einen Fahrgast. Gemeinsam mit seinem 29-jährigen Freund soll er gestohlen haben. Jetzt stehen beide vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir

Die beiden Angeklagten im Alter von 26 und 29 Jahren weisen gemeinsam bereits 16 Vorstrafen auf.

Die beiden Angeklagten im Alter von 26 und 29 Jahren weisen gemeinsam bereits 16 Vorstrafen auf.

© BVZ/Kirchmeir

Die beiden Männer mit slowakischer Staatsbürgerschaft leben im Obdachlosen-Milieu und hielten sich zuletzt in Wien auf. Der Jüngere wurde 2018 in Österreich wegen Raubes zu 18 Monaten Haft verurteilt, weitere Vorstrafen erhielt er in seiner Heimat und in Tschechien.

Der 29-Jährige wurde voriges Jahr in Österreich wegen Diebstahls verurteilt und sammelte weitere Vorstrafen in Großbritannien und der Slowakei.

Das erste Faktum, um das es am 16. Juli 2024 im Landesgericht Eisenstadt ging, soll im Februar 2020 stattgefunden haben. Damals war der heute 26-Jährige zunächst mit dem Zug in Richtung Bratislava unterwegs. Da auf der Strecke ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war, wechselte er in den Bus.

„Ich habe eine Pistole im Rucksack“

In Parndorf soll es dann mit einem Fahrgast zum Streit gekommen sein. Der Angeklagte soll den Fahrgast beleidigt, geschlagen, getreten und bedroht haben. Das Opfer erlitt dabei einen Nasenbeinbruch und eine Thoraxprellung. „Ich habe eine Pistole im Rucksack und wenn wir nach Bratislava kommen, töte ich dich“, soll der Obdachlose gedroht haben.

Dieser behauptete aber vor Gericht, der andere habe zuerst zugeschlagen. Anders schilderte es ein unbeteiligter Augenzeuge: Der Angeklagte habe dem Fahrgast fünf- bis zehnmal ins Gesicht geschlagen. Der andere sei ruhig geblieben und habe nur gesagt: „Geh' weg!“

„Da legt sich bei mir ein Schalter um“

Richterin Doris Halper-Praunias fragte den Angeklagten, ob dieser sein Verhalten für angemessen halte. „Ich denke nicht mehr an Verhältnismäßigkeit“, sagte der 26-Jährige. „Da legt sich bei mir ein Schalter um.“

Zuvor hatte er davon berichtet, dass er von seinem 4. bis zum 18. Lebensjahr im Kinderheim gewesen und 32 Mal in der Psychiatrie aufgenommen worden sei. Er habe Diagnosen als „Soziopath, Psychopath und Aggressor“ und sei überdies in „Martial Arts“ trainiert.

Weitere Straftaten sollen der 26-Jährige und sein 29-jähriger Freund in Wien begangen haben. Wegen des Vorfalls in Parndorf wurden auch diese Anklagepunkte in Eisenstadt verhandelt.

Am Bahnsteig auf Mann eingeschlagen

Der 26-Jährige gab zu, am Bahnsteig in Meidling einen Mann geschlagen und getreten zu haben. „Er zeigte mir den Mittelfinger. Das ließ mir keine Ruhe“, sagte der Angeklagte. Ein Augenzeuge hatte zu Protokoll gegeben, dass der Angeklagte aus dem Zug gestiegen und „wahllos einem am Bahnsteig wartenden Mann auf die Nase geschlagen“ habe.

Ein anderer Zeuge beobachtete, wie der 26-Jährige dem Opfer mit dem Fuß ins Gesicht trat. „Das ist Blödsinn!“, sagte der Angeklagte.

Einen weiteren Mann hatte er am 22. März 2024 vor einem Obdachlosenheim in Wien zusammengeschlagen. Er habe ihn zur Rede gestellt, weil er angeblich von einer Bekannten „Sex gegen Geld“ gefordert haben soll, so der Angeklagte.

„Das Leben auf der Straße ist gefährlich“

Daraufhin habe ihn der andere bedroht: „Ich bin Mafia, du wirst sterben“. Als Reaktion habe er ihm drei Tritte verpasst, so der 26-Jährige. „Das Leben auf der Straße ist gefährlich. Man muss immer damit rechnen, dass einem so etwas passiert“, sagte er vor Gericht.

Gemeinsam mit dem 29-Jährigen soll er in Wien Diebstähle begangen haben. In einer Abbruchwohnung in der Linzer Straße in Wien war Diebsgut gefunden worden, unter anderem Fahrräder und Elektronikgegenstände.

„Diese Sachen waren schon in der Wohnung“, behauptete der 26-Jährige. Und auch der 29-Jährige bestritt, irgendetwas mit Fahrrad-Diebstählen zu tun gehabt zu haben. Er habe nur einmal bei einem Textil-Diskonter Kleidungsstücke gestohlen.

Eines der Fahrräder habe ihm „ein anderer Zigeuner in der Nähe des Hauptbahnhofs überlassen“, erzählte der 26-Jährige. Er sei damit ein paar Stunden lang herumgefahren und als er wieder zurückgekommen sei, sei der andere Mann nicht mehr da gewesen. „Da nahm ich das Fahrrad mit“, so der 26-Jährige.

In der Wohnung lebten auch sein Bruder und dessen Freundin. Beide belasteten bei ihrer polizeilichen Einvernahme die beiden Angeklagten, kamen aber nicht zur Zeugenaussage vor Gericht. Ihr Aufenthaltsort soll jetzt ausgeforscht werden. Der Prozess wurde vertagt.