Am vergangenen Wochenende standen in Neusiedl die Tätowiernadeln im Dienst des Tierschutzes. Rund 150 Personen ließen sich für den guten Zweck tätowieren.
Neue Anbauversuche sollen Wasser im Seewinkel sparen
LIFE Pannonic Salt
Mit neuen Kulturen und innovativen Anbaumethoden suchen Forschung und Landwirtschaft im Seewinkel nach Wegen, Wasser effizienter zu nutzen. Im Rahmen des EU-Projekts LIFE Pannonic Salt laufen dazu Feldversuche auf vier landwirtschaftlichen Betrieben. Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner informierte sich vor Ort über den Stand des Projekts.
Beim Besuch der Versuchsflächen des EU-Projekts LIFE Pannonic Salt in St. Andrä (v.l.): Paul Schlögl, Geschäftsführer Bio Austria, Franz Traudtner, Obmann Bio Austria, Dominik Berger, Anna Tomic, Mitarbeiterin FiBL, Lisa Wachtler, Bäuerin und Projektteilnehmerin, Andreas Kranzler, Geschäftsführer FiBL Österreich, Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner, Andreas Feiler, PANNATURA, Johannes Ehrenfeldner, Direktor Nationalpark Neusiedler See Seewinkel
© Büro LH-Stv.in Haider-Wallner / Hannah Neugebauer
Trockenheit und sinkende Grundwasserstände stellen die Landwirtschaft im Seewinkel vor große Herausforderungen. Im EU-geförderten Projekt LIFE Pannonic Salt werden deshalb neue Ansätze für eine grundwasserschonende Bewirtschaftung erprobt. Die wissenschaftlich begleiteten Feldversuche finden auf vier Praxisbetrieben in St. Andrä am Zicksee, Tadten und Wallern statt, teilweise auf Flächen der Esterhazy Betriebe.
Koordiniert wird LIFE Pannonic Salt vom Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel. Projektpartner sind das Amt der Burgenländischen Landesregierung, die Technische Universität Wien und der World Wide Fund for Nature (WWF) Österreich. Das Teilprojekt „Perspektiven für eine grundwasserschonende Landwirtschaft“ setzt das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL Österreich) gemeinsam mit BIO AUSTRIA Burgenland, der Landwirtschaftskammer Burgenland, der Universität für Bodenkultur Wien und regionalen Landwirtschaftsbetrieben um.
Im Vegetationsjahr 2026 werden insgesamt sechs Versuche durchgeführt. Ziel ist es, den Wasserverbrauch in der Landwirtschaft zu senken, Betriebe an die Folgen des Klimawandels anzupassen und gleichzeitig die Sodalacken des Seewinkels langfristig zu erhalten.
Untersucht werden trockenheitstolerante Kulturen wie Quinoa, Amaranth, Saflor und Öllein. Daneben werden Kichererbse, Mungbohne, Sesam, Erdnuss und Schwarzkümmel als neue Kulturen für die Region getestet. Außerdem erforschen die Projektpartner, wie Winterkulturen die natürliche Winterfeuchtigkeit besser nutzen und dadurch den Bewässerungsbedarf verringern können. Ebenso fließen Ertragspotenzial und Vermarktungsmöglichkeiten in die Untersuchungen ein.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf neuen Bewirtschaftungsmethoden. Biohydrogele sollen Wasser im Boden speichern und bedarfsgerecht an die Pflanzen abgeben. Mulchabdeckungen sollen die Verdunstung reduzieren. Auf Flächen der Esterhazy Betriebe wird außerdem ein Streifenanbau von Mais und Soja erprobt, der durch ein verbessertes Mikroklima den Wasserverbrauch senken soll. Parallel dazu erfassen die Forschenden unter anderem Bodenwassergehalt, Bodentemperatur, Pflanzenentwicklung und Erträge.
Die Ergebnisse sollen nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse liefern, sondern auch direkt in die landwirtschaftliche Praxis einfließen. Gemeinsam mit regionalen Betrieben werden Lösungen entwickelt, die künftig auf möglichst vielen Höfen angewendet werden können.
FiBL-Österreich-Geschäftsführer Andreas Kranzler verweist auf den steigenden Handlungsbedarf: „Der Druck, Wasser in der Region nachhaltig und effizient zu nutzen, nimmt durch den Klimawandel stetig zu. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen daher neue Ansätze, um ihre Betriebe an die veränderten Bedingungen anzupassen. Als unabhängiger wissenschaftlicher Dienstleister entwickelt das FiBL gemeinsam mit der Landwirtschaft praxistaugliche Strategien für einen sparsamen und nachhaltigen Umgang mit Wasser und begleitet deren Umsetzung in den Betrieben.“
Auch BIO-AUSTRIA-Burgenland-Obmann Franz Traudtner hebt die Zusammenarbeit hervor: „Die Experimentierfreudigkeit und Offenheit der Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern für Neues und Unkonventionelles wird hier wissenschaftlich begleitet und dokumentiert, um für die gesamte Landwirtschaft neue Möglichkeiten aufzuzeigen.“ Die teilnehmenden Betriebe müssten flexibel auf die Bedingungen in der Natur reagieren und dürften dabei keine Angst vor Rückschlägen haben.
Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner betont neben den wissenschaftlichen Zielen auch den Nutzen für die Vermarktung neuer Kulturen. Die Ergebnisse könnten künftig als Best-Practice-Beispiele für andere Trockenregionen in Europa dienen. Zugleich verweist er auf die enge Verbindung von Landwirtschaft und Naturschutz im Seewinkel: „Die Grundüberlegung, innovative, landwirtschaftliche Versuche in einem Naturschutzprojekt von europaweitem Interesse zu finanzieren, ist der Tatsache geschuldet, dass speziell im Seewinkel die Systeme Landwirtschaft und Lebensraumschutz aufs Engste miteinander verknüpft und voneinander abhängig sind.“
Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner sieht im Projekt einen wichtigen Beitrag für die Zukunft der Region: „Der Seewinkel ist eine europaweit einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Ihr Schutz gelingt nur gemeinsam mit einer Landwirtschaft, die wirtschaftlich erfolgreich ist und sorgsam mit unserer wertvollsten Ressource – dem Wasser – umgeht. Genau dafür liefert LIFE Pannonic Salt wertvolle Antworten.“
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